Ernst Loeb (geboren 8. Dezember 1914 in Andernach; gestorben 15. September 1987) war ein deutsch-kanadischer Germanist.

Leben Ernst Loeb war ein Sohn des Weinhändlers Julius Loeb (1888–1942) und der Selma Minkel (1890–1971), er hatte zwei Brüder. Loeb besuchte das Stiftsgymnasium Andernach. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurde er Anfang März 1933 als Mitglied der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ) verhaftet und in der Folge von der Schule verwiesen. Die nächsten Jahre bereitete er sich in Hessen beruflich in einer Hachschara auf die Einwanderung nach Palästina vor. Im April 1936 emigrierte er nach Italien und gelangte 1937 nach Palästina. Er ging dann aber im April 1938 in die USA, wohin auch seine Eltern und Geschwister flüchteten. Die nächsten Jahre schlug er sich als ungelernter Arbeiter durch. Er heiratete 1944 die aus Düsseldorf geflohene Erzieherin Margot Sonnenberg (1923–2025)Margot Loeb mit 101 Jahren in Seattle verstorben – Erinnerung an das Ehepaar Loeb in Andernach, Blick aktuell, Sinzig, 5. Juni 2025, sie hatten zwei Kinder. Er begann in dem Jahr eine Tätigkeit als Redaktionsassistent bei der deutschsprachigen Tageszeitung Philadelphia Gazette-Demokrat.

Nachdem 1950 sein Versuch in Deutschland beruflich Fuß zu fassen gescheitert war, studierte er Germanistik an der University of Pennsylvania und machte 1954 einen B.A. und 1956 einen M.A. Die nächsten Jahre arbeitete er als Instructor an verschiedenen Colleges. Loeb wurde 1960 Assistantprofessor an der University of Washington, Seattle und dort 1965 Associateprofessor und 1968 Professor. 1964 wurde er mit einer Dissertation über Goethe promoviert. Die US-amerikanische Vietnampolitik veranlasste ihn 1970 zur Emigration nach Kanada, wo er eine Germanistikprofessur an der Queen’s University in Kingston, Ontario erhielt und 1981 emeritiert wurde. Loeb wurde 1985 mit dem Großen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland geehrt. In Andernach wurde 2021 der Platz vor dem Rheintor nach ihm benannt.

Schriften (Auswahl) Die Symbolik des Wasserzyklus bei Goethe. Diss., Washington. Paderborn : Schöningh, 1967 Heinrich Heine: Weltbild und geistige Gestalt. Bonn: Bouvier, 1975 Kein Rizinus für Seelennöte. Andernach: Atelier-Verlag, 1981 Hoffen darf die Erde. Andernach: Atelier-Verlag, 1985

Literatur Loeb, Ernst, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,2. München: Saur, 1983, S. 739f. Gerd Schumann: Ein Andernacher im Exil. In: Die Salentiner. Jahrbuch 2022/2023, S. 100 Kai Seebert, Wolfgang Redwanz, Rüdiger Heimlich, Claus Peitz: „Ach, dies Pendeln zwischen Welten…“ – Ernst Loeb (1914–1987): Humanist und Poet aus Andernach. Andernacher Beiträge. Andernach: Stadtmuseum Andernach, 2024, ISBN 978-3-947987-08-5

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Einzelnachweise

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