Josef Igersheimer, auch Joseph, (geboren 3. September 1879 in Frankfurt am Main; gestorben 7. November 1965 in Brookline, Massachusetts) war ein deutschamerikanischer Ophthalmologe.
Leben Josef Igersheimer war ein Sohn des Kursmaklers Leopold Igersheimer (1849–1921) und der Jennie Fränkel. Er besuchte das Kaiser-Friedrichs-Gymnasium in Frankfurt und studierte ab 1899 Medizin in Heidelberg, München, Berlin, Straßburg und Tübingen. Er wurde 1904 bei von Kehl in Tübingen mit der Dissertation Über den Blutdruck bei Tuberkulösen promoviert und habilitierte sich 1910 in Halle mit einer Arbeit zur Bedeutung von Syphilis und Tuberkulose bei Augenkrankheiten. Er heiratete 1914 Alice Heinemann (1888–1971). Seit 1918 war er Mitglied der liberaldemokratischen Deutschen Demokratischen Partei (DDP).Michael Grüttner, Ausgegrenzt: Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus., de Gruyter, Berlin/Boston 2023, S. 148.
Seit 1921 lehrte Igersheimer als nichtbeamteter a.o. Professor für Augenheilkunde an der Frankfurter Universität. Ab 1925 leitete er die Augenabteilung des Bürgerhospitals in Frankfurt am Main. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 wurde ihm als Jude aufgrund des Berufsbeamtengesetzes die Lehrbefugnis entzogen. mini|hochkant|Stolperstein beim Bürgerhospital Igersheimer floh in die Türkei und baute an der Universität Istanbul die Augenheilkunde auf. 1940 ging er in die USA und wurde Mitarbeiter der Tufts University School of Medicine und des Boston City Hospital. Er wurde 1945 US-amerikanischer Staatsbürger und war seit 1952 Mitglied der American Ophthalmological Society. Igersheimer wurde 1954 im Rahmen einer Wiedergutmachungsprofessur in Frankfurt als ordentlicher Professor emeritiert.
Igersheimer war einer der ersten Ärzte, die den Einsatz von Arsphenamin bei der Behandlung der Syphilis erforschten.
Aufgrund seiner Verfolgung im Dritten Reich, wurde für ihn ein Stolperstein in Frankfurt am Main in der Nibelungenallee verlegt.
Schriften (Auswahl) Über den Blutdruck bei Tuberkulösen. Dissertation 1904 Die ätiologische Bedeutung der Syphilis und Tuberkulose bei Erkrankungen des Auges. Habil.-Schrift 1910 Syphilis und Auge. Berlin 1919 Erkrankungen der Aderhaut, der Netzhaut, des N. opticus : Augenveränderungen durch Gifte. Leipzig: Thieme, 1921 Tuberculosis of the Eye in Children. 1929 Orbit an Eye. 1949
Literatur Igersheimer, Josef, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band II, 1. München: Saur, 1983, ISBN 3-598-10087-6, S. 549. Arın Namal, Arnold Reisman: Joseph Igersheimer (1879–1965): a visionary ophthalmologist and his contributions before and after exile. In: Journal of Medical Biography 15,4, 1907, S. 227–234. https://doi.org/10.1258/j.jmb.2007.06-63 Renate Heuer, Siegbert Wolf (Hrsg.): Die Juden der Frankfurter Universität, Campus Verlag, Frankfurt/New York 1997, ISBN 3-593-35502-7, S. 195 ff. Igersheimer, Josef, in: Michael Grüttner: Ausgegrenzt: Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus. Biogramme und kollektivbiografische Analyse, de Gruyter, Berlin/Boston 2023, ISBN 978-3-11-123678-0, S. 148.
Weblinks
Igersheimer, Josef* Jonas, bei LAGIS Josef Igersheimer, bei Stolpersteine Frankfurt Josef Igersheimer In: Catalogus Professorum Halensis.
Einzelnachweise
Kategorie:Augenarzt Kategorie:Hochschullehrer (Goethe-Universität Frankfurt am Main) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Istanbul) Kategorie:Hochschullehrer (Tufts University) Kategorie:DDP-Mitglied Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Deutscher Emigrant in der Türkei Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Person, für die in Frankfurt am Main ein Stolperstein verlegt wurde Kategorie:Deutscher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1879 Kategorie:Gestorben 1965 Kategorie:Mann Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert)