Johannes Berthold Ulfert Fokken (bis 1938 Berthold Müller; * 13. Februar 1906 in Worms; † 11. Februar 2001 in Landschaftspolder) war ein deutscher Verwaltungsjurist und Präsident des Landeskirchenrats der Evangelisch-reformierten Kirche in Nordwestdeutschland.
Leben Fokkens Eltern stammten ursprünglich aus dem Rheiderland; sein Vater war zum Zeitpunkt seiner Geburt Eisenbahner in Worms. Infolge einer Versetzung des Vaters zog die Familie nach Zossen. Von dort aus besuchte er ein Gymnasium in Berlin, wo er das Abitur ablegte. Anschließend arbeitete er zunächst als Metallarbeiter und studierte schließlich Rechtswissenschaft an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. 1932 wurde er dort mit der Dissertation Die Beziehungen der Gliedstaaten im Bundesstaatsrecht zum Doktor der Rechte promoviert. Bis 1934 war er Assistent und Referent am Kaiser-Wilhelm-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht.
Von 1927 bis 1933 war Fokken Mitglied im Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten. Von 1933 bis 1934 war er Mitglied der SA. Am 28. März 1934 trat er der SS bei (SS-Nummer 219.111). Von 1935 bis 1939 war Fokken Referent für Reichsgesetzgebung und Völkerrecht in der von Rüdiger Schleicher geleiteten Rechtsabteilung des Reichsluftfahrtministeriums. Zum 1. Mai 1937 trat er auch der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 5.846.834).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/9230703 1938 änderte er seinen Nachnamen von Müller in Fokken. Von 1939 bis zum Kriegsende im Mai 1945 war er Sachbearbeiter in der Abteilung Recht im Zentralamt des Reichsluftfahrtministeriums, zuerst unter Rüdiger Schleicher und dann unter Christian von Hammerstein.
Ab 1940 war Fokken stellvertretender Vorsitzender des Presbyteriums der reformierten Bethlehemsgemeinde in Berlin. Nach einem Kolloquium vor einem illegalen theologischen Prüfungsausschuss der Bekennenden Kirche wurde er 1943 als ehrenamtlicher Ältestenprediger ordiniert. In dieser Funktion bot er heimlich Gottesdienste für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter auf Niederländisch an.
Nach Kriegsende ging Fokken zog seiner Familie nach Landschaftspolder, wo seine Schwiegereltern lebten. Nach einer kurzen Internierung arbeitete er auf deren landwirtschaftlichem Betrieb. Er wurde Mitglied des Presbyteriums der reformierten Kirchengemeinde Landschaftspolder, der Kreissynode und der Synode der Landeskirche. Ab 1946 war er hauptberufliches Mitglied und Vizepräsident des Landeskirchenrats. Von 1951 bis 1956 war schließlich Präsident des Landeskirchenrats der Evangelisch-reformierten Kirche in Nordwestdeutschland. In dieser Funktion gehörte er 1955 zu den Unterzeichnern des Loccumer Vertrags, den er mitverhandelt und -ausgearbeitet hatte. Im selben Jahr wurde ihm das Große Bundesverdienstkreuz verliehen.
Fokken war ab 1961 Direktor der Papierfabrik in Weener. Er war ab 1937 verheiratet und Vater von fünf Kindern. Im Februar 2001 starb er zwei Tage vor seinem 95. Geburtstag im heimischen Landschaftspolder.
Werke (Auswahl) gemeinsam mit Hubert Darsow und Friedrich Nicolaus: Kommentar zum Luftschutzgesetz und den Durchführungsbestimmungen. Beck-Verlag, München 1943
Literatur Winfried Stolz: Berthold Fokken. In: Martin Tielke (Hrsg.): Biographisches Lexikon für Ostfriesland. Ostfriesische Landschaftliche Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Aurich, Bd. 4 ISBN 3-932206-62-2 (2007), S. 146–148 (online).
Weblinks Berthold Fokken auf der Website des Projekts Beamte nationalsozialistischer Reichsministerien
Einzelnachweise
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