mini|Jerry Wayne Parrish (1960) Jerry Wayne Parrish (* 10. März 1944 in Morganfield, Union County, Kentucky; † 25. August 1998 in Nordkorea), in Korea auch unter dem Namen Kim Yu-il bekanntJohannes Schönherr: North Korean Cinema: A History. McFarland & Company 2012, ISBN 978-0786465262 war ein Soldat der United States Army im Dienstgrad eines Corporal. Er war einer von sieben US-amerikanischen Soldaten (davon vier in den 1960er Jahren), die nach dem Koreakrieg nach Nordkorea überliefen.
Leben Parrish trat 1962 im Alter von 18 Jahren in die Armee ein und wurde im Februar 1963 nach Südkorea verlegt. Nach den Überläufern Larry Allen Abshier und James Joseph Dresnok im Jahr 1962 überquerte Parrish am 6. Dezember 1963 als dritter US-amerikanischer Deserteur die Demilitarisierte Zone (DMZ) nach Nordkorea.
Sergeant Charles Robert Jenkins, der 1965 als Vierter überlief,Jeremy Kirk: Four Decades in North Korea. In: Far Eastern Economic Review, 9. September 2004 schrieb in seiner Autobiografie, dass Parrishs Motive für den Überläuferstatus persönlicher Natur gewesen seien und Parrish nicht näher darauf eingegangen sei, außer zu sagen, dass ihn sein Schwiegervater umbringen würde, wenn er je nach Hause zurückkehrte.Charles Robert Jenkins: The Reluctant Communist. My Desertion, Court-Martial, and Forty-Year Imprisonment in North Korea University of California Press, 2008. ISBN 978-0520259997, S. 34
Dresnok gab in dem britischen Dokumentarfilm Crossing The LineCrossing The Line (2006), auf youtube.com von 2006 an, dass Parrish Morddrohungen von seinem Stiefvater erhalten hatte, der ihn beschuldigte, sexuelle Beziehungen zu seiner Stiefschwester gehabt zu haben.
Zusammen mit Abshier, Dresnok und Jenkins wurde Parrish schließlich die nordkoreanische Staatsbürgerschaft verliehen. Er heiratete eine libanesische Frau namens Siham Shraiteh, mit der er drei Söhne hatte, die alle in Nordkorea blieben. Jenkins behauptet in seiner Autobiografie, Siham und drei weitere junge libanesische Frauen seien unter falschem Vorwand nach Nordkorea gelockt und dann mit den Amerikanern verheiratet worden. Eine der Frauen hatte jedoch einflussreiche Eltern und erwirkte, dass alle vier zurückkehren konnten. Siham war bereits schwanger, weshalb ihre Familie sie nach Nordkorea zurückschickte. Sie tritt in Crossing the Line ebenfalls auf und bestreitet vehement die Anschuldigungen, sie sei entführt oder zur Einreise nach Nordkorea gezwungen worden. Dem Film zufolge starb Parrish nach 20 Jahren an einem Nierenleiden. Siham und ihre Kinder leben weiterhin in Nordkorea.Frank Boyett: Area soldier defected to North Korea in 1963 but quickly realized his mistake, In: The Gleaner Parrish, Jenkins und Dresnok wurden wegen ihres Propagandawerts dazu gebracht, Rollen in nordkoreanischen Filmproduktionen zu übernehmen, wobei sie in den Vor- oder Abspännen unter ihren koreanischen Namen aufgeführt wurden (in Parrishs Fall war dies „Kim Yu-il“). Eine davon war die 20-teilige Serie Unsung Heroes, deren Produktion 1978 begann und die den Koreakrieg und seine Vorgeschichte aus nordkoreanischer Sicht darstellt. Da Parrishs Charakter (ein britischer Offizier namens „Lt. Louis London“) ein vom Westen übergelaufener nordkoreanischer Agent war, wurde Parrish von nordkoreanischen Durchschnittsbürgern oft als echter kommunistischer Held gefeiert.
Einzelnachweise
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