Die Gaswerksiedlung Rummelsburg ist eine ehemalige Wohnsiedlung im Ortsteil Rummelsburg des Berliner Bezirks Lichtenberg. Sie entstand in den Jahren 1925 bis 1926 für Beschäftigte des Gaswerks Lichtenberg II. Der Gebäudekomplex wurde in den 1980er Jahren für den Denkmalschutz inventarisiert und nach dem Mauerfall wird dieser Schutz fortgeführt. mini|hochkant=2.0|Straßenfront der Gaswerksiedlung (Fisheye-Form)
Lage Die historische Siedlung liegt an der Köpenicker Chaussee 24–39 / Blockdammweg 1. Die verkehrsmäßige Erschließung durch den ÖPNV erfolgt durch die Straßenbahnlinie 21.
Geschichte Das Gaswerk Lichtenberg II wurde 1913–1914 errichtet, um den wachsenden Energiebedarf der damals eigenständigen Stadt Lichtenberg zu decken. Mit der Eingemeindung Lichtenbergs nach Groß-Berlin im Jahr 1920 übernahm die GASAG das Werk. Es wurde 80 Jahre lang zu einem der wichtigsten Gaswerke Berlins. Im Jahr 1985 wurde es stillgelegt.
Die Gaswerksiedlung gelangte nach der deutschen Wiedervereinigung in das Eigentum von Vattenfall. Im Jahr 2015 wurde das Areal rund um die Köpenicker Chaussee als Industriegebiet ausgewiesen und erlaubt daher keine Wohnnutzung mehr. Seit 2018 sind die ehemaligen Wohngebäude ein Künstler- und Musikhaus.
Architektur Die Architekten Ernst Engelmann und Emil Fangmeyer waren von den Fabrikbesitzern der gerade errichteten Kokerei beauftragt worden, preisgünstigen Wohnraum für Arbeiter und Angestellte ihres Gaswerks zu planen und zu bauen. Sie entwarfen einen 250 Meter langen streng symmetrischen Gebäudetrakt mit 17 Häusern entlang der Hauptverkehrsstraße Köpenicker Chaussee, der 105 Wohnungen beinhaltet und in 16 Aufgänge gegliedert ist. Zwischen den Aufgängen sind zur Straße hin kleine Vorgärten angelegt. Das Mittelstück des Wohntraktes von 135 m Länge ist um etwa fünf Meter gegenüber den langen Flügeln zur Straße vorgezogen und seitlich mit runden Erkertürmen markiert. Alle straßenseitigen Erdgeschosswohnungen verfügen über weiße Außenfensterladen, die im aufgeklappten Zustand wie ein durchgängiges Fensterband wirken. Am südwestlichen Ende des Traktes schließt sich ein kurzer etwa 20 m langer Gebäudeflügel am Blockdammweg an. Genau in der Mitte des Hauptteils sind in der zweiten und dritten Etage zwei rechteckige Erker übereinander aufgeständert. – Die Planer hatten sich am holländischen Baustil der deutschen Hansestädte orientiert: verklinkerte Backsteinfassaden, drei Etagen hoch, mit Pultdach und individuell gestaltete Ziergiebel an den Eingangsbereichen.
Die Fenster sind quadratisch bzw. querrechteckig und in Sprossenform gestaltet. Die Schaugiebel symbolisieren das Schemenbild einer Kokereianlage.Als vereinfachte Silhouette einer Kokerei können folgende typischen Bestandteile angesehen werden: Eine langgestreckte Horizontale, die Ofenbatterie, bildet die Basis der Kokereianlage. Ein wuchtiger Block darüber symbolisiert den Kohlenturm, meist das höchste Gebäude in der Mitte der Anlage, der die Kohle für die Befüllung der Öfen von oben bereithält. Eher seitwärts ist der kantige Löschturm angeordnet, der typischerweise oben offen ist und aus dem die Dampfwolken austreten. Vertikale schmale Nadeln (offene Kamine) stellen die schlanken Schlote zum Abzug der Heizgase dar, sie ragen deutlich über die Ofenbatterie hinaus. Die Türme und Kamine sind in den Giebelformen als Silhouetten erkennbar.
Detailansichten
Nutzungen Bis zur Stilllegung des Gaswerks im Jahr 1985 bewohnten noch immer überwiegend Arbeiter und Angestellte des Gaswerkes die Gebäude.
In den 2020er Jahren entwickelte sich die Gaswerksiedlung als Ort für Kultur aller Art. Vattenfall vermietet die Räumlichkeiten an Künstler, Kunsthandwerker oder Musiker, die hier Ateliers, Studios, Werk- und Probenräume betreiben und Workshops anbieten. Etwa 350 Kreative und kleinere Dienstleister haben sich eingemietet (Stand Sommer 2026). Es gibt auch einen Coworking-Space und an der Ecke ein kleines öffentliches Café. Auf der Hofseite, die nicht öffentlich zugängig ist, befinden sich Spiel- und Sportplätze, Party-Ecken, eine Freiluft-Konzertfläche für mehr als 300 Besucher und lauschige Treffpunkte. Beispielsweise finden seit dem Jahr 2023 hier die Gaswerk-Music Days statt.
Weblinks
Website der Gaswerksiedlung GmbH
Einzelnachweise und Kommentare
Kategorie:Erbaut 1925 Kategorie:Berlin-Rummelsburg Kategorie:Kulturdenkmal (Berlin) Kategorie:Versorgungsbauwerk in Berlin