Itzhak „Ben“ Bentov (auch Ben-Tov; ; * 9. August 1923 in Humenné, Tschechoslowakei; † 25. Mai 1979 in Des Plaines, Vereinigte Staaten) war ein in der Tschechoslowakei geborener israelisch-US-amerikanischer Wissenschaftler, Erfinder, Mystiker und Autor. Seine zahlreichen Erfindungen, darunter ein steuerbarer Herzkatheter, trugen zur Entwicklung der Biomedizintechnik bei. Er vertrat außerdem die Theorie eines holografischen Universums und gehörte zu den frühen Vertretern dessen, was später als Bewusstseinsforschung bezeichnet wurde. Zu diesem Thema veröffentlichte er mehrere Bücher.

Bentov kam 1979 beim Absturz des American-Airlines-Flugs 191 kurz nach dem Start vom O’Hare International Airport in Chicago ums Leben.

Frühes Leben Bentov wurde 1923 in Humenné in der damaligen Tschechoslowakei, heute Slowakei, geboren. Während des Zweiten Weltkriegs wurden seine Eltern sowie sein jüngerer Bruder und seine jüngere Schwester in nationalsozialistischen Konzentrationslagern ermordet.

Er entging nur knapp der Deportation in die Lager und zog in das britische Mandatsgebiet Palästina, wo er zunächst im Kibbuz Schoval in der Negevwüste lebte.

Obwohl Bentov keinen Hochschulabschluss besaß, trat er dem israelischen Wissenschaftskorps bei, das David Ben-Gurion einen Monat vor der israelischen Unabhängigkeitserklärung 1948 in die israelischen Streitkräfte eingliederte. Das Wissenschaftskorps wurde zu einem militärischen Zweig, der unter dem hebräischen Akronym HEMED bekannt war. Bentov konstruierte für den Israelischen Unabhängigkeitskrieg die erste israelische Rakete. Aufgrund des weltweiten Embargos für Waffenlieferungen an den jüdischen Staat musste HEMED improvisierte Waffen herstellen.

1954 emigrierte Bentov in die Vereinigten Staaten und ließ sich in Massachusetts nieder. 1962 erhielt er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.Index to Petitions and Records of Naturalizations of the U.S. and District Courts for the District of Massachusetts, 1907–1966, Band M1545, National Archives and Records Administration.

Erfindungen Bentov begann in den 1960er Jahren mit einer Werkstatt im Keller einer katholischen Kirche in Belmont in Massachusetts. 1967 entwickelte er den steuerbaren Herzkatheter und erregte damit die Aufmerksamkeit des Unternehmers John Abele. Gemeinsam gründeten Bentov und Abele 1969 das Unternehmen Medi-Tech.

Abele erinnerte sich später an Bentovs Werkstatt:„Er besaß die erstaunlichste Sammlung an Werkzeugen. Er hatte ein Chemielabor, er hatte ein Elektroniklabor, er hatte eine Fräsmaschine, mit der er Stahl, Holz oder Kunststoff fräsen und formen konnte, und er hatte einen Extruder, mit dem er Polymere bearbeiten konnte. Er stellte buchstäblich seine eigenen Polymere her oder mischte zumindest verschiedene Polymere miteinander, um genau das zu erhalten, was er wollte. Infolgedessen war er gewissermaßen ein Renaissance-Mensch, sowohl technologisch als auch intellektuell.“1979 wollten Abele und Peter Nicholas das erfolgreiche Unternehmen vergrößern und gründeten Boston Scientific als Holdinggesellschaft zur Übernahme von Medi-Tech.

Bentov war Inhaber von mehr als einem Dutzend Patente. Neben dem steuerbaren Herzkatheter gehörten zu seinen Erfindungen Diät-Spaghetti, Bremsbacken für Automobile, EKG-Elektroden und Elektrodenleitungen für Herzschrittmacher.

Spiritualität Bentov beschäftigte sich intensiv mit dem Bewusstsein, insbesondere mit dessen Beziehung zur menschlichen Physiologie. In seinem 1977 veröffentlichten Buch Stalking the Wild Pendulum: On the Mechanics of Consciousness schrieb er, dass „Bewusstsein alles durchdringt“.

John Abele beschrieb Bentov folgendermaßen:„Er war ein sehr erfinderischer Mensch, aber zugleich jemand, den man normalerweise nicht für einen Erfinder gehalten hätte. Er war ein sehr spiritueller Mensch, er meditierte und sprach sehr ruhig. Er interessierte sich dafür, wie das Gehirn funktioniert, und befestigte tatsächlich Elektroden an seinem Kopf, die mit einem Funktionsgenerator verbunden waren, bei dem er die Wellenform und die Leistung verändern konnte, und lernte dadurch, wie das Gehirn diese unterschiedlichen Frequenzen interpretiert.“Bentov entwickelte ein seismografisches Gerät zur Aufzeichnung des Herzschlags und insbesondere der Schwingungen der Aorta. Marc Seifer beschrieb die Ergebnisse folgendermaßen:„Bei normaler Atmung sind die Schwingungen in der Aorta gegenüber dem Herzschlag phasenverschoben, und das System ist disharmonisch. Während der Meditation und beim Anhalten des Atems befindet sich jedoch das Echo von der Bifurkation der Aorta – wo sich die Aorta im Becken in Richtung der beiden Beine teilt – in Resonanz mit dem Herzschlag, und das System synchronisiert sich, wodurch ein Minimum an Energie verbraucht wird. Dieser Resonanzschlag beträgt ungefähr sieben Zyklen pro Sekunde, was nicht nur dem Alpharhythmus des Gehirns entspricht, sondern auch den niederfrequenten magnetischen Pulsationen der Erde.“

Privatleben Bentov hatte mit seiner ersten Ehefrau, von der er sich später scheiden ließ, eine Tochter, Sharona Ben-Tov Muir. Später heiratete er die in der Sowjetunion geborene Bildhauerin und Dichterin Mirtala Bentov (* 1929 in Charkiw; † 2026 in Arizona).

Tod und Nachwirkung Bentov kam am 25. Mai 1979 als Passagier des American-Airlines-Flugs 191 ums Leben, der kurz nach dem Start vom O’Hare International Airport in Chicago abstürzte.Jumbo Jet Crashes On Take Off. In: The Sunday Herald, 27. Mai 1979, United Press International. Zum Zeitpunkt seines Todes war er auf dem Weg nach Kalifornien, wo er einer Gruppe japanischer Wissenschaftler seine Vorstellungen über Wissenschaft und Mystik vorstellen sollte. Er wurde 55 Jahre alt.

Seine Tochter, die Anglistikprofessorin Sharona Ben-Tov Muir, veröffentlichte 2005 mit The Book of Telling: Tracing the Secrets of My Father's Lives ein Erinnerungsbuch über ihren Vater. Erst nach seinem Tod erfuhr sie von seiner Tätigkeit bei den israelischen Streitkräften und davon, dass er die erste israelische Rakete konstruiert hatte. Auf der Suche nach einer Erklärung dafür, weshalb er nie über diesen Teil seines Lebens gesprochen hatte, reiste Muir nach Israel und recherchierte dort seine Lebensjahre.

Werke

Stalking the Wild Pendulum: On the Mechanics of Consciousness. E. P. Dutton, 1977, ISBN 978-0-525-47458-6; Neuauflage: Inner Traditions – Bear & Company, 1988, ISBN 0-89281-202-8. A Brief Tour of Higher Consciousness: A Cosmic Book on the Mechanics of Creation. Inner Traditions – Bear & Company, 2000, ISBN 0-89281-814-X. Überarbeitete Ausgabe von A Cosmic Book on the Mechanics of Creation, zusammen mit Mirtala Bentov. Dutton Books, 1982, ISBN 0-525-47701-2. Micromotions of the body as a factor in the development of the nervous system. Veröffentlicht in: Lee Sannella: Kundalini – psychosis or transcendence?. 1976, ISBN 0-685-82477-2. Wiederabgedruckt in: John White (Hrsg.): Kundalini, Evolution, and Enlightenment. 1979, ISBN 0-385-14095-9.

Literatur

Sharona Ben-Tov Muir: The Book of Telling: Tracing the Secrets of My Father's Lives. Bison Books, 2008, ISBN 978-0-8032-1648-8.

Einzelnachweise

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