Antoine Robert Gaudreaus (* um 1682 in Paris; † 6. Mai 1746 ebenda), auch Antoine Robert Gaudreaux bzw. Gaudreau, war ein französischer Ebenist. Er zählte zu den bedeutendsten Möbelkünstlern am Hof Ludwig XV. und war über Jahrzehnte hinweg Hauptlieferant des Garde-Meuble de la Couronne.
Leben mini|Kommode von Antoine-Robert Gaudreaus, 1739, mit vergoldeten Bronzebeschlägen von Jacques Caffiéri, für das Schlafzimmer Ludwigs XV. in Versailles. Eiche, furniert mit Königsholz und Satine, Mahagoni, vergoldete Bronze, Serpentinit. Wallace Collection, London Antoine-Robert Gaudreaus wurde als Sohn eines Schuhmachers im Pariser Faubourg Saint-Antoine geboren. Er schrieb seinen Namen konsequent in der Form Gaudreaus, um sich von den Cousins und Mitgliedern der im 17. und 18. Jahrhundert tätigen, angesehenen Buchbinderfamilie Gaudreau abzugrenzen. Sein jüngerer Bruder war der Maler Pierre Gaudreaus (* um 1698; † 1731), der eine kurze, aber erfolgreiche Laufbahn als Maler am Hof von Karl III. Philipp, Kurfürst von der Pfalz, in Mannheim absolvierte. Er ist identisch mit dem Maler Pierre Goudreaux. Ab 1699 erhielt Gaudreaus eine sorgfältige Ausbildung im Pariser Stadtteil Faubourg Saint-Antoine, zunächst bei dem deutschstämmigen Ebenisten Gosvin Nus und anschließend bei dem Zeichenlehrer Pierre Duay. 1708 heiratete er Marie-Denise Maingot, die Tochter eines in Paris (Enclos du Temple) ansässigen Gewürzhändlers. Aus der Ehe ging ein gemeinsamer Sohn hervor. Im selben Jahr erhielt er die Meisterzulassung in Paris und eröffnete eine eigene Werkstatt in der Rue du Faubourg Saint-Antoine, die bereits über fünf Werkbänke verfügte.
Antoine-Robert Gaudreaus fand rasch Anerkennung: Um 1720 war er für zwei Jahre Juror seiner Zunft. 1724 zog er in die Rue Princesse im Faubourg Saint-Germain um. Dort hatte der Ebenist François Guillemard fast das gesamte Haus gepachtet, das dem königlichen Goldschmied und Direktor der Monnaie des Médailles, Nicolas de Launay, gehörte. Guillemard untervermietete einen Teil des Hauses an Gaudreaus. Möglicherweise trugen diese Beziehungen dazu bei, dass der Garde-Meuble de la Couronne (Behörde, die für die Verwaltung des Mobiliars und der Kunstgegenstände der königlichen Residenzen zuständig war) auf ihn aufmerksam wurde. Am 20. Dezember 1726 belieferte Gaudreaus diesen erstmals. Er und nach ihm sein Sohn blieben 25 Jahre lang dessen Hauptlieferanten. Er trug den Titel ébéniste de la Reine und wurde für das Jahr 1744 zum Principal seiner Zunft gewählt.
Sein Sohn François-Antoine Gaudreaus (* um 1710 in Paris; † 3. Februar 1753 ebenda) war bereits Meister, als er 1739 heiratete. Danach gingen Antoine-Robert Gaudreaus und seine Ehefrau mit Sohn und Schwiegertochter Marie-Marguerite Handouville, Tochter eines Kaufmanns aus Rouen, eine geschäftliche Partnerschaft ein. Diese bestand bis zu Antoine-Robert Gaudreaus' Tod im Jahr 1746 und wurde anschließend von seiner Witwe und dem jungen Paar fortgeführt. Im Jahr 1751 gab die Familie aus unbekanntem Grund das Geschäft auf, möglicherweise aufgrund des schlechten Gesundheitszustands von François-Antoine Gaudreaus. Die Geschäftsbestände wurden am 20. Juli 1751 verkauft und die letzte Lieferung an das Garde-Meuble de la Couronne erfolgte am 20. August desselben Jahres. Anschließend zog die Familie in die Rue Sainte-Marguerite (Rue Gozlin), wo François-Antoine Gaudreaus starb. Keines seiner vier Kinder setzte die berufliche Nachfolge fort.
Werk mini|Schrägklappensekretär (Secrétaire en pente), 1733, aus der Werkstatt von Antoine-Robert Gaudreaus, aus dem Besitz der Königin Maria Leszczyńska. Kirschholz, versilberte Bronze, Leder. Musée du Louvre, Paris Da die Nachfrage nach den Möbeln der Familie Gaudreaus so groß war, dass nicht alle Stücke in der eigenen Werkstatt gefertigt werden konnten, wird vermutet, dass auch andere Ebenisten wie Charles Cressent, Jacques-Philippe Carel, Mathieu Criard und François Mondon Möbel für sie herstellten. Zu den wichtigsten Auftraggebern zählten der König, dessen Bestellungen über die Bâtiments du Roi abgewickelt wurden – Gaudreaus fertigte 1741 bedeutende Arbeiten für die Bibliothèque royale in Paris – sowie insbesondere das Garde-Meuble de la Couronne, für das jährlich eine große Zahl von Möbeln geliefert wurde, darunter mindestens 375 Kommoden. Die Stücke waren vor allem für den König, die Königin und deren Kinder bestimmt, gelegentlich auch für Wohnungen des Hofstaats. Sie betrafen sämtliche Königsschlösser: Versailles, Trianon, Marly, La Muette, Fontainebleau, Compiègne sowie nach dessen Erwerb im Jahr 1739 auch Choisy. Besonders ab 1738 nahmen die Lieferungen deutlich zu und wurden luxuriöser. So wurden beispielsweise im Jahr 1739 ein Medaillenschrank für das Cabinet du Roi in Versailles (der sich noch heute dort befindet) sowie eine Kommode für das private Gemach des Königs (die sich heute in London befindet) geliefert.
Das Repertoire der Werkstatt umfasste Kommoden, Eckschränke, Bureaux, Schreib-, Spiel-, Beistell-, Nacht- und Frisiertische, Bücherregale und Sekretäre – die ersten wurden 1733 für die Königin angefertigt und befinden sich heute im Louvre in Paris –, Bidets, Toilettenstühle und Wandschirme. Die Arbeiten waren zumeist mit Veilchenholz, Amaranth oder Palisander furniert, teilweise auch mit Edelhölzern wie Olive und Süßkirsche. Daneben entstanden zahlreiche Massivholzmöbel aus Nussbaum, darunter besonders viele Kommoden und Tische.
Zu den weiteren Auftraggebern zählten der Duc de Valentinois und der Duc de Saint-Simon (beide im Jahr 1730), der Marquis d'Antin (im Jahr 1739), der Comte de Clermont, ein Prinz von Geblüt (im Jahr 1741), der Prince de Condé (im Jahr 1748) und der Erzbischof von Cambrai, der Sohn Philippes d'Orléans (im Jahr 1753) sowie die Ducs de Bouillon. Es gab möglicherweise auch Verkäufe nach Mannheim, dem Wohnort seiner Schwester Jeanne und ihres Ehemannes, des Tapissiermeisters François Hazard. Die Möbel der Familie Gaudreaus zählen zu den bemerkenswertesten Stücken aus der Regierungszeit Ludwigs XV.: Sie zeichnen sich durch hochwertiges Furnier in geometrischen Mustern sowie durch prächtige Bronzerocailles aus. Für die Möbel des Königs griff Gaudreaus mitunter auf Vorlagen der Brüder René-Michel und Dominique-François Slodtz zurück, die er neu interpretierte. Da er selbst zeichnen konnte, folgte er in anderen Fällen seiner eigenen Gestaltung.
Erhaltene bzw. dokumentierte Werke befinden sich unter anderem in Compiègne (Musée national du Château), Fontainebleau (Musée national du Château), London (Wallace Collection), Marly-le-Roi (Musée-Promenade), Paris (Archives nationales, Mobilier national, Louvre) und Versailles (Château).
Literatur Daniel Alcouffe, Élisabeth Grall, Jean Perfettini: Antoine Robert Gaudreaus, ébéniste de Louis XV. Éditions Faton, Dijon 2021. Daniel Alcouffe: Antoine-Robert et François-Antoine Gaudreaus, ébénistes de Louis XV. In: Antologia di Belle Arti. Nuova serie 27–28, 1985, S. 73–97. Alexandre Pradère: Les ébénistes français de Louis XIV à la Révolution. Le Chêne, Paris 1989. Pierre Kjellberg: Le mobilier français du XVIIIe siècle. Dictionnaire des ébénistes et des menuisiers. Les Éditions de l’Amateur, Paris 1989. Pierre Verlet: Le mobilier royal français. Meubles de la Couronne conservés en France. Bd. 1, Picard, Paris 1990. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 5: Dyck – Gémignani. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.
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Einzelnachweise
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