Oliver Tobias Wolf (* 1969) ist ein deutscher Psychologe. Seit 2007 hat er die Professur für Kognitionspsychologie an der Ruhr-Universität Bochum inne. 2021 wurde er als Mitglied in die Deutsche Akademie der Wissenschaften – Leopoldina berufen. Er ist zudem Mitglied und Co-Antragsteller des Standorts Bochum innerhalb des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG).

Werdegang Wolf studierte Psychologie an der Universität Trier und promovierte dort 1997. Seine Doktorväter waren Dirk Hellhammer und Clemens Kirschbaum. Als Postdoktorand (gefördert durch die DFG) war er von 1998 bis 2000 an der Rockefeller University in New York City und am NYU Medical Center, ebenfalls New York City. Im Jahr 2000 wechselte Wolf an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU). Dort leitete er eine von der DFG geförderte Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe. Habilitiert hat Wolf 2001 an der HHU Düsseldorf, an der er bis 2005 forschte und lehrte. 2003 wurde er von der DFG mit einem Heisenbergstipendium ausgezeichnet. Nach einer zweijährigen Professur für Allgemeine Psychologie II an der Universität Bielefeld, wurde er 2007 an die Ruhr-Universität Bochum berufen, an der er bis heute forscht und lehrt.

Fachliche Interessen / Forschungsschwerpunkte Wolf beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Stress auf das Erleben und Verhalten von Menschen. Vor allem interessiert er sich dafür, wie sich stressige Situationen auf das Gedächtnis, das Lernen und das Vergessen auswirken.

Der Kernbereich seiner Forschung beschäftigt sich damit, wie Stress die Lern-, Extinktions- und Gedächtnisprozesse des Menschen beeinflusst. Der Schwerpunkt liegt auf der Wirkung von Stresshormonen, insbesondere Cortisol, dem Endprodukt der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse. Stress wird im Labor experimentell, mit etablierten Paradigmen, induziert. Zudem werden pharmakologische Ansätze verwendet. Es konnte nachgewiesen werden, dass Stress und der damit verbundene Anstieg des Stresshormons Cortisol die Gedächtniskonsolidierung fördert, aber den Abruf von früher gelerntem Material beeinträchtigt. Beide Effekte sind bei emotional erregendem Lernmaterial stärker ausgeprägt. Funktionelle bildgebende Verfahren zeigen, dass diese Effekte spezifische Aktionen des Stresshormons auf die Amygdala und den Hippokampus reflektieren.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist das Extinktionslernen, bei dem es um das Vergessen oder Verlernen geht. Diese Forschung findet innerhalb des Sonderforschungsbereichs 1280 "Extinction Learning" statt. Hierbei geht es insbesondere um das Verlernen von Furcht, was eine besondere Relevanz für die Therapie von Angsterkrankungen hat. Die Erkenntnisse aus den Untersuchungen zu Stress lassen sich auf dieses Feld übertragen. Die Forschung von Wolf zielt darauf ab zu verstehen, wie Stress das Verlernen von Ängsten fördern kann. Gleichzeitig kann es unter Stress aber auch zu einer Rückkehr der Furcht kommen. Diese Befunde wurden in einem theoretischen Modell (Stress Timing affects Relapse; STaR-Modell) zusammengefasst.

Ein weiterer Forschungsbereich umfasst die Auswirkungen von Stress auf kognitive Emotionsregulation (z. B. Ablenkung und Neubewertung). Experimentelle Studien konnten zeigen, dass das Stresshormon Kortisol Emotionsregulation fördert. (Nor)adrenalin hingegen scheint die kognitive Emotionsregulation zu beeinträchtigen. Die Befunde wurden im PRESSURE model (Predominant Stress System Underpins Regulation of Emotions) zusammengefasst.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Axmacher wurden die Auswirkungen von Stress auf räumliches Navigationsverhalten untersucht. In einer Reihe von Studien konnte gezeigt werden, dass erhöhte stressinduzierte Cortisolspiegel zu einer schlechteren Pfadintegration führen. Dieser Effekt ging mit veränderten Aktivierungsmustern im entorhinalen Cortex einher.

Darüber hinaus forscht Wolf aktuell zu den Einflüssen von akutem und chronischem Stress auf internetbasierte Verhaltenssüchte. Hierbei wird einerseits Stress im Labor induziert, andererseits finden Stress-Messungen im Alltag der Probanden statt. Diese Forschung findet innerhalb der DFG-Forschungsgruppe 2974 statt.

Aufsätze und Schriften Christian J. Merz, Oliver T. Wolf: How stress hormones shape memories of fear and anxiety in humans. In: Neuroscience and Biobehavioral Reviews. 142 (2022) 104901 Pfeifer, L.S., Heyers, K., Ocklenburg, S., Wolf, O.T., . Stress Research during the COVID-1 19 Pandemic and beyond. In: Neuroscience and Biobehavioral Reviews. 131 (2021) 581-596. Wolf, O.T.: Memories of and influenced by the Trier Social Stress Test. In: Psychoneuroendocrinology. 105 (2019) 98-104. Merz, C.J., Wolf, O.T.: Sex differences in stress effects on emotional learning. In: Journal of Neuroscience Research. 95 (2017) 93-105. Wingenfeld, K., Wolf, O.T.: Effects of cortisol on cognition in major depressive disorder, posttraumatic stress disorder and borderline personality disorder. In: Psychoneuroendocrinology. 51 (2015) 282-295. Schwabe, L., Wolf, O.T.: Stress and multiple memory systems: from ‘thinking’ to ‘doing’. In: Trends in Cognitive Sciences. 17 (2013) 60-68. Oliver Wolf auf Orcid Oliver Wolf auf Google Scholar

Weblinks Homepage an der Ruhr-Universität Bochum WDR "Wie gut funktioniert unser Gehirn unter Stress?" - das Quarks Experiment SRF Wissen „Volkskrankheit Stress – Ab wann wird es eine Gefahr für die Gesundheit?“ Brain Day 2021 "Ein spannender Tag im Stresstest-Labor von Prof. Dr. Oliver T. Wolf"

Einzelnachweise

Kategorie:Psychologe Kategorie:Hochschullehrer (Ruhr-Universität Bochum) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (21. Jahrhundert) Kategorie:Autor Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1969 Kategorie:Mann