Neurohacks. Gehirngerecht und glücklicher arbeiten (englischer Originaltitel: The Leading Brain. Powerful Science-Based Strategies for Achieving Peak Performance) ist ein 2017 erschienenes Sachbuch der deutschen Neurowissenschaftlerin Friederike Fabritius und des Psychologen Hans Werner Hagemann. Das Buch überträgt Erkenntnisse aus Neurowissenschaft und Psychologie auf Arbeitsleistung und Führung und vertritt die These, wirksame Führung lasse sich als Wissenschaft und nicht als Kunst verstehen.
Entstehung
Friederike Fabritius forschte am Max-Planck-Institut für Hirnforschung und arbeitete anschließend als Beraterin bei McKinsey & Company. Hans Werner Hagemann ist promovierter Dipl.-Psychologe und Gründer sowie Managing Partner der Münchner Führungsberatung Munich Leadership Group (MLG).
Beide Autoren entwickelten das Buch während ihrer gemeinsamen Zeit bei der Munich Leadership Group; Fabritius war dort Mitarbeiterin. Nach Angaben des Verlags beruht das Buch auf den Führungsprogrammen, die die beiden Autoren international für Unternehmenskunden durchgeführt hatten.
Inhalt
Das Buch gliedert sich in drei Teile mit insgesamt neun Kapiteln.
Der erste Teil („Reaching Your Peak“) behandelt die individuelle Leistungsfähigkeit. Die Autoren vertreten die Auffassung, dass von den über hundert bekannten Neurotransmittern drei für Spitzenleistung entscheidend seien – Dopamin, Noradrenalin und Acetylcholin –, die sie als „DNA of Peak Performance“ bezeichnen. Unter Bezug auf das Yerkes-Dodson-Gesetz beschreiben sie Leistung als bei mittlerer Aktivierung am höchsten und betonen, dieses Optimum sei individuell verschieden. Weitere Kapitel behandeln Emotionsregulation und Aufmerksamkeitssteuerung.
Der zweite Teil („Changing Your Brain“) befasst sich mit Neuroplastizität und wendet sich gegen die Annahme, geistige Prozesse Erwachsener seien festgelegt. Behandelt werden die Bildung und Veränderung von Gewohnheiten – empfohlen wird ein schrittweises, an Kaizen angelehntes Vorgehen, das die Bedrohungsreaktion des Gehirns nicht auslösen soll –, unbewusste Entscheidungsprozesse und Lernen.
Der dritte Teil („Building Dream Teams“) überträgt die Überlegungen auf Gruppen. Vorgeschlagen wird die Zusammenstellung von Teams aus einander ergänzenden Denkstilen anhand einer an Helen Fisher angelehnten Typologie neurochemisch geprägter Persönlichkeitstypen; außerdem werden Vertrauen und psychologische Sicherheit behandelt. In einem Interview zum Buch erklärte Hagemann, letztlich entscheide eine Sache über höchste Leistung: psychologische Sicherheit.
Ausgaben und Übersetzungen
Die gebundene Originalausgabe erschien am 21. Februar 2017. 2018 folgte eine Taschenbuchausgabe unter dem geänderten Untertitel Neuroscience Hacks to Work Smarter, Better, Happier. Ein ungekürztes Hörbuch, gelesen von Karen Saltus, erschien 2017.
Das Buch wurde in sieben Sprachen übersetzt. Die deutsche Ausgabe erschien am 13. Oktober 2021 im Campus Verlag (296 Seiten, ISBN 978-3-593-51486-4), übersetzt von Stephan Gebauer; das deutsche Hörbuch liest Michael J. Diekmann. Weitere Ausgaben erschienen auf Spanisch (El cerebro del líder), Polnisch (Umysł lidera, 2018), Russisch (Kak dumajut pobediteli, 2017), Koreanisch (뇌를 읽다, 2018), Chinesisch (领导力科学) und Japanisch (覚醒脳の作り方).
Rezeption
Publishers Weekly besprach das Buch vor Erscheinen und bezeichnete es als „concrete, energetic, and accessible“ sowie als Pflichtlektüre für alle, die einen wissenschaftlich fundierten Zugang zur Wirtschaft suchten; die Autoren übersetzten komplexe Neurochemie in konkrete Handlungsempfehlungen.
Der Kritiker Duff McDonald nahm das Buch in strategy+business in die Auswahl „Best Business Books 2017“ in der Kategorie Management auf und charakterisierte es als eher traditionellen Beitrag im Feld Neurowissenschaft und Arbeit.
Das vom Greater Good Science Center der University of California, Berkeley herausgegebene Magazin Greater Good schrieb, die Autoren verbänden ihre Erfahrung aus der Wirtschaft mit Erkenntnissen der Neurowissenschaft. Knowledge at Wharton, die Wirtschaftspublikation der Wharton School der University of Pennsylvania, führte ein Interview mit den Autoren über die Kernthesen des Buches. Im Library Journal nahm Sara Holder das Buch in eine Auswahl von Führungstiteln auf.
Zur deutschen Ausgabe schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Autoren kombinierten Hirnforschung und Business-Expertise; die Wirtschaftswoche nannte das Buch gut geschrieben und ausgezeichnet strukturiert. Die Psychologin Eva Wlodarek bezeichnete das Buch als „Schatzkiste, gefüllt mit gut belegten Informationen, praktischen Beispielen und Übungen“.
Wissenschaftliche Rezeption
Das Buch wird in der begutachteten Managementforschung zitiert. Peter Bloom und Martyna Śliwa diskutieren es in der Zeitschrift Human Relations im Rahmen einer kritischen Untersuchung des „Hacking“-Diskurses in der Arbeitswelt. Charles Kerns bezieht sich in Arbeiten zu Teamführung auf das Argument der Autoren, dass Teams ohne genutzte Verhaltensvielfalt kognitive Bequemlichkeit begünstigten.
Weblinks
Website zum Buch (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Sachliteratur