Die Vogtei Rheintal war 1491 bis 1798 eine Gemeine Herrschaft der Alten Eidgenossenschaft in der heutigen Ostschweiz (Kanton St. Gallen). Die Vogtei umfasste folgende heutige Gemeinden: Rheineck St. Margrethen Au Berneck Balgach Diepoldsau Widnau Rebstein Marbach Altstätten Eichberg Oberriet Rüthi Thal (ohne Altenrhein und Unterstaad)

Geschichte mini|links|Das Wappen der Vogtei Rheintal nach der Chronik von Stumpf, 1548

Die alemannische Besiedlung des unteren Rheintals erfolgte im frühen Mittelalter. Im Frankenreich wurde das Rheintal zwischen Monstein und Hirschensprung dem Grafschaftsbezirk Rheingau zugeordnet, der 891 erstmals erwähnt wurde. Nur das Gebiet zwischen Bodensee und Montstein gehörte zum Thurgau. Im Mittelalter waren die Herrschaftsverhältnisse im Rheintal äusserst zersplittert. Verschiedentlich stritten sich deutsche Könige, Bischöfe von Konstanz, Äbte von St. Gallen und die Grafen von Bregenz und Werdenberg um das Gebiet. Schliesslich konnten die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg 1348 erstmals die Landeshoheit im ganzen Rheintal vereinigen.

Als 1363 die Habsburger die Grafschaft Tirol erwarben, begannen sie auch schrittweise die Herrschaft über das Rheintal zu gewinnen. Bis 1395 konnten sie durch Kauf und Eroberung das ganze Rheintal unter ihre Kontrolle bringen. Erst die Niederlage gegen die Appenzeller in der Schlacht am Stoss 1405 setzte dem ein Ende. Marbach, Berneck und Altstätten verbündeten sich mit den Appenzellern im "Bund ob dem See", in dem erstmals die Landleute im Rheintal von Rheineck bis Kriessern gemeinsam vereint waren. Nach der Appenzeller Niederlage bei Bregenz 1408 kehrten die alten Herren wieder zurück. Kurzzeitig kam das Rheintal 1424 grösstenteils in die Hand der Toggenburger. Nach deren Aussterben kam es zum Alten Zürichkrieg um die umfangreiche Erbschaft, in dessen Verlauf Appenzell das Rheintal mit Rheineck 1445 vollständig eroberten.

Appenzell konnte das Rheintal zwar 1464 gegen die Ansprüche der Fürstabtei St. Gallen behaupten, als Folge des Krieges um den Rorschacher Klosterbruch mussten sie es jedoch an die vier Schirmorte der Abtei, Zürich, Glarus, Schwyz und Luzern, abtreten. Damit wurde die Vogtei Rheintal zu einer Gemeinen Herrschaft innerhalb der Alten Eidgenossenschaft. 1491 nahmen die vier Orte Uri, Unterwalden und Zug in die Mitherrschaft der Vogtei Rheintal auf, 1500 Appenzell und 1712 Bern. Im Hof Kriessern regierte auch der Fürstabt von St. Gallen mit.

1528 beschlossen die Rheintaler die Annahme der Reformation, allerdings verblieben katholische Minderheiten. Nur Altstätten, Widnau, Kriessern und Rüthi waren mehrheitlich katholisch. Durch den Frieden von 1712 wurde den langwierigen Glaubensstreitigkeiten ein Ende gesetzt und die Vogtei zur „paritätischen“ Zone der Eidgenossenschaft gerechnet. Das heisst, dass beide Religionen gleichberechtigt nebeneinander existieren durften.

1798 erklärte sich die Vogtei Rheintal für unabhängig. Am 26. März 1798 wurde auf einer Landsgemeinde in Altstätten eine Verfassung beschlossen und ein Landammann und ein Landrat gewählt. Die Unabhängigkeit währte aber nur kurz, da schon im Mai die Eingliederung des Rheintals in den Kanton Säntis erfolgte. Nur Rüthi und Lienz kamen zum Kanton Linth. Nach der Gründung des Kantons St. Gallen 1803 bildete das Rheintal von Staad bis Lienz einen Bezirk. Die Hauptorte waren monateweise Altstätten und Rheineck. 1831 wurde eine Aufteilung in die Bezirke Unter- und Oberrheintal vorgenommen. Hauptort des Oberrheintals war Altstätten, jener des Unterrheintals wechselte zwischen Rheineck und Berneck. Die beiden Bezirke wurden 2003 im Rahmen einer Verfassungsrevision zum Wahlkreis Rheintal des Kantons St. Gallen vereinigt. Dabei wurde die Gemeinde Thal zum Wahlkreis Rorschach geschlagen.

Landvögte der acht Orte Amtsantritt NameAllgemeines helvetisches, eydgenössisches, oder schweitzerisches Lexicon, Bd. 15, hg. v. Hans Jacob Leu, Zürich 1759, S. 235–239. Ort HLS-Eintrag1490Dominik von FrauenfeldZürichHLS1492Jakob von HertensteinLuzernHLS1494Heinrich TrogerUriHLS1496Johannes JostSchwyz1498Johannes AmbühlUnterwalden1500Ulrich RettichZugHLS1502Rudolf WichserGlarusHLS1504Hans Moser / Hans MoserMöglicherweise handelt es sich um den gleichnamigen Sohn.AppenzellHLS1506Felix Grebel (I)ZürichHLS1508Peter ZukäsLuzernHLS1510Heinrich ImhoffUriHLS1512Johannes JostSchwyz1514Niclaus im GrundUnterwalden1516Johannes StadlinZugHLS1518Rudolf LuchsingerGlarus1520Conrad BrülsauerAppenzell1522Felix Grebel (II)ZürichHLS1524Johannes GolderLuzernHLS1526Melchior GyslerUriHLS1528Paul in der HaldenSchwyzHLS1530Sebastian KretzUnterwalden1532Götschi ZhaagZugHLS1534Conrad HässiGlarusHLS1536Mauritz GartenhauserAppenzellHLS1538Johannes HaabZürichHLS1540Beat FehrLuzern1542Martin ImhoffUriHLS1544Joseph GrüningerSchwyz1546Niclaus SigristUnterwaldenHLS1548Heinrich ZehenderZug1550Im Allgemeinen Helvetischen Lexicon hat sich an der Stelle der Auflistung vermutlich ein Druckfehler eingeschlichen: Dort steht 1553.Conrad HässiGlarusHLS1552Hieronymus KnillAppenzell1554Hans GöldinZürich1556Hans Haas / Anthoni Haas (I)Luzern1558Johannes GyslerUriHLS1560Martin UlrichSchwyzHLS1562Jörg SchäliUnterwalden1564Niclaus ItenZugHLS1566Fridolin SchulerGlarusHLS1568Ulrich Vetter / Ulrich Lanker (I)AppenzellHLS1570Hans BleulerZürich1572Anthoni HaasLuzern1574Jacob MuheimUriHLS1576Martin KostenerSchwyz1578Caspar DeggelerUnterwalden1580Caspar MeyenbergZugHLS1582Dietrich StauffacherGlarusHLS1584Ulrich Lanker (II)AppenzellHLS1586Hans Jacob RordorffZürichHLS1588Anthoni Haas (III)Luzern1590Walther ZeffelUri1592Johannes UlrichSchwyzHLS1594Wolffgang BritschgiUnterwaldenHLS1596Oswald BrandenbergZugHLS1598Johannes VogelGlarusHLS1600Ulrich NäffAppenzellHLS1602Adrian ZieglerZürich1604Heinrich CloosLuzernHLS1606Jacob MuheimUriHLS1608Christoff SchornoSchwyzHLS1610Johannes WirzUnterwaldenHLS1612Apollinari ItenZugHLS1614Ulrich TschudiGlarusHLS1616Sebastian AltherAppenzellHLS1618Hans Ludwig HoltzhalbZürichHLS1620Hans ZimmermannLuzern1622Sebastian Heinrich TröschUri1624Johannes BüelerSchwyzHLS1626Bartholome OdermattUnterwaldenHLS1628Wolffgang WikartZugHLS1630Andreas BeglingerGlarus1632Hypolitus BronbüelerAppenzell1634Johannes ScheuchzerZürichHLS1636Johannes CloosLuzernHLS1638Jacob LusserUriHLS1640Martin BellmontSchwyzHLS1642Johannes MüllerUnterwalden1644Christian HeinrichZugHLS1646Joost ZweifelGlarusHLS1648Conrad MeyerAppenzellHLS1650Hans Peter SteinerZürich1652Leopold FehrLuzern1654Sebastian MuheimUriHLS1656Carl BettschartSchwyzHLS1658Jacob StockmannUnterwaldenHLS1660Rudolf BoshartZug1662Fridolin ZwickiGlarusHLS1664Hans Jacob SchüsAppenzell1666David WerdmüllerZürich1668Hans Jacob OstertagLuzernHLS1670Johann Heinrich Emanuel BesslerUriHLS1672Carl BüelerSchwyzHLS1674Johann Ludwig LussiUnterwaldenHLS1676Paul MüllerZugHLS1678Fridolin FreulerGlarusHLS1680Conrad ZellwegerAppenzellHLS1682Hans Heinrich KilchspergerZürich1684Johann Rudolf DürlerLuzernHLS1686Johann Martin StraumeyerUriHLS1688Hans Balthasar MettlerSchwyz1690Johann Franz an der HaldenUnterwaldenHLS1692Niclaus ItenZugHLS1694Thomas StüssiGlarus1696Hans Jacob SchüssAppenzell1698Leonard WerdmüllerZürichHLS1700Franz Leonard MeyerLuzern

Siehe auch Geschichte des Kantons St. Gallen

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Einzelnachweise

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