Reymar von Wedel (* 15. April 1926 in Belgard/Pommern; † 15. Januar 2023 in Kleinmachnow) war ein deutscher Jurist und Autor. Er wirkte zunächst als Kirchenjurist und Konsistorialrat in Berlin (West), später als niedergelassener Rechtsanwalt und Notar. Er engagierte sich besonders im Freikauf von Häftlingen aus der DDR.

Leben und Wirken Reymar von Wedel war ein Sohn des aus Estland stammenden Luftwaffenoberst Hasso von Wedel (1893–1945), Kampfflieger in beiden Weltkriegen und Autor von Die estländische Ritterschaft, vornehmlich zwischen 1710 und 1783 (Königsberg Pr., 1935), eines Bruders von Heima von Wedel. Wedels Mutter war Elisabeth von Wedel geb. von Witzleben (1893–1975), eine Schwester des späteren Bundessprechers der Landsmannschaft Westpreußen, Erik von Witzleben, auf dessen westpreußischem Gut Witzleben Reymar von Wedel einen Gutteil seiner Kindheit verbrachte.

Wedel begann nach einem Besuch des Internats Roßleben und einer Teilnahme am Zweiten Weltkrieg, aus dem er als Schwerkriegsbeschädigter heimkehrte, zunächst ein Studium der Theologie, wechselte aber dann zu einer juristischen Ausbildung. Nach dem Assessorexamen begann er seine Berufslaufbahn 1952 als Referendar im Konsistorium der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg in Berlin (West). Anfänglich mit Personalaufgaben betraut, übernahm er auch aus Berlin (West) heraus Aufgaben für den damaligen Propst für Brandenburg Kurt Scharf, dessen Wohnsitz sich in Berlin (Ost) befand. Scharf erwirkte, dass Wedel neben seiner Tätigkeit als Kirchenbeamter auch als Rechtsanwalt tätig sein konnte. Ab 1954 war Wedel juristisches Mitglied des Konsistoriums. Als Konsistorialassessor war er u. a. Mitglied des Kuratoriums für den Wiederaufbau der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche im Berliner Hansaviertel, die am 30. Juni 1957 als kirchlicher Beitrag zur Internationalen Bauausstellung in Berlin eingeweiht wurde.Die neue Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche, abgerufen am 10. August 2026 (PDF; 4,5 MB).

Als Kurt Scharf im Frühjahr 1961 zum Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt wurde, ernannte dieser Wedel zu seinem persönlichen Referenten. Nachdem Scharf nach der Errichtung der Berliner Mauer 1961 nach einer Sitzung in Berlin (West) die Wiedereinreise in die DDR verweigert wurde, intensivierte sich die Zusammenarbeit. Wedel besorgte sich mit der Anmeldung eines Wohnsitzes in Stuttgart einen Reisepass der Bundesrepublik Deutschland, mit dem – anders als für Bürger von Berlin (West) - eine tägliche Einreise nach Berlin (Ost) möglich war. So übernahm Wedel Kurier- und Botendienste, hielt Verbindungen zwischen den nun getrennten Kirchenleitungen in Ost und West aufrecht und baute eigene Kontakte zur Behandlung juristischer Fragen zwischen Berlin (West), der Bundesrepublik Deutschland sowie Berlin (Ost) und der DDR. 1962 entstand so der Kontakt zum DDR-Anwalt Wolfgang Vogel, mit dessen Vermittlung zahlreiche kirchliche und politische Häftlinge aus der DDR freigekauft werden konnten, was zum Schwerpunkt der Arbeit Wedels wurde. Darüber hinaus übernahm Wedel Mandate in eigenem Namen zu grenzüberschreitenden Grundstücks- und Devisenfragenfragen, Familienzusammenführungen oder Erbangelegenheiten. Zur Bearbeitung der vielen Anfragen hielt er eine wöchentliche Sprechstunde im Büro von Wolfgang Vogels Ost-Berliner Büro. Neben persönlichen Straf- und Zivilangelegenheiten vermittelte Wedel auch westliche Sach- und Geldunterstützung für diakonische Einrichtungen in der DDR.

Um sich vermehrt auch zivilrechtlicher Fälle widmen zu können, schied Wedel zum 31. Dezember 1969 aus dem Konsistorium aus und gründete eine eigene Anwalts- und Notariatskanzlei in Berlin (West). Daneben war er auch weiterhin mit einem Justitiarvertrag im kirchlichen Auftrag tätig. Nach dem Abschluss der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa 1975, dessen Schlussakte auch die DDR unterzeichnete, war Wedel auch vermehrt mit Fällen von Ausreiseanträgen, Familienzusammenführungen, Sorge- und Unterhaltsfragen beschäftigt.

Wedel war seit 1947 verheiratet mit Gisela von Wedel geb. Härtl und hatte fünf Kinder.

Aktives Kirchenmitglied Wedel war aktives Kirchenmitglied in der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Dahlem, engagierte sich dort als Kirchenältester, Lektor und in Gesprächskreisen und übernahm darüber hinaus viele Aufgaben und Ämter in der Gesamtkirche. 2006 vertrat er eine Verfassungsklage gegen das Land Berlin zur Einführung eines verpflichtenden Schulfachs „Ethik“.Beschluss vom 14. Juli 2006. Bundesverfassungsgericht, abgerufen am 13. August 2026. Nach der Abweisung der Klage beteiligte sich Wedel aktiv an dem Zustandekommen des Volksentscheides Pro Reli im Land Berlin zur Aufwertung des Religionsunterrichtes an öffentlichen Schulen. Um das Andenken an den 1990 verstorbenen Bischof Scharf aufrechtzuerhalten, engagierte Wedel sich für die Umbenennung der Treitschkestraße in Berlin-Steglitz in Bischof-Scharf Straße. Alle gegen Treitschke: Patmos-Gemeinde diskutierte mit Anwohnern über Straßenumbenennung. In: Stadtrand-Nachrichten vom 2. November 2012

Im Ruhestand Wedel verbrachte seinen Ruhestand in einer Senioreneinrichtung in Kleinmachnow. Mit dem Erlös eines Immobilienverkaufes gründete er 2016 – bereits 90-jährig – die Stiftung „Hilfe für inhaftierte Christen – in memoriam Kurt Scharf e.V“, die sich der Unterstützung und Hilfe für inhaftierte und verfolgte Christen in aller Welt widmet. In der Stiftung arbeiten auch seine Tochter Juliane und sein Sohn Caspar mit.Christen zur Seite stehen. In: Weltblick – Magazin der Berliner Mission. Ausgabe 1/2018. Berliner Missionswerk Berlin 2018 S. 29

Reymar von Wedel verstarb in Kleinmachnow am 15. Januar 2023 im Alter von 96 Jahren. Die Trauerfeier fand am 14. Februar 2023 in der Dahlemer St.-Annenkirche, die Beisetzung auf dem Friedhof Dahlem statt.

Literatur Karl-Heinrich Lütcke: Ein Kämpfer für Menschen in Not. In: Die Kirche – Evangelische Wochenzeitung Ausgabe 5/2023, Berlin 2023 Harald Tischer, Helmut Ruppel: Reymar von Wedel – 1926–2023 – Zum Gedenken. In: Gemeinde in Dahlem. Nachrichten der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Dahlem Ausgabe April | Mai | Juni 2023 S. 18 Berlin 2013

Veröffentlichungen (Auswahl) Erb- und Devisenrecht bei innerdeutschen Rechtsbeziehungen, in: Neue Juristische Wochenschrift 1984, S. 713–714 Als Kirchenanwalt durch die Mauer. Wichern-Verlag, Berlin 1994 Kurt Scharf – Kämpfer und Versöhner. Wichern-Verlag (Herstellung), Berlin 2010 Rechtshilfe zwischen Ost und West. In: Berliner Anwaltsblatt 11/2014 S. 349/350 Die evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg und die Mauer. Berlin: Wichern 2015.

Einzelnachweise

Kategorie:Jurist im Kirchendienst Kategorie:Person des Christentums (Deutschland) Kategorie:Person (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz) Kategorie:Rechtsanwalt (Deutschland) Reymar Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1926 Kategorie:Gestorben 2023 Kategorie:Mann