Katharina von Woikowsky-Tillgner (geb. Tillgner; auch Karin; * 14. März 1890 in Schimischow; † 30. September 1970 in Hamburg-Harburg) war eine deutsche Bildhauerin, Malerin und Lyrikerin.

Leben und Werk Die Eltern Katharina Tillgners waren Eduard Tillgner (1844–1908), Industrieller, Eigentümer des Ritterguts Pogorzela und Kunstsammler, und Wally Tillgner (1880–1945). Der Vater unterhielt intensive geschäftliche Beziehungen zu Mitgliedern der Familie Cassirer in Berlin. Ihre jüngere Schwester Helene, gen. Erna, Tilgner (1888–1971) schrieb Gedichte, malte und betätigte sich bildhauerisch. Sie wurde in der NS-Zeit kurzzeitig von der Gestapo inhaftiert und erhielt Schreibverbot. Später konvertierte sie zum Katholizismus und ging in ein Kloster.

Katharina Tillgner studierte von 1910 bis 1912 in Weimar bei Fritz Mackensen, Gari Melchers und Richard Engelmann an der Großherzoglich-Sächsische Hochschule für Bildende Kunst, danach in Berlin in der Meisterklasse Lovis Corinths und bis 1917 bei Bruno Paul, Wilhelm Haverkamp und Joseph Wackerle an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin.

Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, erhielt sie im Görlitzer Haus Bethanien eine Ausbildung als Krankenpflegerin. Sie betätigte sich als Bildhauerin und Malerin, Schriftstellerin und Lyrikerin und beteiligte sich an Ausstellungen, so 1917 in Hamburg bei der Berliner Secession, 1922 beim Sächsischen Kunstverein in Dresden und weiteren deutschen Städten und an Ausstellungen in Polen und der Tschechoslowakei. Nach dem Ersten Weltkrieg schuf sie in Buchholz, wo ihre Mutter von ihrem Ehemann das Rittergut mit dem Schloss Buchholz geerbt hatte, für die Kirche ein Farbglasfenster in der Loge im ersten Obergeschoss und zwei Gedenktafeln für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Um 1927 veröffentlichte der Friedrich von Wolff-Verlag Wismar ein Bändchen mit Gedichten Katharina Tillgners.Zeitschrift für Bücherfreunde, 1927, S. 275

1923 heiratete sie Wilhelm-Rüdiger von Woikowsky-Biedau-Poborow (1888–1952), Besitzer des Ritterguts Pohlsdorf bei Mettkau und Mitglied des Malteserordens, mit dem sie drei Kinder hatte. Er war dann im NS-Staat ein hoher SS-Führer. Die Ehe wurde 1942 geschieden.

Arbeiten Katharina von Woikowsky-Tillgners wurden von Museen erworben. Ihre Sandsteinskulptur Judaskuss wurde 1933 von den Nazis aus dem Museum Beuthen als „unerwünscht“ entfernt.

In der Zeit des Nationalsozialismus war sie obligatorisch Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Es sind aus dieser Zeit jedoch keine Ausstellungen bekannt. Ein von ihr mit dem Maler und Grafiker Otto Wilhelm Merseburg (1874–1947) gegründeter Verband für regionale Künstler wurde zerschlagen. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Katharina von Woikowsky-Tillgner kriegsdienstverpflichtet als Autorin. Es sind keine ihrer Texte bekannt. Sie wurde in der Folge des Krieges aus Schlesien vertrieben und kam in die Sowjetische Besatzungszone nach Görlitz. Das Adressbuch verzeichnet sie dort u. a. 1949 als Bildhauerin und Krankenpflegerin in der Goethestraße 3. Zum Lebensunterhalt arbeitete sie als Nachtschwester. Sie arbeitet weiter künstlerisch und nahm an regionalen Kunstausstellungen in der Oberlausitz teil. Neben freien plastischen und malerischen Arbeiten schuf sie u. a. als Auftragsarbeiten mehrere architekturbezogene Werke und das Plakat zur 750-Jahr-Feier von Zittau 1955. Sie gab Privatunterricht und leitete in Görlitz und im Auftrag des Zentralhauses für Kulturarbeit in Lemnitz volkskünstlerische Zirkel.

Katharina von Woikowsky-Tillgner war Mitglied des Verbands Bildender Künstler. 1958 zog sie in die Bundesrepublik zu ihrer Tochter Karin Hortense Borchert (* 1929), bei der sie in Bergisch Gladbach und dann in Hamburg lebte.

Werk (Auswahl) Plastik Ernteruh (Statuen-Gruppe; für das Backhefewerk Görlitz) Wandgestaltung (Keramik; Görlitz, Portal des Kindergartens Cottbuser Straße; mit Walter Rhaue) Wandrelief (Keramik; Görlitz, Kulturhaus des VEB Keramikmaschinen KEMA) Malerei Der Dichter E. F. Hoffmann liest sein neues Zeitstück vor (1952; Öl)Der Bildindex der Kunst & Architektur nennt das Bild als Exponat auf der Vierten Deutschen Kunstausstellung. Der Katalog verzeichnet Katharina von Woikowsky-Tillgner allerdings nicht als Teilnehmerin der Ausstellung. Im Kulturhistorischen Museum Görlitz befinden sich ein Selbstbildnis (Mischtechnik) und mehrere ihrer Aquarelle.

Gruppenausstellungen (Auswahl) 1948: Bautzen, Stadtmuseum („2. Jahresausstellung Lausitzer Bildender Künstler“) 1949: Görlitz, Aula der 10. Grundschule („3. Jahresausstellung Lausitzer Bildender Künstler“) 1957: Zittau, Stadtmuseum 1957: Görlitz, Kunstsammlungen postum 2017: Görlitz, Landratsamt Görlitz Kulturamt (”Görlitzer Frauenspuren”)

Literatur Walther Killy et al.: Dictionary of German Biography, Band 10, München, 2006, S. 589 Romy Wiesner (Zusammenstellung): Görlitzer Frauenspuren. Eine Spurensuche in Gesellschaft, Wissenschaft, Kunst. Magnet Werbeagentur, Görlitz, 2016

Weblinks Katharina von Woikowsky-Tillgner: Leben | Johannes-Theodor Thormaehlen Stiftung

Einzelnachweise

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