Der FC Wacker München ist ein im Stadtviertel Sendling beheimateter Fußballverein, der lange Zeit – wenn auch meist mit Abstand – die Nummer drei im Münchner Fußball war, inzwischen aber von untergeordneter Bedeutung ist. In der Glanzzeit des Vereins in den 1920er Jahren errang der FC Wacker 1922 den Titel des süddeutschen Fußballmeisters und stand zweimal im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Bis 1980 spielte der FC Wacker durchgängig mindestens 3. Liga.

Geschichte 1903–1920: Gründung und erste Jahre mini|links|100px|Historisches Logo um 1930 Der Verein wurde am 7. Mai 1903 in der Gaststätte „Alter Huiras“ im Münchner Stadtteil Laim als FC Isaria gegründet und hieß zwischenzeitlich FC Wittelsbach und FC München-Laim. 1904 erfolgte die Umbenennung in FC Wacker und 1905 trat der Verein dem Süddeutschen Fußballverband bei. 1908 trat er dem Radsportclub Monachia bei und firmierte danach offiziell als Fußball-Abteilung Wacker 1903 des SC Monachia.Spiel der SpVgg Greuther Fürth – A-Klasse Ostkreis: Wacker München – SpVgg Fürth 2:7 (1:3) – So., 23. Oktober 1910 greuther-fuerth.de

Der Vorsitzende der FA Wacker war Franz Nußhardt (1908–1914), der vor dem Ersten Weltkrieg eine Reihe gemeinsamer Veranstaltungen mit der „FA Bayern im Münchener SC“ (heutiger FC Bayern) ausrichtete. Zur Spielzeit 1913/14 traten die Fußballer der Turnerschaft 1886 München bei und liefen als Fußballabteilung Turnerschaft Wacker 1886 München auf. 1917 machte die (Associations) Fußball und die Rugby (Fußball)-Abteilungen sich schließlich als FC Wacker München selbständig. greuther-fuerth.de

mini|FC Wacker München Südbayerischer Meister 1919 Erster Star der Blausterne war der österreichische Nationaltorwart Karl Pekarna, der 1905, als er für die Glasgow Rangers spielte, als schottischer Torwart des Jahres geehrt wurde. Er kam 1908 zur FA Wacker und mit ihm wurde man 1910 erstmals Münchener Stadtmeister und Oberbayerischer Meister. 1910 wechselte Pekarna gegen Zahlung einer erheblichen Summe zum FC Bayern. Dieser Tabubruch inmitten des „Amateursports“ war der erste handfeste Skandal in der Münchener Fußballgeschichte. Pekarna wurde dafür zeitweise aus dem Verband ausgeschlossen.

Der FC Wacker München gewann 1919 erstmals die Südbayerische Meisterschaft durch ein 5:1 gegen den FC Bayern München.

1920–1933: Die Goldenen 1920er-Jahre mini|FC Wacker München Südbayerischer Meister 1921 mini|FC Wacker München Süddeutscher Meister 1922 Die 1920er Jahre sollten zur „Goldenen Zeit“ des FC Wacker werden. 1921 wurde erneut die Südbayerische Meisterschaft gewonnen. Eng verbunden mit den Erfolgen in diesem Jahrzehnt ist der ungarische Nationalspieler Alfréd „Spezi“ Schaffer, 1918 und 1919 europäischer RekordtorschützeAlan Brown: European Topscorers before 1967/68, Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation, 10. September 2005 und allgemein als der erste Fußballstar des Kontinents angesehen, der von 1920 bis 1922 beim Verein spielte.

Wacker bedurfte einer List, sich die Dienste Schaffers zu sichern. Dieser hatte ursprünglich beabsichtigt, den 1. FC Nürnberg in Richtung Basel zu verlassen, wurde dann jedoch von Eugen Seybold und Torwart Alfred Bernstein überredet, an der Isar zu spielen. Weil Schaffer als ausländischer Berufsspieler galt, verweigerte ihm der DFB jedoch 1920 die Spielerlaubnis. Der FC Wacker beschäftigte ihn deshalb zunächst bis zum Frühjahr 1921 nur als Cheftrainer. Dann erschien in der Zeitschrift “Fußball” eine fingierte Verlobungsanzeige Schaffers mit der Schwester von Alfred Bernstein. Diese vorgebliche Schwester Olga gab es zwar gar nicht, aber der DFB war damit überlistet und Schaffer erhielt daraufhin die Spielerlaubnis und war fortan Spielertrainer beim FC Wacker.

In den 1920er Jahren liefen noch weitere prominente Spieler für den FC Wacker auf. Herauszuheben sind hier der ungarische Nationalspieler Péter Szabó, Trainer Edward Hanney, der 1912 mit England bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm die Goldmedaille gewann, sowie die deutschen Nationalspieler Willy Falk und Josef Weber, sowie Josef Bergmaier.

1922 gewann der FC Wacker in Frankfurt die Süddeutsche Meisterschaft durch einen 2:1-Finalsieg nach Verlängerung gegen Borussia Neunkirchen. Die Münchener Stadtchronik notierte für den 15. Mai 1922:

In den folgenden Endrundenspielen um die Deutsche Meisterschaft stieß man durch einen 5:0-Viertelfinalsieg in Karlsruhe über Arminia Bielefeld bis ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft vor. Das Halbfinale gegen den Hamburger SV wurde trotz deutlicher Feldüberlegenheit mit 0:4 verloren. Zur Mannschaft des FC Wacker gehörten hier unter anderem auch die Nationalspieler Heinrich Altvater und Albert Eschenlohr.

Im Juni 1926 war der FC Wacker Gast einer Stadtauswahl von Dortmund beim Eröffnungsspiel des dortigen Stadions Rote Erde, in dem Borussia Dortmund bis zur Einweihung des Westfalenstadions 1974 große Erfolge feiern sollte, und gewann mit 11:1.

Nachdem Alfréd Schaffer seine Spielerkarriere beendet hatte, wurde er von Wacker Vorstand Albert Bauer 1925 erneut verpflichtet. Er blieb für eine Saison, wechselte 1926 zum DSV München, nur um im Juni 1928 pünktlich zu den Endrundenspielen wieder zurückzukehren. Er führte die Mannschaft erneut ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft, aber in Leipzig musste Wacker nach einer 1:2-Niederlage gegen Hertha BSC die Meisterschaftshoffnungen begraben.

Im März 1931 trat die Hockeyabteilung aus und gründete den HC Wacker. Finanzielle Probleme im Zuge der Weltwirtschaftskrise hatten Unruhe in den Verein getragen. Zwei Monate später wurde Sepp „Joschi“ Kirmaier, Sportjournalist der Zeitung „Fußball“ und langjähriges Vereinsmitglied, zum neuen Vereinsvorsitzenden des FC Wacker gewählt. Im September 1932 wurde dann der Herausgeber des „Fußball“, Eugen Seybold, zum Vereinsvorsitzenden gewählt. Er galt wie zuvor schon Albert Bauer als prominenter Verfechter der Einführung des Profifußballs in Deutschland und zudem als Organisator des Alfred Schaffer Transfers zum FC Wacker 1920. Seybold führte 1932 den „Blaustern“ beim FC Wacker ein und verhinderte die Löschung und Fusion des Vereins gemäß Anordnung der Partei mit beherzten Schriftsätzen und Stellungnahmen. Das Schicksal anderer Vereine blieb dem FC Wacker somit erspart und der Verein blieb selbstständig.

1933–1945: Wacker in der Gauliga mini|Wacker 1936 in der Gauliga Bayern 1933 wurde der deutsche Fußball umorganisiert und an die Stelle der zuletzt 55 regionalen ersten Klassen traten 16 Gauligen. Der FC Wacker qualifizierte sich für die Gauliga Bayern, in der je nach Saison 10 bis 12 Vereine um die Bayerische Gaumeisterschaft und damit die Teilnahme an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft spielten. Wacker gelang es dort nicht, sich besonders hervorzutun und war zum Saisonschluss öfter im Tabellenkeller zu finden.

1937 verpflichtete der 1. Vorstand Eugen Seybold Trainer Max Breunig, der seinerzeit zur Elite deutscher Trainer zählte. Breunig stand für ein sehr ansehnliches Kombinationsspiel, mit dem er bereits beim SV 1860 München in den Vorjahren sehr erfolgreich gewesen war und zweimal das Halbfinale und einmal das Finale der Deutschen Meisterschaft erreicht hatte. Aber es half alles nichts und Wacker stieg nach der fünften Saison 1937/38 schließlich als Vorletzter ab, trotz des 1934 vom FC Bayern gekommenen Nationalspielers Sigmund Haringer. Im September 1938 kehrte dann Alfréd Schaffer auf den Trainerstuhl des FC Wacker zurück. Im selben Jahr kam auch Fritz Herdin zum FC Wacker.

mini|Wacker 1939 in der Amateur-Liga Bayern Damit begannen auch die Jahre des Zweiten Weltkriegs. Ernst Poertgen, Starstürmer des Abonnementsmeisters jener Ära, des FC Schalke 04, wurde mit der Wehrmacht in München stationiert und spielte in bis zu seiner Gefangennahme durch die US-Amerikaner 1942 beim FC Wacker. Mit ihm gelang 1940 der Wiederaufstieg, doch bis zum Kriegsende kam der FC Wacker nicht über Mittelmaß hinaus. In dieser Zeit trat auch der ebenfalls kriegsbedingt in München stationierte spätere Meistertrainer Hennes Weisweiler für den FC Wacker an.

1945 bis 1979: Von der Oberliga zur Bayernliga Nach dem Krieg fand der FC Wacker Aufnahme in die zweitklassige Landesliga Bayern, von wo ihm 1947 der Aufstieg in die weiland erstklassige Oberliga Süd gelang. Dabei half der Verteidiger Hans Bauer, der 1954 als Bayern-Spieler mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister werden sollte. Doch auch ihm gelang es nicht, den umgehenden Wiederabstieg zu verhindern. Die große Zeit des FC Wacker war damit vorbei. Der Verein, der bis zu diesem Zeitpunkt fast immer erstklassig war, sollte nie wieder in der höchsten Spielklasse antreten.

mini|Mannschaftsbild 1968 1950 qualifizierte sich der FC Wacker für die 2. Oberliga Süd, einer neuen auf dem Vertragsspielerstatus aufgebauten zweithöchsten Spielklasse, die an die Stelle der Landesligen trat. Dort hielt sich der Verein, mit einjähriger Unterbrechung, bis 1954. Bis 1980 spielte der Verein in der seinerzeit drittklassigen Bayernliga. In den Spielzeiten 1964/65, 1970/71 und 1972/73 spielten die Sendlinger jeweils eine Saison in der zweitklassigen Regionalliga Süd. 1976 qualifizierte sich der FC Wacker als Bayernligameister erneut für den Aufstieg, verzichtete aber aus finanziellen Gründen.

Unter Trainer Karl Mai, einem Weltmeister von 1954, drang der FC Wacker 1968 in das Finale um die deutsche Amateurmeisterschaft vor, unterlag im in Bochum abgehaltenen Finale aber dem VfB Marathon Remscheid nach Verlängerung mit 3:5. Prominente Spieler waren Mittelstürmer Gerhard Mansfeld und der 18-fache Amateurnationalspieler Horst Pohl. 1968 wechselte dann Adi Kunstwadl, der erste Bundesliga Kapitän des FC Bayern, zum FC Wacker München und spielte dort bis 1974.

Alfred Fackler, der auch sieben Jahre Präsident des Vereins und später Vizepräsident und Ehrenvizepräsident des Bayerischen Fußballverbands wurde,Herzlichen Glückwunsch, Alfred Fackler, Bayerischer Fußball-Verband, 23. November 2010. fungierte in jener Zeit als Technischer Direktor der Blausterne. Fackler war auch in drei relativ kurzen Perioden Trainer der Sendlinger und führte in diesen den Verein 1970 und 1972 zur Bayernligameisterschaft und damit zum Aufstieg in die Regionalliga.

Die 2. Heimat des FC Wacker war mittlerweile schon seit 1963 das Dantestadion, welches von den Sendlinger Zuschauern in all den Jahren nur unwillig angenommen wurde. Der Ausbau des alten Wackerplatzes machte nur sehr langsame Fortschritte. 1972 war es dann endlich so weit, die Bezirkssportanlage Demleitnerstraße wurde eingeweiht.

1976 qualifizierte sich der FC Wacker als Bayernligameister erneut für den Aufstieg, aber 1. Vorstand Alfred Fackler verzichtete aus finanziellen Gründen darauf und zog zurück. Daraufhin war der Würzburger FV Aufsteiger. Trainer Horst Pohl nahm daraufhin seinen Hut und ging zum MTV Ingolstadt. Die Nachfolge von Horst Pohl trat Alois Lechermeier an (1976–1978), und auf ihn folgte von 1978 bis 1980 Wolfgang Gierlinger, der zuvor bereits von 1970 bis 1973 Spieler war (57 Regionalligaeinsätze für Wacker).

1980 bis 2000: Von der Landesliga zum Beinahe-Untergang mini|FC Wacker 1980 1980 stieg der FC Wacker erstmals in die vierte Spielklasse ab, kehrte aber nach zwei Spielzeiten in die Bayernliga zurück. In den folgenden Jahren pendelte der Verein zwischen dritter und vierter Liga. 1980 kam Toni Nachreiner vom TSV 1860 zu den Blausternen. Er hatte sich im Zuge seines Jurastudiums re-amateurisieren lassen und blieb bis 1985 beim FC Wacker.