Gutenstein ist ein Stadtteil der baden-württembergischen Stadt Sigmaringen im Landkreis Sigmaringen (Deutschland). Bis zur Kreisreform des Jahres 1973 in Baden-Württemberg war Gutenstein eine selbständige Kommune im damaligen Landkreis Stockach; zum 1. Juli 1974 wurde der Ort in die Kreisstadt Sigmaringen eingemeindet.
Geographie Geographische Lage mini|Gutenstein Die Ortschaft Gutenstein mit einer Fläche von 1311 Hektar (888 ha Wald) liegt 604 Meter über Normalnull am Talhang einer Donauschleife zwischen Sigmaringen und Beuron, inmitten des Naturparks Obere Donau und des Durchbruchs der jungen Donau durch die südwestlichen Ausläufer der Schwäbischen Alb, am Rande des Heubergs. Gutenstein ist in den südlich der Donau gelegenen Kernort und die am nördlichen Ufer gelegene Siedlung Furtäcker gegliedert.Bewohner der „Furtäcker“ wieder an kernort angebunden. In: Südkurier vom 24. März 2011
Geologie Gutenstein ist umrahmt von voreiszeitlichen Felsen, denen anzusehen ist, wie die Natur die Durchbruchstäler des Flusses durch den Weißjura schaffte und wie einst alles von einem Jurameer – vgl. dazu auch Jura (Geologie) – umspült war, in dem sich Kalkriffe bildeten.
Geschichte Schwertscheide von Gutenstein mini|hochkant|Die silberne Schwertscheide von Gutenstein
Gutenstein ist ein geschichtsträchtiger Ort, dessen Ursprünge in die alemannische Geschichte der frühen Ausbauzeit zurückgehen:Teufelsloch und Rabenfelsen. S. 14–16. In: Wanderbar …die schönsten Routen. Erlebnis Kreis Sigmaringen. Landratsamt Sigmaringen, Druckerei Schönebeck, Meßkirch 2004. In alamannischer Zeit lag Gutenstein im Gau Perahtoltspara, der Bertholdsbaar (dort wiederum in der Scherragrafschaft).Vgl. dazu auch Baar (Geschichte) Im Jahre 1887 wurden bei Bauarbeiten in unmittelbarer Nähe zur St.-Gallus-Kirche die Reihengräber zweier wohlhabender Männer aus dem Ende des 7. Jahrhunderts gefunden. In einem dieser Gräber befand sich unter den Beigaben eine silberne Schwertscheide, die zunächst nach Berlin ans Museum für Vor- und Frühgeschichte und im Zuge des Zweiten Weltkriegs als Beutekunst an das Puschkin-Museum in Moskau ging.siehe Staatliche Museen zu Berlin Es ist zu vermuten, dass die Schwertscheide von Gutenstein als Teil eines Prunkschwertes einem hohen alamannischen Adligen, vielleicht sogar aus der Familie der Alaholfinger, gehörte.
Alte Urkunden und Regesten zu Gutenstein und St. Gallus in Gutenstein Einer mit 1212 datierten UrkundeOriginal: Generallandesarchiv Karlsruhe; Replik: Urk.-Nr. 1249, REC Band I, Regesten der Konstanzer Bischöfe, im Freiburger Diözesanarchiv ist die Stiftung von Kloster Wald durch den staufischen Reichsministeriale (Ministerialis Domini Imperatoris) Burkard von Weckenstein (um 1180 bis nach 1241) für seine Schwestern Judintha (= 1. Äbtissin) und Ita (= 1. Priorin) zu entnehmen; unter den Zeugen werden auch die Brüder Cunrado und Wernherus de Gutenstain erwähnt. Ritter Burkard von Weckenstein, dessen gleichnamige Burg, Burg Weckenstein, oberhalb von Storzingen am rechten Ufer der Schmeie lag, erwarb am 21. März 1212 für 55 Mark Silber das „praedium Wald“ (heutiger Ort Wald (Hohenzollern) und Kloster Wald) von einem vornehmen Mann (nobilis homo) namens Ulrich von Balbe sowie dessen Mutter Adelheid und Schwester Gertrud, auf dem sich bereits eine kleine Kirche (ecclesiola) befand, die die Pfarrrechte besaß und an den Käufer überging. Das Geschlecht derer von Weckensteinvgl. dazu Burg Weckenstein ist bereits 1383 erloschen. Einem Bestätigungsbrief vom 15. Juli 1216,vgl. dazu Regesta Imperii, Fundstelle RI V1, 1 n. 870. ausgestellt in Überlingen, ist zu entnehmen, dass der Staufer Friedrich II. das Nonnenkloster Wald in seinen Schutz nahm. Unter den Zeugen befand sich neben den Äbten von St. Gallen und Salem unter anderen auch Werner von Guttenstein. Unter gleicher Datierung stellte der minderjährige Heinrich VII. dem Kloster Wald in wörtlicher Übereinstimmung mit dem Privileg seines Vaters Friedrich II. einen Schutz- und Bestätigungsbrief aus. Als Zeugen wurden unter anderen Conrad und Werner von Gutenstein aufgeführt.vgl. dazu Regesta Imperii, Fundstelle RI V1, 2 n. 3845. In einer Urkunde des Klosters St. Gallen vom 17. August 1264Urk.-Nr. 1741 der Regesten im Chartularium Sangallense, Band VIII, St. Gallen 1998. wird unter den Zeugen eines Rechtsgeschäftes ein R(udolf) advocatus de Guotinstein erwähnt, also ein adeliger Vogt des Ortes Gutenstein oder der des Klosters St. Gallen, vielleicht aber auch ein Vogt aus dem Geschlecht von Wildenstein, das Gutenstein von St. Gallen zu Lehen hatte. In einer anderen St. Galler Urkunde vom 13. März 1372Urk.-Nr. 5313 der Regesten im Chartularium Sangallense, Bd. VIII; St. Gallen 1998. wird erstmals eine Kirche in Gutenstein (kilchen ze Guotenstaine) erwähnt. Es handelt sich dabei um einen Revers, den Johan Schmid von Wil dem Abt Georg von St. Gallen für die ihm verbliebenen Pfründen zu St. Leonhard in St. Gallen ausstellte. Einer weiteren St. Gallener Urkunde vom 27. Juni 1461Urk.-Nr. 6524 im Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen, Teil VI, St. Gallen 1955. ist zu entnehmen, dass die von Gräfin Anna von Zimmern, geborene von Kirchberg († 15. August 1478), Ehefrau von Werner dem Jüngeren von Zimmern (1423–1483), und der Bürgermeister des Dorfes Gutenstein (Ammann?) erklären, „dass sie für die Pfarrkirche zu Gutenstein, die Abt Kasper von St. Gallen zu verleihen hat, und einen Priester, den der Herr zu Gutenstein und die Untertanen daselbst wählen und für den sie bitten, verbleiben soll, den Priester Hans Harthuser von Mengen einhellig als Kirchherrn erwählt“ haben.
Chronik Es wurden alemannische Reihengräber aus dem Ende des 7. Jahrhunderts nachgewiesen. 1212 waren Konrad und Werner von Gutenstein Zeugen bei der Gründung des Klosters Wald, das 1217 dem Zisterzienserorden inkorpiert und der Reichsabtei Salem unter dem damaligen Abt Eberhard von Rohrdorf unterstellt wurde. Bereits vor 1300 gelangt Burg Gutenstein mit Dorf und dem damals vermutlich schon mit Gutenstein verbundenen Engelswies als St. Gallener Lehen an Österreich (Habsburger Urbar von 1306/1307); zuvor bei den Herren von Wildenstein. Heinrich von Magenbuch wurde 1292 Pfandherr des bereits als Herrschaftsbezirk ausgewiesenen Habsburger Lehens Gutenstein. Zwischen 1345 und 1353 bewohnte nachweislich Konrad von Magenbuch die Altgutenstein (Burgfelden) in Gutenstein. 1306 verpfändete Herzog Friedrich I. von Österreich die Güter und Einkünfte von Gutenstein und „versetzte“ die dortige Fischenz (das Recht zu fischen) an Heinrich von Magenbuch. Konrad von Magenbuch lieh dem Herzog Rudolf von Österreich 1362 1200 Gulden und erhielt dafür Gutenstein, Engelswies und das Vogtrecht zu Mengen und zu Sigmaringendorf. Am 14. Februar 1373 beurkundete Burkhard von Reischach zu Niedergutenstein an der Donau, mit Graf Eberhard II. von Württemberg verglichen zu sein, und öffnete ihm seine Feste Gutenstein (Burgfelden), die Lehen von Österreich war. Von 1398 bis 1427 hatten die Herren Hans und Marquard von Ramsperg (vgl. dazu: Burg Ramsberg (Großschönach)) die Pfandherrschaft Gutenstein inne. Von 1427 bis 1455 wurden Ort und Burg Gutenstein sowie die Herrschaft Gutenstein – neben Gutenstein gehörte damals noch Engelswies (jetzt Teilort von Inzigkofen) dazu – an die Herren von Zimmern verpfändet. 1455 verzichtete Erzherzog Sigismund von Österreich (vgl. dazu Siegmund (Österreich-Tirol) zu Innsbruck) auf die Auslösung der Pfandschaft (Schloss und Dorf Gutenstein sowie Engelswies), solange der Mannesstamm der Brüder Werner und Gottfried von Zimmern bestand. 1458 gab Herzog Sigismund von Österreich zu Radolfzell an Werner von Zimmern zu dem Pfande Gutenstein, zu dem der Wildbann diesseits der Donau bis an das Mühlheimer Tal gehörte, auch die andere Hälfte. Solange die Pfandschaft dauerte, durften er und seine Erben in diesem Bezirk jagen. Der Gutensteiner Pfarrherr Gregor Spätt (ca. 1480–1537) legte 1513 ein Pfarrurbar an, das für Gutenstein und Vilsingen (damals kirchliche Filiale von Gutenstein) über die Verzeichnung von Getreideeinkünften, Zinsen und Abgaben der Pfarrei hinaus eine hohe geschichtliche Bedeutung darstellt. Nach dem Tod des letzten Grafen von Zimmern, Wilhelm von Zimmern, im Jahr 1594 fiel die Pfandschaft Gutenstein an Österreich zurück; danach gehörte das Dorf zur oberen Grafschaft der Hohenberg (schwäbisches Adelsgeschlecht). Neben dem bereits seit dem 14. Jahrhundert mit Gutenstein verbundenen Engelswies kamen 1595 auch Ablach und Altheim zur Herrschaft Gutenstein.
Von 1609 bis 1618 verlieh Österreich die Herrschaft Gutenstein an Markgraf Karl von Burgau (1560–1618), der in Günzburg residierte. 1624 wurde Fürst Johann von Hohenzollern-Sigmaringen Pfandherr von Gutenstein. Während des Dreißigjährigen Kriegs – Gutenstein blieb während dieser Zeit bei Hohenzollern-Sigmaringen – wurden 104 Männer aus der Herrschaft Gutenstein als Musketiere aufgestellt, die unter der Führung des Hauptmanns Andreas Riester, des Leutnants Urban Mors und des Feldwebels (Veldwaibels) Wilhelm Barfüeßer standen. Ein „Trummenschlager und ein Pfeiffer“ vervollständigten das Aufgebot, während 68 Doppelsöldner die Reserve bildeten. Am 15. Februar 1632 kam es um 24 Uhr zu Kämpfen und Plünderungen in Meßstetten unter dem Obervogt zu Gutenstein. Mehrere Meßstetter Bürger wurden tödlich verwundet. Laut mündlicher Überlieferung wurden die Glocken vom Kirchturm abgenommen und nach Schwenningen abtransportiert. 1652 wurde Graf Maximilian von Mohr Pfandherr der Herrschaft Gutenstein. Von 1655 bis 1834 erhielten die Freiherren Schenk von Castell (ursprünglich aus dem Thurgau, Burg Mammertshofen, stammend) die Herrschaft Gutenstein als Pfand. Im selben Jahr erhob Kaiser Leopold I. von Österreich die Freiherren Schenk von Castell wegen ihrer „Verdienste um Kaiser und Reich“ in den erblichen Reichsgrafenstand. Im 18. Jahrhundert wurde den Grafen Schenk von Castell die Herrschaft Gutenstein als Lehen übertragen. Berühmtester Lehnsherr aus dem Hause Schenk von Castell war Franz Ludwig Reichsgraf Schenk von Castell, der berühmte und berüchtigte Malefizschenk. Bereits nach dem Zweiten Koalitionskrieg erzwang Napoleon den Untergang von Vorderösterreich, was tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen zur Folge hatte. Anstelle der kleinen herrschaftlichen Territorien entstanden neue Staatsgebilde wie das Großherzogtum Baden, das Königreich Württemberg und das Fürstentum Hohenzollern.