Lapidarium des Nationalmuseums in Prag () ist die älteste und größte Sammlung der steinernen Skulptur und Bauplastik in der Tschechischen Republik.

Geschichte mini|Saal Nr. 1: Romanik und Gotik mini|Saal Nr. 4 Barock: Statuen aus der Karlsbrücke Das Lapidarium gehört zu den ältesten spezialisierten Sammlungen von Kunstdenkmälern in Tschechien. Kurz nach der Entstehung des im Jahre 1818 begründeten Nationalmuseums Prag begann man, Gipsabgüsse zusammenzutragen. Im Jahre 1840 hob der Historiker und Mitbegründer des Museums, František Palacký, die Bedeutung der Rettung und Sammlung von Steinoriginalen aus den dem Untergang geweihten Baudenkmälern, vor allem Denkmälern, Grabsteinen und Reliefs, hervor. Diese Konzeption wurde zuerst vom Archäologischen Kollegium des Museums zusammen mit dem Kreis der Amateurkonservatoren und der Redaktion der Zeitschrift „Památky archeologické a místopisné“ (Archäologische und topographische länderkundliche Denkmäler, begründet im Jahre 1862), die im Museumsgebäude ihre Sitzungen abhielt, realisiert.

Die meisten Exponate kamen in den Jahren 1890 bis 1914 während der „Sanierung“ des alten Prags, aus niedergerissenen Kirchen, Adelspalästen und Bürgerhäusern. Denkmäler und Brunnen mussten auf öffentlichen Geländen, Verkehrskreuzungen und Straßenbahnwegen (St.-Wenzel-Denkmal mit dem Brunnen am Rossmarkt, Radetzky-Denkmal am Kleinseitner Ring) neuen Bauwerken Platz machen oder wurden wegen ihres baufälligen Zustandes (Krocín-Brunnen am Altstädter Ring) abgerissen. Denkmäler der Habsburger Herrscher wurden nach der Unabhängigkeitserklärung der Tschechoslowakischen Republik 1918 zwangsentfernt.

Torsos zweier größten Barockfigurengruppen von der Karlsbrücke gelangten nach den Überschwemmungen aus den Jahren 1784 und 1890 ins Lapidarium, bei denen sie in die Moldau stürzten. Fragmente zweier anderen Figurengruppen wurden erst 2005 aus dem Fluss geborgen.

Sammlung Die Sammlung beinhaltet böhmische Steinbildhauerei und andere Werke der monumentalen Bildhauerkunst aus dem Zeitraum vom Frühmittelalter bis zum Historismus, ungefähr vom 11. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, also aus etwa eintausend Jahren. Die einzigartige Kollektion zählt mehr als 400 Statuen, 2000 vorwiegend Steinfragmente der Architektur und eine Sammlung ihrer Gipsabgüsse. In acht Sälen mit einer Fläche von 1500 Quadratmetern befindet sich die ständige Ausstellung mit 435 chronologisch geordneten Exponaten, die ein übersichtliches Lehrbuch der Kunststile und Ornamente bilden. Sonstige Artefakte werden in zwei anliegenden Depositorien aufbewahrt. Gipsabgüsse befinden sich im Depositorium in Terezín außer Prag.

Gebäude Der vierflüglige Pavillon im Baustil der Neorenaissance wurde vom Prager Architekten Antonín Wiehl im Jahre 1891 für das Ausstellungsgelände der Allgemeinen Jubiläums Landesausstellung in Prag 7 – Holešovice entworfen. Aus den damaligen Exponaten der Retrospektiven Ausstellung sind heutzutage die romanischen Tonfliesen geblieben. Im Jahre 1898 wurde für die Architektur- und Ingenieursausstellung die Grundlage für die zukünftige Ausstellung des Lapidariums gelegt: Steinoriginale und Gipsabgüsse wurden zusammen mit gezeichneter Dokumentation, Fotografien sowie Glocken und Gemälden ausgestellt. Die erste ständige Ausstellung des Lapidariums eröffnete Museum 1905, am Gebäude wurden bauliche Änderungen vorgenommen und die Jugendstilfassade mit der bildhauerischen Verzierung von František Hergessel versehen. Die zweite Ausstellungsversion stellte Karel Guth nach archäologischen Forschungen im mittelalterlichen Kloster Ostrov 1932 zusammen, die dritte wurde im Jahre 1956 eröffnet. Die vierte Ausstellung von Jiří Fajt und Lubomír Sršeň besteht seit 1993, nach 1999 ergänzt von Dana Stehlíková. Die Räumlichkeiten des Lapidariums dienten auch gesellschaftlichen Veranstaltungen, Vorträgen und Konzerten.

Das Lapidarium war bis 2023 geöffnet und ist zurzeit aus technischen Gründen geschlossen.

Literatur Jiří Fajt, Lubomír Sršeň: Lapidarium des Nazionalmuseums, Národní muzeum Praha 1991 (ohne ISBN)

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