mini|Blick auf Talbieh mit dem Inbal Jerusalem Hotel Die Greek Patriarchate Affair war ein Betrugsfall zum Schaden des Jüdischen Nationalfonds (bzw. dessen Tochtergesellschaft Himnuta) und des Griechisch-Orthodoxen Patriarchats von Jerusalem, der sich im Jahr 2000 in Jerusalem ereignete.
Hintergrund Im Jahr 1952 verpachtete das Patriarchat insgesamt 527 metrische Dunam Land in West-Jerusalem (Givat Ram, Talbieh, Rehavia) für 99 Jahre an den JNF bzw. Himnuta, auf denen unter anderem die Knesset, das Israel-Museum und der Präsidentenpalast errichtet wurden.Asaf Carmel: In the Name of the Fathers. In: Haaretz, 3. März 2005.
Im konkreten Fall geht es um drei Pachtverträge mit Laufzeit von 99 Jahren über Kirchenland in West-Jerusalem (Talbieh-Nayot). Diese Verträge enthalten eine Klausel, die dem JNF eine Verlängerung der Pachtzeit ermöglicht, in einem Fall um 49 Jahre und in den beiden anderen Fällen für eine noch zu bestimmende Dauer. Das Patriarchatsland wurde vom JNF nach 1952 in einzelnen Parzellen an Subpächter vergeben, die darauf Immobilien bauten.Sue Surkes: Court orders $13m paid to Jewish National Fund over 21-year-old botched lease deal. In: Jerusalem Post, 29. Dezember 2021. Sie erlebten danach eine erhebliche Wertsteigerung.
Betrug hochkant|mini|Patriarch Diodoros (1987)
Anfang April 2000 trat der Immobilienunternehmer Yaacov Rabinovich über den prominenten Anwalt Jacob Weinroth an den israelischen Staat heran und erklärte, er habe den Patriarchen Diodoros davon überzeugt, die Pachtverträge von 1952 für 999 Jahre zu verlängern. Als Finanzminister hielt Avraham Shohat das Angebot für seriös und stellte dem JNF 20 Millionen für diese Pachtverlängerung zur Verfügung.Asaf Carmel: In the Name of the Fathers. In: Haaretz, 3. März 2005. Gegenüber dem JNF behaupteten Yaacov Rabinovich und David Morgenstern, offiziell mit der Interessenvertretung des Patriarchats beauftragt zu sein. Es ging um Pachtverlängerung von Patriarchatsland in den West-Jerusalemer Stadtteilen Rehavia und Talbieh für insgesamt 20 Millionen Dollar, außerdem ging es um Verlängerung von Pachtverträgen für Land bei Bet Shemesh.Ofra Edelman: Two Found Guilty of Forging Greek Orthodox Patriarch's Signature. In: Haaretz, 6. November 2007.
Benno (Bino) Zussman hatte bekanntermaßen seit Jahren ein Vertrauensverhältnis zu dem schwer diabeteskranken Patriarchen aufgebaut. Rabinovich und Zussman betonten, dass bei der Transaktion absolute Diskretion gewahrt werden müsse, damit pro-palästinensische Mitglieder der griechisch-orthodoxen Kirchenleitung davon nichts erfuhren.Yonah Jeremy Bob: Supreme Court rejects appeal on conviction, sentence in Greek Patriarchate Affair. In: Jerusalem Post, 3. November 2013.
Rabinovich, Morgenstern und Zussman hatten Diodoros’ Unterschrift unter die Pachtdokumente und das Patriarchatssiegel gefälscht.Ofra Edelman: Two Found Guilty of Forging Greek Orthodox Patriarch's Signature. In: Haaretz, 6. November 2007.Shmuel Dekalo: Two indicted in Greek Patriarchate lands affair. In: Globes, 29. März 2001. Im nächsten Schritt wurde eine Zusammenkunft mit dem Patriarchen fingiert, bei der der Eindruck erweckt werden sollte, Diodoros habe unterschrieben: Zussman, Rabinovich, Weinroth, der Notar Avraham Peri, der Mediziner Bruno Austfeld und Mordecai Tenuri als Repräsentant des JNF (bzw. dessen Tochtergesellschaft Himnuta) begaben sich Mitte April 2000 zum Amtssitz des Patriarchen, um Diodoros die Pachtdokumente zur Unterschrift vorzulegen. Zussman und Rabinovich überzeugten ihre Begleiter dort, dass der Patriarch zu krank sei, um eine so große Gruppe zu empfangen. Sie sprachen nur mit dem Notar Peri bei Diodoros vor und machten den Patriarchen glauben, dies sei ein Besuch anlässlich des Osterfestes. Das Diodoros vorgelegte Dokument enthielt denn auch Festtagsgrüße. Dem Notar legten Zussman und Rabinovich bereits unterschriebene Pachtdokumente vor, und Peri beglaubigte sie. Austfeld ließ sich überzeugen, den Vertrag ebenfalls zu beglaubigen, obwohl er den Kranken nicht untersucht hatte.Yonah Jeremy Bob: Supreme Court to hear appeal on Greek Patriarchate Affair today. In: Jerusalem Post, 27. Juni 2013.
Peri erklärte gegenüber der Israel Land Authority und dem Jüdischen Nationalfonds, er habe selbst gesehen, wie der Patriarch den Pachtvertrag unterschrieb.Moshe Reinfeld: Lawyer Sentenced for Fraud Against Church, State. In: Haaretz, 7. Oktober 2002. Weinroth übergab daraufhin Zussman und Rabinovich Schecks über 16 Millionen Dollar, die Zussman an Diodoros aushändigen sollte. Das geschah aber nicht. Stattdessen zahlte Zussman 6 Millionen auf ein Schweizer Bankkonto ein.
Diodoros starb 77-jährig nach langer Krankheit am 20. Dezember 2000 in Jerusalem.Diodoros I; Led Greek Orthodox Patriarchate in Jerusalem
Ermittlungen und Prozesse Der Betrug wurde bekannt, weil der JNF es versäumte, dem Grundbuchamt eine Mitteilung über die Verlängerung der Pachtverträge zu machen. Mira Bornstein, damals als Rechtsanwältin für das Patriarchat tätig, erfuhr aus den Medien davon und fragte ihren Mandanten, wieso sie sich auf derart unvorteilhafte Pachtverträge eingelassen hatten. Diodoros und sein Stab wussten nichts von einer Transaktion. Bornstein verklagte den JNF und Rabinovich und beantragte bei Gericht, etwaige Transaktionen zwischen dem JNF und dem Patriarchat für nichtig erklären zu lassen.Asaf Carmel: In the Name of the Fathers. In: Haaretz, 3. März 2005.
Die Ermittlungen gegen Rabinovich und Morgenstern wurden von Israels Nationaler Betrugsbekämpfungseinheit und der Bezirksstaatsanwaltschaft Jerusalem geleitet.Aviram Zino: Court convicts conmen who defrauded Greek Church in Jerusalem. In: Ynet Global, 11. Mai 2007.
Im Oktober 2002 wurde Avraham Peri vom Jerusalemer Amtsgericht im Rahmen eines Plea Bargain zu sechs Monaten gemeinnütziger Arbeit, acht Monate Haft auf Bewährung und 20.000 NIS Geldstrafe für seine Beteiligung an der Greek Patriarchate Affair verurteilt.Moshe Reinfeld: Lawyer Sentenced for Fraud Against Church, State. In: Haaretz, 7. Oktober 2002.
Im November 2007 wurden Yaacov Rabinovich und David Morgenstern vom Jerusalemer Bezirksgericht wegen Betrugs verurteilt.Aviram Zino: Court convicts conmen who defrauded Greek Church in Jerusalem. In: Ynet Global, 11. Mai 2007.
Zussman setzte sich nach Rumänien ab, wo er sich bis 2010 der israelischen Strafverfolgung entzog. Dann wurde er nach Israel ausgeliefert und im September 2012 vom Jerusalemer Bezirksgericht wegen Betruges zu einer Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren, einer Geldstrafe von 5 Millionen NIS sowie Schadensersatz in Höhe von 250.000 NIS verurteilt. Zussmans Haftstrafe fiel geringer aus als die seines Komplizen Rabinovich. Sowohl Zussman als auch die Staatsanwaltschaft gingen in Berufung. Im November 2013 wies der Oberste Gerichtshof Zussmans Berufung ab und bestätigte das Urteil der untergeordneten Instanz.Yonah Jeremy Bob: Supreme Court to hear appeal on Greek Patriarchate Affair today. In: Jerusalem Post, 27. Juni 2013.
hochkant|mini|Der seit 2005 amtierende Patriarch Theophilos III. (2023)
Das Jerusalemer Bezirksgericht erklärte die Verlängerung der Pachtverträge 2013 für unwirksam, da sie auf betrügerische Weise zustandengekommen sei. Himnuta versuchte unterdessen, die 20 Millionen Dollar zurückzuerhalten. Da sieben Millionen sichergestellt werden konnten, sollte das Patriarchat im Jahr 2007 veranlasst werden, die verbliebenen 13 Millionen an Himnuta zu zahlen, „im Gegenzug für den Verzicht Himnutas auf seine Rechtsansprüche und die Löschung einer auf das Grundstück eingetragenen Vormerkung.“Hila Tsion: Top court ends 25-year Jerusalem church land dispute, backs Greek Orthodox Patriarchate. In: Ynet Global, 17. Juli 2025.
Im Dezember 2021 verurteilte das Jerusalemer Bezirksgericht das Patriarchat zur Zahlung von 13 Millionen Dollar plus 80.000 Dollar Gerichtskosten an den JNF, der damit für den 2000 durch den Betrug erlittenen Schaden entschädigt wurde und das Urteil begrüßte. Das Bezirksgericht verurteilte Rabinovich und Morgenstern zwar auch, den Rest der gestohlenen 20 Millionen zurückzuzahlen, aber es ist unwahrscheinlich, dass das noch geschieht.Sue Surkes: Court orders $13m paid to Jewish National Fund over 21-year-old botched lease deal. In: Jerusalem Post, 29. Dezember 2021.
Das Patriarchat legte gegen diese Entscheidung beim Obersten Gericht Berufung ein. Im Juli 2025 hob das Oberste Gericht das Urteil des Bezirksgerichts von 2021 auf und entschied, dass kein Vertrag zwischen Himnuta und dem Patriarchat zustande gekommen sei und die Zahlungsaufforderung über 13 Millionen Dollar daher nichtig sei. Ebenso muss das Patriarchat nicht für die Gerichtskosten aufkommen. Damit endet ein 25-jähriger Rechtsstreit.Hila Tsion: Top court ends 25-year Jerusalem church land dispute, backs Greek Orthodox Patriarchate. In: Ynet Global, 17. Juli 2025.
Weblinks Shmuel Dekalo: Two indicted in Greek Patriarchate lands affair. In: Globes, 29. März 2001. Moshe Reinfeld: Lawyer Sentenced for Fraud Against Church, State. In: Haaretz, 7. Oktober 2002. Asaf Carmel: In the Name of the Fathers. In: Haaretz, 3. März 2005. Aviram Zino: Court convicts conmen who defrauded Greek Church in Jerusalem. In: Ynet Global, 11. Mai 2007. Ofra Edelman: Two Found Guilty of Forging Greek Orthodox Patriarch's Signature. In: Haaretz, 6. November 2007. Yonah Jeremy Bob: Supreme Court rejects appeal on conviction, sentence in Greek Patriarchate Affair. In: Jerusalem Post, 3. November 2013. Nir Hasson: 'Greek Patriarchate Affair' Ends With Final Conviction. In: Haaretz, 12. September 2012. Yonah Jeremy Bob: Supreme Court to hear appeal on Greek Patriarchate Affair today. In: Jerusalem Post, 27. Juni 2013. Sue Surkes: Court orders $13m paid to Jewish National Fund over 21-year-old botched lease deal. In: Jerusalem Post, 29. Dezember 2021. Greek Orthodox Church to Compensate JNF Over Scam That Targeted Both Hila Tsion: Top court ends 25-year Jerusalem church land dispute, backs Greek Orthodox Patriarchate. In: Ynet Global, 17. Juli 2025.
Anmerkungen
Kategorie:Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Jerusalem