Die Evangelisch-Lutherische Kirche von Kanada (, kurz ELCC) war eine lutherische Kirche in Kanada. Sie war vor allem in Westkanada vertreten, hatte aber auch Gemeinden in Ontario, Quebec und den Nordwest-Territorien. Der Sitz der Kirchenleitung war in Saskatoon in Saskatchewan. Sie wurde 1960 als Kanada-Distrikt der Amerikanischen Lutherischen Kirche gegründet und erlangte 1966 die Autonomie von dieser. Damit wurde sie zur ersten völlig eigenständigen lutherischen Kirche in Kanada. 1985 schloss sich die ELCC mit der kanadischen Sektion der Lutherischen Kirche in Amerika zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada zusammen.

Geschichte 1960 schlossen sich die deutschamerikanische Amerikanische Lutherische Kirche, die norwegisch-amerikanische Evangelisch-Lutherische Kirche und die dänisch-amerikanische Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche zur Amerikanischen Lutherischen Kirche (ALC) zusammen. Die Deutschen und die Norweger hatten bereits organisierte Distrikte für ihre kanadischen Gemeinden gehabt, die jetzt den Grundstock des neuen Kanada-Distrikts bildeten. Dieser organisierte sich am 7. Juli 1960 in Regina und erhielt am selben Tag eine Charter des Kanadischen Parlaments als Evangelisch-Lutherische Kirche von Kanada. Als die Lutherische Freikirche 1963 der ALC beitrat, schlossen sich auch deren fünf Pastoren und elf Gemeinden mit 1177 Gemeindegliedern in Kanada dem dortigen Distrikt an.

Die ALC hatte bereits 1962 ein Komitee eingesetzt, das sich mit den seit längerer Zeit bestehenden Autonomiebestrebungen in Kanada auseinandersetzte. Dieses sprach sich in den Thesen von Minneapolis für die Autonomie aus und bereitete bis 1963 eine Kirchenverfassung vor. Am 8. und 9. November 1966 beschloss die Versammlung des Distrikts in der Christ Lutheran Church in Regina im Einvernehmen mit der Mutterkirche die Autonomie von der ALC. Erster Kirchenpräsident wurde der bisherige Distriktspräsident Karl Holfeld. Zum 1. Januar 1967 nahm die ELCC die Arbeit als autonome Kirche auf, unterhielt aber weiterhin gute Beziehungen zu ihrer Mutterkirche, die der ELCC neben beträchtlichen Überschreibungen und Einmalzahlungen auch fünf Jahre lang weitere Unterstützung zukommen ließ.

Im selben Jahr gründete die Kirche gemeinsam mit der kanadischen Sektion der Lutherischen Kirche in Amerika und den kanadischen Distrikten der Missouri-Synode den Lutherischen Rat in Kanada.

Zum 1. Januar 1968 schlossen sich zehn weitere lutherische Gemeinden aus dem Osten Kanadas der ELCC an, die zuvor Teil des Östlichen Distrikts der ALC gewesen waren. Je zwei dieser Gemeinden bestanden in Montreal, Ottawa und New Denmark, vier waren aus Toronto. Diese Gemeinden bildeten die Östliche Konferenz der ELCC.

Auf einer Versammlung vom 16. bis 19. Mai 1985 in Winnipeg beschlossen die ELCC und die kanadische Sektion der LCA ihre Union, die zum 1. Januar 1986 vollzogen wurde. Die so entstandene Kirche nahm den Namen Evangelisch-Lutherische Kirche in Kanada (ELCIC) an und ist bis heute die mitgliederstärkste lutherische Denomination in Kanada.

Organisation und Struktur Die ELCC hatte eine synodale Kirchenverfassung. Höchstes Entscheidungsgremium war die regelmäßig tagende Generalversammlung (general convention), die etwa zur Hälfte aus Laien bestand. Sie wählte auch die Amtsträger der Kirche, darunter den Kirchenpräsidenten und einen Vizepräsidenten. Der Kirchenleitung waren eine Handvoll Ausschüsse mit hauptamtlichen Vorsitzenden zur Seite gestellt.

Bei ihrer Gründung 1960 hatte die ELCC 64.521 getaufte Gemeindeglieder in 326 Gemeinden, die von 184 Geistlichen betreut wurden. Die ELCC konnte vor allem in ihren frühen Jahren großes Wachstum aufweisen, obwohl sich die Zahl ihrer Gemeinden durch viele Fusionen ein wenig verringerte. Bei der Union zur ELCIC hatte die Kirche 83.447 Mitglieder in 308 Gemeinden und 342 Geistliche. Sie stellte damit etwa 40 % der Mitglieder der neuen Kirche.

Leitende Geistliche 1960–1970 Karl Holfeld 1970–1985 Theodore Jacobson

Bildungseinrichtungen Mit der ELCC waren zwei Hochschulen und ein Theologisches Seminar verbunden. Das Camrose Lutheran College hatte einen norwegischen, das Luther College in Regina einen deutschen ethnischen Hintergrund. Hauptsächliche Ausbildungsstätte für die Geistlichen der ELCC war das Lutheran Theological Seminary Saskatoon, das gemeinsam mit der kanadischen Sektion der LCA betrieben wurde.

Die ELCC unterhielt zudem eine Verlagsbuchhandlung, den Foothill Lutheran Book Shop in Calgary, der auch die Publikationen der Synode herausgab.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Evangelisch-Lutherische Kirche in Kanada Kanada Kategorie:Protestantismus in Kanada Kategorie:Mitgliedskirche des Ökumenischen Rates der Kirchen Kategorie:Christentumsgeschichte (Kanada) Kategorie:Religion (Saskatoon) Kategorie:Organisation (Saskatoon) Kategorie:Gründung einer religiösen Organisation 1960 Kategorie:Aufgelöst 1985