Hartmut Lorenz (geboren 1945) ist ein deutscher Puppenspieler, Regisseur, Intendant, Hochschullehrer, Begründer und langjähriger Leiter des ersten Puppenspiel-Studiengangs im deutschsprachigen Raum.

Leben und Wirken Hartmut Lorenz studierte in den 1960er-Jahren Puppenspiel an der Akademie der musischen Künste in Prag (AMU), da es zu diesem Zeitpunkt noch keine staatliche Ausbildung in der Fachrichtung in Deutschland gab. An der AMU lernte Lorenz auch seine spätere Frau Konstanza Kavrakowa-Lorenz kennen, die in Prag Puppenspielregie studierte, 1969 mit ihm in die DDR übersiedelte und dort als Bühnenbildnerin und Puppengestalterin auch in vielen seiner Inszenierungen wirkte.

1972 übernahm Lorenz die Leitung der neu eingerichteten Fachrichtung Puppenspiel an der Staatlichen Schauspielschule Berlin (ab 1981: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch). Die Abteilung war bis 1992 im Bruno-Bürgel-Weg in Berlin-Schöneweide untergebracht. Dort baute Lorenz den ersten Studiengang für Puppenspiel im deutschsprachigen Raum, den er bis 2003 leitete.

Als 1979/80 der damalige Direktor der Staatlichen Schauspielschule Berlin (Fachschule für Schauspielkunst) Hans-Peter Minetti an deren Umwandlung zur Hochschule arbeitete, warb Harmut Lorenz darum, die Fachrichtung Puppenspiel „gleichberechtigt in den Hochschulstatus zu überführen.“ Weil Lorenz sich mit seinem Anliegen eigenmächtig an den Abteilungsleiter für Hoch- und Fachschulwesen des Ministeriums für Kultur wandte, wurde ihm vorgeworfen, die Umstrukturierung zu sabotieren. Kurz darauf wurde er in die Nationale Volksarmee einberufen. Dennoch blieb Lorenz bei seinen Plänen und konnte Minetti schließlich überzeugen.

Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule für Schauspielkunst inszenierte Hartmut Lorenz zahlreiche Szenenstudien und Studioinszenierungen. Auch außerhalb der Hochschule war er an vielen Puppentheatern als Regisseur tätig. Von 1987 bis 1989 leitete er außerdem als Intendant das Puppentheater Berlin in Berlin-Prenzlauer Berg, wo er ebenfalls als Regisseur wirkte. 1989 wurde Hartmut Lorenz zum Professor im Fach Puppenspielkunst ernannt.

Regie (Auswahl)

1973: Die Vögel nach Aristophanes, Puppen und Masken: Peter Waschinsky nach Entwürfen von Konstanza Kavrakova-Lorenz (Staatliche Schauspielschule Berlin) 1975: Feuerwehr Felicitas. Folge 11: Der Turmbau (DEFA-Studio für Trickfilme) 1983: Die Insel der erfüllten Wünsche nach Vojtěch Cinybulk, Bühnenbild: Matthias Herbst, Figuren: Konstanza Kavrakova-Lorenz

1984: König Ubu von Alfred Jarry, Bühnenbild und Figuren: Konstanza Kavrakova-Lorenz (bat-Studiotheater / Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch)

1986: Cyrano de Bergerac von Edmond Rostand, deutsche Fassung: Rainer Kirsch, Bühnenbild und Figuren: Konstanza Kavrakova-Lorenz (Puppentheater der Stadt Erfurt) 1988: Aschenbrödel von Jakob und Wilhelm Grimm, Bühnenbild und Figuren: Axel Jirsch (Puppentheater Berlin / Theater unterm Dach) 1989: Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht, Musik: Kurt Weill, Bühnenbild und Figuren: Hans W. Scheibner (Puppentheater Berlin) 1989: Das Biest des Monsieur Racine oder Das Wunder der Phantasie von Alexander Lang nach Tomi Ungerer, Bühnenbild und Figuren: Hans W. Scheibner, Musik: Wolf Butter (Puppentheater Berlin) 1993: Meister Pedros Puppenspiel von Manuel de Falla, Bühnenbild und Kostüme: Konstanza Kavrakova-Lorenz, Figuren: Karin Tiefensee (Staatsoper Unter den Linden)Material zur Inszenierung Meister Pedros Puppenspiel, 1993, HfS-Archiv / museum-digital 2003: Judas von Manuel Schöbel, Bühnenbild und Kostüme: Karin Tiefensee, Musik: Bernd Weissig (Uraufführung, Theater an der Parkaue)

Weblinks

Fotografien von Die Vögel (1973) mit Hartmut Lorenz bei der Regiearbeit aus der Puppentheatersammlung der SKD Fotografien von Meister Pedros Puppenspiel (1993) aus dem HfS-Archiv auf museum-digital Beiträge von Hartmut Lorenz in Theater der Zeit

Einzelnachweise

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