Lee Gyeong-seok (* 1906 in Hapcheon, Gyeongsangnam-do, Japanisches Kaiserreich, heutiges Südkorea; † 8. September 1996 in Seoul, Südkorea) war der Gründer der Joseon Yeonmugwan (Yun Moo Kwan). Er war ein Judoka, der den Grundstein für die Entwicklung des koreanischen Judo legte, und nach der Befreiung von der japanischen Herrschaft, als ständiger Berater des koreanischen Judo-Verbandes tätig war. Er ist einer der wenigen koreanischen 10. Dan Träger im Judo.
Leben Lee Gyeong-seok (이경석) wurde 1906 in Hapcheon, Gyeongsangnam-do, geboren. Mit 15 Jahren begann er auf der Baejae High School mit dem Judo. 1925 ging er nach Tokio und absolvierte den Fachbereich für englisches Recht an der juristischen Fakultät der Chūō-Universität. Dabei studierte er Judo und Kendo an der Budo Senmon Gakko (武道専門学校), oft auch als Busen abgekürzt. 1928 gründete er die Tokioter Studenten-Kampfsportvereinigung, deren Kern aus Judo-, Kendo- und Boxkämpfern bestand, und übernahm deren Vorsitz.
Im Jahr 1931 kehrte er nach Korea zurück und investierte sein Privatvermögen in die Gründung der Joseon Yeonmugwan Stiftung (조선연무관재단) in Susong-dong, Jongno-gu, Seoul. Joseon (조선) ist der alte Name von Korea. Yeonmu (연무) die Schrittmuster oder die Bewegungslinien auf dem Boden, die man beim Ausführen einer Form (Poomsae oder Hyeong) abläuft. Es ist vergleichbar mit dem Begriff Embusen in den japanischen Kampfkünsten. Kwan (, 館 RR gwan) bedeutet etwa Institution oder Gebäude – etwa ein Ort, an dem man lernt und Geist sowie Körper kultiviert oder Haus zur Unterbringung und Bewirtung von Gäste bzw. Arbeitsstätte für Beamten oder politische Gesandten.
Gelehrte wie Lee Byeong-gi, Lee Hee-seung und Lee Geuk-no gaben in der Joseon Yeonmugwan Hangul-Kurse.
1934 unterrchtete er Judo an der Boseong High School (보성고등학교) in Songpa-gu, Seoul und anschließend Wirtschafts- und Staatsbürgerkunde an Boseong Jeonmunhakgyo () – heute Korea-Universität, und der Hyehwa-Fachschule (惠化專門學校) – heute Dongguk-Universität, in Changsin-dong, Seoul.
1945 verkaufte Lee Gyeong-seok das Joseon Yeonmugwan und erwarb durch Verhandlungen mit der US-Militärregierung das Kodokan Korea Branch von Shinoda Jisaku (篠田治作), einem Japaner, welcher die Stiftung im November 1917 gegründet hatte und deren Direktor war. Nach dem Kauf nannte er diese wieder Joseon Yeonmugwan. Ihr neuer Sitz war nun Sogong-dong, Jung-gu, Seoul.
Als der Koreaner Chun Sang-Sup, welcher als Jugendlicher während seines Aufenthalts in Japan Judo und Shudokan Karate bei Kanken Toyama gelernt hatte, aus Japan nach Korea zurückkehrte, bat Lee Gyeong-seok ihn, Judo zu unterrichten, was dieser auch tat.
Am 3. März 1946 gründete Chun Sang-Sup in der Joseon Yeonmugwan die Kong Soo Do Bu (der Zusatz „Bu“ () bedeutet „Abteilung“) und unterrichtete das Shudokan Karate (Kong Soo Do – Hanja 空手道 RR Gongsudo).
Dank Chun Sang-Sups organisatorischen und pädagogischen Begabung entwickelte Joseon Yeonmugwan (Yun Moo Kwan) sich der – neben Chung Do Hwe (Chung Do Kwan) – in der Zeit von 1946 bis 1949 zum führenden Kwan.
Die koreanische Halbinsel war unmittelbar nach der Befreiung von heftigen antijapanischen Ressentiments und dem Kampf gegen japanische Einflüsse geprägt. Judo stand an vorderster Front dieses Kampfes. Judo war Japans Nationalsport und eine Kampfkunst, mit der man dem Kaiser Treue schwor. Angesichts dieses Dilemmas wählte Lee Gyeong-seok eine Ideologie, um die Öffentlichkeit zu blenden. Als die japanische Kampfkunst Judo von den US-Militärbehörden verboten werden sollte, verteilte Lee Gyeong-seok am 3. November 1946 ein Dokument, indem er behauptete, dass Judo seinen Ursprung in den Hwarang während der Silla-Dynastie hat. Er behauptete, dass es das Judo im Subak und Gakjeo gegeben hätte. Weiterhin nutzte er die historische Bedeutung von Gwonbeop, um nach 1946 die Legitimität der Judo- und Gwonbeop-Abteilungen des Joseon Yeonmugwan zu sichern, seinen Lebensunterhalt zu verdienen und sein Dojo am Leben zu erhalten. Dies markierte die Geburtsstunde der sogenannten „koreanischen Ursprungstheorie des Yusul (Judo)“.
Am 25. September 1945 trafen sich etwa 40 Schwarzgurtträger im Saal des Joseon Christian Youth Association (YMCA) in Jongno-gu, Seoul, und gründeten die Joseon Judo Federation. Im November 1950 erfolgte die Umbenennung in Korea Judo Associatio (KJA). Das Joseon Yeonmugwan in Sogong-dong wurde zum zentralen Dojo der Korea Judo Association.
Mit Beginn des Koreakriegs am 25. Juni 1950 musste Lee Gyeong-seok das Joseon Yeonmugwan schließen.
Im November 1950 wurde der Joseon Judo Verband in Korea Judo Association (대한유도회) umbenannt und das Joseon Yeonmugwan in Sogong-dong wurde zum zentralen Dojo der Korea Judo Association ernannt.
Erst nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens am 27. Juli 1953 konnte Lee Gyeong die Schule wieder eröffnen. Chun Sang-Sup war im Korreakrieg vermisst. Dessen Schüler trennten sich nach andauernden Konflikten von der Schule und eröffneten eigene Schulen (Han Moo Kwan und Jidokwan). So blieb für Lee Gyeong-seok nur noch der Judo-Unterricht.
1957 wurde das Joseon Yeonmugwan Dojo vom obersten Gerichtshof zum Eigentum der Republik Korea erklärt und im November 1972 von der Kulturverwaltung aufgrund erheblicher Zahlungsrückstände bei den Grundstücksnutzungsgebühren an die Aekyung Oil & Fat Industry verkauft.
Lee Gyeong-seok wurde Berater der Korean Judo Association, unterrichtete über 50 Jahre lang Judo und bildete mehr als 50.000 Judoka aus. Am 26. November 1990 erhielt Lee Gyeong-seok als zweiter koreanischer Judoka zum 10. Dan befördert.
Am 8. September 1996 starb Lee Gyeong-seok im Alter von 90 Jahren. Er hinterlässt zwei Söhne und zwei Töchter.
Einzelnachweise
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