mini|Abfüllung in einer Glasflasche Das Mineralwasser mit dem Markennamen Hunyadi János ( = Heilwasser Hunyadi János) ist ein in Ungarn erzeugtes Heilwasser. Es wird von der Firma Medaqua mit Sitz in Gyöngyös (Komitat Heves) gefördert und als Getränk in den Lebensmittelhandel gebracht. Der Quellort (Örsödi kutak = Brunnen in Örsöd) ist ein Landschaftsraum mit zahlreichen Brunnenschächten im westlichen Stadtgebiet von Budapest, der sich im Naturschutzgebiet „Kőérberki Szikes Rét Természetvédelmi Terület“ im heutigen Stadtteil Kőérberek (XI. Budapester Bezirk) befindet.

Geologie Die wasserführende Schicht des Brunnenareals wird an der Erdoberfläche von holozänen Bodenhorizonten (fQh) überdeckt, in denen ein Ausbiss der oligozänen Törökbálinti-Formation liegt.László Gyalog, Pál Pelikán, Ildikó Selmeczi: Budapest és környékének földtani térképe | The geological map of Budapest area, 1:50 000. Magyar Földtani és Geofizikai Intézet, Budapest 2015.

Die für die Brunnenanlagen relevanten wasserführenden Schichten sind Teil der Kiscell-Formation (historisch zitiert auch als „Kiscell-Tegel“), eine sedimentäre Abfolge oligozäner sandiger Tonablagerungen in oberflächennaher Lage. Der Sulfatgehalt des zirkulierenden Grundwassers entstammt einer In-situ-Verwitterung von Pyrit in endorheischen Verebnungen des Budaer Berglandes, wo eine starke Verdunstung stattfindet und es dadurch zu einer Anreicherung der Zersetzungsprodukte (hier u. a. Sulfationen) im verbleibenden Grundwasser kommt.László Gyalog, Gyula Maros, Pál Pelikán (Hrsg.): Budapest geokalauza | Budapest Geoguide. Magyar Földtani és Geofizikai Intézet, Budapest 2016, S. 46. Der Durchmesser der Brunnenschächte beträgt 1 Meter und ihre Tiefe erreicht etwa 6 Meter.László Gyalog, Gyula Maros, Pál Pelikán (Hrsg.): Budapest geokalauza | Budapest Geoguide. Magyar Földtani és Geofizikai Intézet, Budapest 2016, S. 222.

Geschichte mini|Andreas Saxlehner (1898), Die Bitterwasservorkommen in den südlichen Regionen von Budapest wurden von einem von thüringischen Vorfahren abstammenden und in Pest ansässigen Tuchhändler erschlossen. Dieser, Andreas Saxlehner (1815–1889), hatte von Landwirt János Bayer, einer seiner Kunden, erfahren, dass in den tieferliegenden Arealen um Budaörs eine Bohrung niedergebracht worden war, deren Wasser von Tieren nur zögerlich angenommen wurde. Saxlehner ließ das Wasser chemisch untersuchen, erkannte daraufhin die unternehmerischen Chancen mit dieser stark salinaren Mineralquelle, kaufte das Grundstück und beauftragte 1862 weitere Bohrungen in diesem Areal. Bereits 1863 bot er das Bitterwasser in Flaschen zu medizinischen Zwecken mit dem Namen Hunyadi János an. Es wurden in der frühen Phase des Brunnenbetriebs auf einer Fläche von 40 Hektar 70 Bohrungen vorgenommen. Für den Gewinnungsprozess baute man einige, insgesamt 60 Kubikmeter fassende tonnenförmige Wasserspeicherbehälter, die mit Keramikelementen ausgekleidet wurden. Von den Quellen bis zu den Auffangbehältern floss das Wasser in unterirdisch verlegte Steinzeugrohre in ein benachbartes Brunnenareal (Ferenc Jósef Gyógyvíz; Őrmező kutak = Brunnen in Őrmező). Eine von Saxlehner selbst konstruierte Maschine füllte ab 1886 das Bitterwasser in Versandflaschen. Der Warenabsatz gestaltete sich erfolgreich, das Heilwasser gelangte nach Westeuropa und in die Vereinigten Staaten. Im Jahre 1888 ließ Saxlehner ein 2,5 Kilometer langes Anschlussgleis bis zum Bahnhof Kelenföld an einer Fernbahnstrecke bauen, um der hohen Nachfrage und dem damit verbundenen Versandaufkommen besser gerecht zu werden. Um 1900 erreichte der Warenabsatz zwischen 5 und 6 Millionen Flaschen und 1913 belief er sich bereits auf 15 Millionen Flaschen, wovon der größte Teil in den Export ging.

Nach 1945 hielt die Nutzung der Quellen für die Produktion von Heilwasser an. Im Jahre 1975 war die Firma Vízkutató és Fúró Vállalat („Unternehmen für Wasseruntersuchung und Bohrungen“) für die Vermarktung verantwortlich. Seit 1996 förderte die Firma Élpak Zrt. aus Gyöngyös (Élpak GMK 1986 gegründet, als technischer Service für Abfüllanlagen, seit 1997 eine Aktiengesellschaft) das Wasser aus den Brunnenschächten. Deren Mineralwassersparte wurde im Jahr 2000 der Tochtergesellschaft Medaqua Zrt. übertragen, jedoch wird die Herstellung von Abfüllanlagen weiterhin vom dafür gegründeten Tochterunternehmen Packer Kft. betrieben.Rolunk. „Über uns“, auf www.medaqua.hu (ungarisch).Medaqua Kft: Die kurze Geschichte unserer Firma. auf www.medaqua.hu (deutsch).László Gyalog, Gyula Maros, Pál Pelikán (Hrsg.): Budapest geokalauza | Budapest Geoguide. Magyar Földtani és Geofizikai Intézet, Budapest 2016, S. 220–221. Die Abfüllung erfolgt heute nicht am Brunnenareal. Die geförderte Wassermenge wird mit Tanklastzügen in eine Getränkefabrik verbracht.

Chemische Zusammensetzung Das Wasser ist ein Magnesium-Natrium-Sulfat-Mineralwasser mit einer Gesamtmineralisation von 30.200 mg/l.Hunyadi János. Heilwasser mit Natriumsulfat (Glaubersalz). Angaben zum Produkt, auf www.theodora.hu (ungarisch). Kationen Calcium 430 mg/l Magnesium 2160 mg/l Natrium 5110 mg/l Anionen Chlorid 660 mg/l Hydrogencarbonat 738 mg/l Sulfat 18.700 mg/l

Nach einer Analyse von Szilard Papp, Budapest (1956), ergaben sich folgende Werte:Walter Carlé: Die Mineral- und Thermalwässer von Mitteleuropa. Geologie, Chemismus und Genese. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1975, S. 467. Kationen Calcium 400,23 mg/kg Eisen 0,78 mg/kg Magnesium 4400 mg/kg Natrium 5194,78 mg/kg Anionen Chlorid 580 mg/kg Fluorid 1,3 mg/kg Hydrogencarbonat 841,94 mg/kg Jod 0,04 mg/kg Sulfat 27.728,16 mg/kg

H2SiO3 12,22 mg/kg HBO2 5,00 mg/kg Die Gesamtmineralisation beträgt demnach 39.164,45 mg/kg.

Sortiment Über Auslandsvertretungen wird das Mineralwasser in die Slowakei (Levice) und nach Polen (Kattowitz) exportiert.Medaqua Kft: Die kurze Geschichte unserer Firma. Unsere ausländische Partner. Informationen, auf www.medaqua.hu (deutsch).

Weblinks

Webpräsenz. medaqua.hu (ungarisch, deutsch, englisch, italienisch, slowakisch) Andreas Saxlehner – Hunyadi János Bitterwasser: eine weltweite Konsumgütermarke des 19. Jahrhundert. In: Forum für Altpostgeschichte und Markenfreu(n)de, auf www.altpostgeschichte.de. Ádám Eszter: A Hunyadi János keserűvíz sikertörténete (Die Erfolgsgeschichte des Bitterwassers „Hunyadi János“). In: National Geographic Magyarország, auf www.ng.24.hu (ungarisch).

Einzelnachweise

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