Joachim Wolters (* 10. April 1672 in Warder (Kreis Segeberg); † 7. Juli 1719 in Glückstadt) war ein schleswig-holsteinischer Verwaltungsjurist und Archivar.

Leben Joachim Wolters war ein Sohn von Peter Wolters († 1697), Pastor an der Kirche zu Warder und Konsistorialassessor in Segeberg, und dessen Frau Catharina, geb. Kollen (1635–1715). Er besuchte von 1688 bis 1690 das Katharineum zu Lübeck. Für 1689 ist eine lateinische Rede von ihm, gemeinsam mit Franz Heinrich Matthiassen überliefert.Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubecenses. Band 2, Lübeck 1720 (Digitalisat), S. 131 Ab 1690 studierte er zusammen mit Franz Heinrich Matthiassen an der Universität Jena. 1693 war er mit ihm und zwei weiteren Kandidaten Respondent einer Disputation zu juristischen Rätseln, die Christian Wildvogel ihnen stellte.Christiani Wildvogeli. ICti Consiliarii Saxo-Vinar. Aulici ... De Aenigmatis Legum ad L. XII. C. d. Legib. Programma Invitatorium : A. O. R. M.DC.XCIII. ; P. P. d. XIX. Martii A. O. R. M.DCXCIII. (Digitalisat) Aus diesem Jahr ist auch ein Eintrag von Wolters im Album Amicorum von Johann Gottfried Borgehl (1671–1720) erhalten.Eintrag im Repertorium Alborum Amicorum; der Herkunftsort von Wolters ist hier falsch als Waldenau/Holst. transkribiert; Borgehl war Mediziner und praktizierte später in Lübeck, ab 1718 als Stadtphysikus, siehe Verzeichnis von Lübeckischen Ärzten der Vorzeit, in Neue Lübeckische Blätter 8 (1842), S. 348 Danach unternahm er eine Reise nach Wien, zum Reichskammergericht nach Wetzlar und an mehrere deutsche Höfe.

Zurück in Schleswig-Holstein wurde er 1696 Legationssekretär bei Johann Hugo von Lente, dem dänischen Gesandten in Berlin. 1697 ernannte ihn der dänische König Christian V. zum Sekretär und Archivar der Regierungskanzlei der königlichen Anteile an Schleswig und Holstein in Glückstadt. Bald wurde er zum Kanzlei- und Regierungsrat befördert. Er ging so in seinen Aufgaben auf, dass er seinen Zeitgenossen als „lebendiges Archiv und wandelnde Kanzlei“ erschien.Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubecenses. Band 2, Lübeck 1720 (Digitalisat), S. 133

Wolters schrieb zahlreiche unveröffentlichte Meditationen.

Er war seit 1701 verheiratet mit Friederike Amalie, geb. Niemann, einer Tochter des Gottorfer Generalsuperintendenten Sebastian Niemann und Schwester des Lübecker Bürgermeisters Christian Albrecht Niemann. Das Paar hatte zwei Töchter und drei Söhne, darunter Sebastian Peter Wolters (1719–1781), der 1755 bis 1779 Vizekanzler und 1779 bis 1781 Kanzler der holsteinischen Regierung in Glückstadt war, und Christian Albrecht Wolters (1716–1799), Kanzleidirektor in Oldenburg (Oldb).

Joachim Wolters starb plötzlich am Geburtstag seiner Ehefrau im Alter von 47 Jahren. Beerdigt wurde er erst am 26. September 1719. Aus diesem Anlass erschien eine für seinen Stand ungewöhnlich große Zahl an Trauerschriften.

Er hatte eine ansehnliche Privatbibliothek aus den verschiedensten Fachgebieten zusammengetragen, die 1721 in Altona versteigert wurde und deren Katalog erhalten ist. Das Spitzenstück waren fünf Bände des Atlas Novus von Willem Blaeu in der Ausgabe von 1649.

Ehrungen Titel Justizrat

Literatur Ioachimus Wolters, in: Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubecenses. Band 2, Lübeck 1720 (Digitalisat), S. 131–134

Trauerschriften Zum Rühmlichen Angedencken der Fürtrefflichen Meriten Des ... Herrn Joachim Wolters, Königl. Dännemärckischen Justitz-Cancelley- und Regierungs-Rahts in den Hertzogthümern Schleßwig-Holstein [et]c: wolte dieße wenige Zeilen vorstellen Einer seiner Verbundensten Freunde. Glückstadt 1719 (VD18 11890371, Digitalisat) Nicoalus Ritter: Sonnet womit, als Der Wohlgebohrne Herr Joachim Wolters, Königl. Justice-Cantzley- und Regierungs Raht, zu seiner Ruh-Städte gebracht wurde, Sein schuldiges Beyleid bezeugen wolte. Glückstadt 1719 (VD18 90635132, Digitalisat) Der Göttlichen Versehung unerforschliches Wesen und unvermeidlichen Ausgang betrachtete Bey dem unvermuhtlichen Absterben Des ... Herren Joachim Wolters, Ihro Königl. Maj: zu Dennemarck, Norwegen [et]c: [et]c: höchstbetraten Justitz, Cancelley und Regierungs Rahts bey Dero Glückstädtschen Regierungs Cancelley und wolte damit zugleich Der ... Frau Wittwen und nachgelassenen Kindern Seine schuldige Condolence abstatten ein Dem Hochvornehmen Hause Verpflichtester F. Glückstadt 1719 (VD18 11890398, Digitalisat) Otto Benedict Koltemann: Schuldige Condolentz-Zeilen Womit seinem Geliebten und Wehrtesten Freunde Mons: Sebastian Peter Wolters, wegen des unvermuthlichen Hintritts seines Hochzuehrenden Herren Vaters, seine Pflicht abstatten wolte... Glückstadt 1719 (VD18 10500693, Digitalisat) Nikolaus Peter Sibbern: Den schleunigen Todt als eine besondere Wohlthat Gottes vor hochverdiente und from[m]e Leute, Wolte bey dem Sarge Des ... Herrn Joachim Wolters, Dero zu Dennemarck Norwegen Königl. Maj. Hochbetraut-gewesenen Justitz-Cantzelley und Regierungs-Rahts, auch Secretarii und Archivarii bey der Hochpreißlichen RegierungsCantzelley zu Glückstadt, Alß Derselbe den 7. Julii dieses Jahrs, alß an den Geburths-Tage seiner Fr. Eheliebsten, in Gegenwart vieler Vornehmen Personen durch einen zwar plötzlichen doch seeligen Todt hingerissen, und Dessen entseelter Cörper darauf den 26. Sept. h. a. ... zu seiner Ruhe-Städte gebracht worden, In einer Stand oder Abdanckungs Rede vorstellen Nicol. Petr. Sibbern, Königlich bestellter Schloß-Pastor und Ober-Consistorialis daselbst. Glückstadt 1719 (VD18 10500685, Digitalisat) Gottlob Lehmann: Der darnieder sinckende und von Gott dennoch gehaltene Palm-Baum, mit der Uberschrifft: Fället Er, so wird Er nicht weggeworffen! Bey der ... Beerdigung Des ... Herrn Joachim Wolters, Ihro Königl. Maj: zu Dennemarck Norwegen [et]c: [et]c: Hochverordneten Justice-Canzelley- und Regierungs-Rahts, wie auch Hochbetrauten Archivarii und Secretarii bey Dero Glückstädtischen Hochlöblichen Regirungs Canzelley, welche den 26. Septembr. 1719. geschahe über Deßen zwar unvermuhtlichen und schleunigen iedoch seeligen Absterben so wohl zu letzten schuldigsten Ehren, als auch zu der Höchstbetrübten Troste, mitleidigst vorgestellet von M. Gottlob Lehmann, der Kirchen und Gemeine zu St. Petri in Crempe Pastore und Assessore primario des Münsterdorfischen Consistorii. Glückstadt 1719 (VD18 1189038X, Digitalisat) Gottfried Lehmann: Ad exequias Illustris & Consultissimi Viri atque Domini Dni. Joachimi Wolteri, Regii Iustitiae Ut Et Cancellariae Regiminis supremi Glückstadiensis Consiliarii Incluti, Secretarii Fidelissimi, nec non ... quod ibidem est Epoptae Gravißimi, Maecenatis, Optimi, multumque post fata suspiciendi ad d. XXVI. Septembr. A. Chr. Regn. MDCCXIX. hoc epitymbiōi extemporaneo deproperabat Godofredus Lehmannus, e Beltizensibus Saxo, Crempensis Ludi literarii Conrector. Glückstadt 1719 (VD18 11890401, Digitalisat)

Nachlassbibliothek Catalogus Bibliothecae A Viro Consultissimo B. Joachimo Wolters, Potentiss: Danorum Regi a Consiliis Justitiae & Regiminis olim collectae, Sive Apparatus Librorum Juridico-Theologico-Philosophico-Medico-historico-Miscellaneorum, Qvi Altonaviae In Curia d. 5. May, Anno 1721 ... publica Auctionis lege distrahentur. Glückstadt 1721 (VD18 1203665X, Digitalisat)

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