Die Isabelltangare (Stilpnia cayana, Syn.: Tanagra cayana, Calliste cyanolaima, Tangara cayana littoralis) ist eine Vogelart aus der Familie der Tangaren (Thraupidae), die in Kolumbien, in Venezuela, in Guyana, in Suriname, in Französisch-Guayana, in Peru, in Bolivien, in Brasilien, in Paraguay und in Argentinien verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.
Merkmale Die Isabelltangare erreicht eine Körperlänge von 13,0 bis 14,0 cm bei einem Gewicht von ca. 15,2 bis 22,5 g. Der Oberkopf des Männchens ist zimtrotbraun gefärbt. Dieser Farbton bildet einen Kontrast zu dem glänzend gelben Rücken, der untere Brust, dem Bauch, den Flanken und der Unterschwanzdecken. Die Kehle und die obere Brust weisen eine kräftige blauviolette Färbung auf. Zudem besitzt das Männchen eine charakteristische schwarze Maske, die sich beidseitig über das Gesicht, über die Augenpartie und über die Wangen erstreckt. Die Schwung- und Steuerfedern sind hellblau gesäumt. Je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel kann das Gefieder einen gelblich braunen Schimmer aufweisen. Die Gefiederfärbung des Weibchens ähnelt der des Männchens, wirkt jedoch im Allgemeinen matter. Das Gefieder kann zudem hell grüne Schattierungen aufweisen. Zudem fehlen an der Kehle und der oberer Brust die violetten Farbakzente des Männchens. Die Iris ist bei beiden Geschlechtern dunkel braun, der Oberschnabel schwarz, der Unterschnabel dunkel grau und die Füße bläulich grau. Jungvögel sind matter gefärbt. Der Rücken, der Nacken, die Flügel und der Schwanz sind gedämpft braun, mit einem Anflug von hellgrüner oder blaugrüner Tönung. Der Großteil des übrigen Gefieders ist schmutzig gelb.David Carlson, u. a. (2020)
Lautäußerungen Der Gesang des Männchens der Isabelltangare ist auffallend quietschend und hoch. Er besteht aus zwei Elementen, einem im Tonfall abfallenden zwik und einem abgehackten tsit. Diese beiden Laute wechseln sich über einen Zeitraum von drei bis fünf Sekunden ab, wobei sowohl das Tempo als auch die Lautstärke zunehmen. Gegen Ende des Gesangs beschleunigt sich das Tempo so stark, dass der Gesang einen trillerartigen Charakter annimmt. Dies erweckt den Eindruck, als würden mehrere Individuen gleichzeitig singen. Der Ruf wird als quietschendes zwik oder abruptes tsit beschrieben.
Fortpflanzung Entlang des Orinoco in Venezuela wurde von Brutaktivitäten der Isabelltangare im Januar, April, Mai und Dezember berichtet. In Suriname findet die Brutzeit in den Monaten Januar bis April, Juli und November statt. In Brasilien brüten die Vögel im Oktober und November. Eine Studie, die sich auf die südlichen Savannengebiete Guyanas konzentrierte, ergab, dass die Brutzeit sowohl von März bis April als auch von Oktober bis November reicht. Das Nest ist ein offener Napf. Es ist unregelmäßig geformt und befindet sich typischerweise in einer Höhe von etwa 1,5 bis 2,4 Meter über dem Boden in einem alleinstehenden Baum oder Strauch. Das Weibchen ist der Hauptakteur beim Nestbau. Die Außenwand des Nestes besteht aus Blattstielen, während die Auskleidung des Innenraums feine Gräser, Wurzelstückchen und Flechten umfasst. Der Nestkörper kann zudem verrottete Blätter enthalten, die durch Spinnweben zusammengehalten werden. Ein in der Nähe des Orinoco gefundenes Nest wies einen Außendurchmesser von 8,2 Zentimeter und eine Tiefe von 6,2 Zentimeter auf, während die Innenmaße einen Durchmesser von 5 Zentimeter und eine Tiefe von 3,4 Zentimeter hatten. Ein Gelege besteht normalerweise aus zwei Eiern. Die ovalen weißlich braunen oder hell blauen Eier sind etwa 20 × 15 Millimeter groß. Über das gesamte Ei verteilt finden sich zahlreiche braune Flecken. Die Dichte der Flecken nimmt zu und bildet ein breites Band um das stumpfe Ende. Beobachtungen von Nestern in der brasilianischen Stadt Rio Claro deuten darauf hin, dass das Weibchen allein brütet. An einem Standort in der venezolanischen Orinoco-Region wurden zwei Eier bebrütet, doch nur eines überlebte. Die Brutzeit beträgt üblicherweise 12 bis 14 Tage. Sowohl das Männchen als auch das Weibchen beteiligen sich an der Fütterung der Nestlinge, wobei der Anteil des Weibchens größer ist als der des Männchens. Einer Studie zufolge werden zwischen 62 % und 68 % aller Fütterungen vom Weibchen übernommen. Die Zeit bis die Nestlinge flügge werden dauert im Allgemeinen 14 bis 16 Tage.
Verhalten und Ernährung Die Nahrungssuche der Isabelltangare erfolgt in allen Straten der Bäume, einschließlich des Unterwuchs, den mittlerer Baumschichten und dem Kronendach. Sie sucht typischerweise an den Seiten von Zweigen und Ästen nach Insekten. Beim Verzehr von Früchten schluckt sie diese entweder im Ganzen oder zerdrücken sie mit dem Schnabel, bevor sie die verwertbaren Teile schluckt und den Rest zurücklässt. Die Ernährung besteht hauptsächlich aus Früchten und Insekten. Untersuchungen des Mageninhalts ergaben, dass ihr Nahrungsspektrum Mistelbeeren und Palmenfrüchte sowie Früchte und Samen von Michelia champaca, Schinus, Eriobotrya japonica und Guavenpflanzen umfasste. Zudem frisst sie Wespen, Termiten und Kulturfrüchte wie Papayas und Bananen. In Georgetown wurden Exemplare dabei beobachtet, wie sie sich an einer Obstschale in einem Hotel bedienten. In Zentralbrasilien suchen sie nach Früchten von Cecropia-Arten. Beobachtungen auf einer Farm in Venezuela ergaben, dass Vögel, die Früchte des Baumes Palicourea rigida fressen. Dabei verzehrten sie durchschnittlich 2,8 Früchte pro Besuch eines Baumes sowie 3,9 Früchte pro Minute.
Sie gilt als sehr aktiv. Dabei wird sie häufig dabei beobachtet, wie sie auf der Nahrungssuche durch verschiedene Vegetationsschichten hüpft. Auf der Suche nach Nahrung legen die Tiere regelmäßig weite Strecken zurück, um isolierte Gebüsch- oder Baumgruppen zu erreichen. Beobachtungsstudien in Rio Claro zeigten, dass die Gefiederpflege sowohl einzeln als auch paarweise erfolgte. Bei der Nahrungssuche ist sie meist paarweise unterwegs, wenngleich auch schon Schwärme von bis zu fünfzehn Individuen bei der gemeinsamen Nahrungssuche beobachtet wurden. Diese Vögel schließen sich normalerweise keinen gemischten Schwärmen an, können sich jedoch an fruchttragenden Bäumen gelegentlich doch unter solche mischen.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet der Isabelltangare cayan-Gruppe (grün) mini|Verbreitungsgebiet der Isabelltangare flava-Gruppe (grün) Die Isabelltangare bevorzugt mäßig trockene, offene bis halboffene Gebiete mit vereinzelten Baum- oder Strauchgruppen. Häufig ist die Art an den Übergangszonen zwischen Wald und Lichtung anzutreffen. Zu den geeigneten Lebensräumen zählen zudem Galeriewälder, Weißsandwälder, Cerrado, Campo Grasländer sowie tiefgelegene, saisonal überflutete Grasflächen. Auch in vom Menschen geprägten Bereichen wie Städten, Farmen und Wohngebieten wurde die sie bereits bei der Nahrungssuche, beim Nisten und beim Ruhen beobachtet. Typischerweise legt sie weite Strecken über offenes Gelände zurück, um der saisonalen Fruchtreife verschiedener Bäume und Sträucher zu folgen. Eine Studie in Brasilien ergab, dass Individuen innerhalb von 28 Stunden achtmal Bäume der Gattung Cecropia aufsuchten. Dies deutet darauf hin, dass diese Art in der betreffenden Region besonders geeignete Lebensräume für die Art bietet. Ein weiteres Mikrohabitat der Isabelltangare scheinen nektarreiche Bäume der Art Erythrina poeppigiana zu sein, die in einigen venezolanischen Schattenkaffee-Plantagen vorkommen.
Unterarten Es sind folgende Unterarten anerkannt: Stilpnia cayana fulvescens (, 1922)Walter Edmond Clyde Todd (1922), S. 92. kommt in den östlichen Andes von Kolumbien vor. Die Unterart ähnelt der Nominatform ist aber größer und blasser. Stilpnia cayana cayana (, 1766)Carl von Linné (1766), S. 315. kommt im östlichen Kolumbien, in Venezuela, in den Guyanas, dem nördlichen Brasilien und dem östlichen Peru vor. Stilpnia cayana huberi (, 1910)Carl Eduard Hellmayr (1910), S. 34–35 ist im nordöstlichen Brasilien in Ilha de Marajó verbreitet. Diese Unterart liegt in der Färbung zwischen S. c. cayana und S. c. chloroptera. Die Unterseite ähnelt S. c. chloroptera, jedoch ist der schwarze Farbton matter. Die Flanken und die Unterschwanzdecken ähneln denen der Nominatform. Das Weibchen hat ebenfalls blaue Flügel und einen blauen Schwanz. Stilpnia cayana flava (, 1789)Johann Friedrich Gmelin (1789), S. 896 kommt nordöstlichen Brasilien in Maranhão, dem nördlichen Goiás bis ins südlichste Bahia vor. Die Unterart ist von der Größe ähnlich wie S. c. chloroptera, jedoch allgemein dunkler gefärbt und hat weißlich gelbe Unterflügeldecken. Stilpnia cayana sincipitalis (, 1907)Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch (1907), S. 348. ist in Zentralbrasilien in Goiás verbreitet. Diese Unterart weist ein markantes gelbbraunes Band am vorderen Oberkopf auf. Der Rücken hat einen silbrig grünen Schimmer. Stilpnia cayana chloroptera (, 1819)Louis Pierre Vieillot (1819), S. 407. kommt von Paraguay über das südöstliche Brasilien in Minas Gerais und dem nordöstlichen Argentinien vor. Diese Subspezies ist groß. Die schwarze Maske des Männchens erstreckt sich über Kehle und Brust bis in den oberen Bauchbereich. Der Oberkopf und der Rücken sind gelbbraun gefärbt, während die Unterflügeldecken schwärzlich sind. Das Weibchen ist deutlich matter gefärbt als das Männchen und weist auf dem Rücken eine olivgrüne Tönungen auf. Stilpnia cayana margaritae (, 1891)Joel Asaph Allen (1891), S. 351–354. ist in Zentralbrasilien in Mato Grosso verbreitet. Diese Subspezies ähnelt S. c. chloroptera, doch ähnelt der Rücken dem von S. c. sincipitalis.
Calliste cyanolaima , 1851Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1851), S. 140. und Tangara cayana littoralis & , 1937Ludlow Griscom u. a., (1937), S. 436–437. werden heute als Synonym zur Nominatform betrachtet.
Migration Die Isabelltangare gilt als Standvogel über sein gesamtes Verbreitungsgebiet.
Etymologie und Forschungsgeschichte Die Erstbeschreibung der Isabelltangare erfolgte 1766 durch Carl von Linné unter dem wissenschaftlichen Namen Tanagra cayana. Als Verbreitungsgebiet gab er Cayenne an. Schließlich stellten sie Kevin Joseph Burns, Philip Unitt und Nicholas Albert Mason im Jahr 2016 in die neue Gattung Stilpnia.Kevin Joseph Burns u. a. (2016), S. 329–354. Dieses Wort leitet sich aus ab.Stilpnia in The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname cayana bezieht sich auf Cayenne. Huberi ist Jacques Huber (1867–1914) gewidmet, margaritae Amelia ‘Daisy’ Woolworth Smith née Smith (1858–1930). Fulvescens hat seinen Ursprung in fulvescens The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, flava in flava The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, sincipitalis in sincipitalis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, chloroptera in und chloroptera The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, cyanolaima in und cyanolaima The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling und littoralis in .littoralis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay einen Balg, gesammelt von Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973) in Nueva Germania, zur Verfügung. Laubmann sah im Synonym Calospiza cayana chloroptera die Unterart für Paraguay. In der Literatur betrachtete er in SapucaiCharles Chubb (1910), S. 625. durch Charles Chubb einen Nachweis für das Land. Außerdem erwähnte er neben Lindo del belloFélix de Azara (1802), S. 387–388. von Azara.Alfred Laubmann (1940), S. 158.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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