Die Busentführung vom 23. Mai 1978 war ein Verbrechen, das sich am 23. und 24. Mai 1978 in der Tschechoslowakei abspielte. Drei Männer hatten einen Bus mit Schülern entführt und wollten damit in die Bundesrepublik Deutschland gelangen. Dabei starben zwei Personen, ein weiterer Beteiligter wurde später hingerichtet.
Die Täter Robert (geb. 1956), Václav (geb. 1958) und Milan (geb. 1957) Bareš waren Cousins, deren Leben gekennzeichnet war durch unzureichende Bildung (keiner von ihnen hatte die Grundschule abgeschlossen), häufige Wohnortwechsel (sie verbrachten einen Teil ihres Lebens nomadisch in Wohnwagen), Kleinkriminalität und Abneigung gegen feste Anstellung.
Ablauf Am 22. Mai 1978 sollte Milan Bareš eine Haftstrafe antreten. Daher beschlossen die Cousins, ihre Fluchtpläne zu verwirklichen. Sie stahlen vier Jagdgewehre und die entsprechende Munition. Am Abend des 23. Mai 1978 entführten sie in der Nähe von Cheb einen Bus mit 39 Schülern eines Gymnasiums aus Říčany, die auf der Fahrt nach Weimar waren. Sie fuhren zum Grenzübergang Pomezí nad Ohří, stoppten gegen 19:45 Uhr vor der ersten Schranke und ließen eine Geisel aussteigen mit der Forderung, ihnen die Durchfahrt nach Deutschland zu gewähren. Nach gescheiterten Verhandlungen drohten die Geiselnehmer, die Geiseln zu erschießen. Schließlich einigte man sich darauf, einige Stunden auf die Ankunft höherer Beamter aus Prag zu warten. Gegen 1:30 Uhr trafen die stellvertretenden Innenminister Pješčak und Šádek ein. Šádek teilte den Entführern mit, dass ihrer Ausreise gestattet würde, wenn sie die Geiseln freiließen. Daraufhin wurden die Geiseln, mit Ausnahme des Busfahrers Jan Novák, freigelassen. Jedoch gerieten die Entführer bei der Weiterfahrt gegen 2:30 Uhr in einen Hinterhalt der Grenzsoldaten, die insgesamt ca. 1000 Schüsse auf den Bus abgaben. Dabei starben der Busfahrer Jan Novák und der Geiselnehmer Milan Bareš. Robert und Vaclav Bareš wurden verletzt festgenommen.
Folgen Robert und Vaclav Bareš wurden unter Druck gesetzt, auszusagen, dass der Busfahrer durch Milan Bareš erschossen worden sei und nicht durch die Grenzsoldaten.
Am 7. September 1978 verurteilte das Landgericht Pilsen Robert Bareš zum Tode und Václav Bareš zu 25 Jahren Haft. Sie wurden der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, des Raubes, des versuchten Schmuggels, der Erpressung, der versuchten Ausreise aus der Republik und des Diebstahls für schuldig befunden. Robert Bareš wurde am 6. Dezember 1979 hingerichtet. Die Gräber von Milan Bareš, Robert Bareš und Jan Novák sind unbekannt. Das damalige Regime nutzte den Fall zu Propagandazwecken in den Medien.
Nach der Samtenen Revolution wurde der Prozess gegen die Cousins Bareš 1992 auf Betreiben der damaligen Justizministerin Dagmar Burešová wieder aufgenommen. Das Gericht befand die vorherigen Urteile für unverhältnismäßig, woraufhin Václav Bareš zu 11,5 Jahren Haft verurteilt und nach 14 Jahren freigelassen wurde. Robert Bareš' Todesurteil wurde posthum in eine Haftstrafe von 14,5 Jahren umgewandelt.
Weblinks Bericht über die Entführung auf den Seiten des Institutes zur Erforschung totalitärer Regime in Prag (tschechisch) "Geiseldrama am Eisernen Vorhang", Radio Prag
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