Das verhexte Haus (Originaltitel: The Man Who Could Not Shudder) ist ein 1940 von John Dickson Carr veröffentlichter Kriminalroman. Es ist der 12. Roman der Reihe um Dr. Gideon Fell. Anders als viele Werke der Reihe handelt der Roman nicht von einem Mord in einem verschlossenen Raum.

Inhaltsangabe Das Buch wird erzählt von Robert „Bob“ Morrison, der die Bekanntschaft eines reichen Kaufmanns namens Martin Clarke macht. Während eines Aufenthaltes in einer Bar überhören beide ein Gespräch über ein Spukhaus in der Nähe von Southend-on-Sea, das Haus Longwood. Sie erfahren von der bekanntesten Spukgeschichte des Hauses, als dort 1920 der alte Diener des Hauses von einem Kronleuchter erschlagen wurde, wobei die Spurenlage so verstanden wurde, dass dieser auf einen Stuhl kletterte, sich an den Kronleuchter hängt und daran schwang, bis dieser auf ihn herabstürzte. Fasziniert davon entscheidet sich Clarke, das Haus zu kaufen. Der Erzähler empfiehlt ihm den Architekten Andrew Hunter, der das Haus überprüfen soll.

Kurz darauf sucht Clarke Morrison und dessen Verlobte Tess Fraser in deren Wohnung auf, um sie zu einer „Gespenster-Party“ einzuladen. Er möchte eine Reihe von Menschen in das Spukhaus einladen, um deren Reaktionen zu beobachten. Zu den Eingeladenen gehören eine Reihe von ausgewählten Stereotypen, darunter der Erzähler als phantasievoller Künstler, Tess als praktische Geschäftsfrau, eine Gwyneth Logan als besonders nervöser Mensch und ihr 30 Jahre älteren Ehemann Mr. Logan als skeptischer Geschäftsmann, der Architekt Andrew Hunter als Wissenschaftler und der Anwalt Julian Enderby als nüchterner Tatsachenfreund.

Als besagte Party mehr als ein Jahr später stattfindet, ist Mr. Enderby einen Tag verspätet, sodass der Erzähler und Tess als letzte im Haus eintreffen. Beim Betreten des Hauses sorgt Tess für Unruhe, als sie berichtet, von einer unsichtbaren Hand am Knöchel gepackt worden zu sein, was Clarke als eine der typischen Geistergeschichten des Hauses quittiert und im Rahmen einer Führung des Hauses weitere Geschichten erzählt. Er präsentiert den Gästen stolz seine Pistolensammlung, die über dem Kamin in dem temporären Arbeitszimmer von Mr. Logan hängt, sowie ein verschlossenes Triptychon.

Beim Zubettgehen bemerkt der Erzähler, wie Clarke Gwyneth Logan etwas zusteckt. Als er später in der Nacht ein Geräusch hört und hinuntergeht, findet er Gwyneth dort, die aus besagtem Arbeitszimmer kommt. Ihr Mann bedroht beide mit einem Revolver und verdächtigt den Erzähler, der heimliche Liebhaber seiner Frau zu sein, den sie seit einigen Monaten treffe. Der Erzähler verteidigt sich und Gwyneth, wird dabei aber von Tess belauscht.

Am nächsten Morgen ist der Gastgeber unauffindbar. Während der Erzähler und Andrew Hunter Billard spielen, fällt im Arbeitszimmer ein Schuss. Die Anwesenden finden dort die schockierte Gwyneth Logan neben ihrem toten Mann, sein abgefeuerter Revolver neben dem Kamin. Sie gibt an, der Revolver habe sich von selbst in die Luft gehoben und dort auf ihren Mann gefeuert. Zeitgleich war der Anwalt Julian Enderby im Haus eingetroffen, gibt aber an, nichts gesehen zu haben.

Inspektor Elliott und Dr. Gideon Fell treffen ein, nachdem sie bereits am Vorabend heimlich ein Telegramm an die Polizei schickte. Dies tat sie, da sie erfuhr, dass der Keller des Hauses mit Benzin und Stroh gefüllt ist. Clarke erklärt dies mit Vorräten für eine bevorstehende Krise.

Es stellt sich heraus, dass Clarke am Vorabend Gwyneth den Schlüssel zum Triptychon gab, welches sie in der Nacht öffnen wollte. Zudem wird Julian Enderby überführt, heimlich aus Neugier in das Arbeitszimmer geschaut zu haben, er bestätigt jedoch die Aussage von Gwyneth. Ein Geheimgang hinter dem Kamin wird nicht gefunden, Dr. Fell stellt aber fest, dass der verwendete Revolver nicht nur mit der ursprünglich in der Sammlung befindlichen Pistole ausgewechselt wurde, er kann auch so gespannt werden, dass er mit der kleinsten Berührung feuert. Die Schreibmaschine im Büro war so platziert, dass der Schuss Logan treffen würde.

Im Verlauf des Tages beginnt eine seit Jahrhunderten stehengebliebene Standuhr wieder zu ticken und in der Nacht vernehmen die Gäste das Schwingen des Kronleuchters, gefolgt von dessen Absturz. Der Kronleuchter erwischte Andrew Hunter, jedoch nicht tödlich, sodass dieser bewusstlos ins Krankenhaus gebracht wird.

Dr. Fell deckt die Geschehnisse am Folgetag vermeintlich auf. Die Geisterhand, die Tess am Knöchel packte, hatte diese erfunden, um Clarkes Glaubhaftigkeit zu testen. Als dieser einen angeblich bekannten Geist bekräftigte, wusste sie, dass er log. Die Standuhr, der Kronleuchter und auch der Schuss hingegen werden durch den gleichen Mechanismus bewerkstelligt, nämlich versteckte Elektromagneten im Haus, die durch verborgene Schalter aktiviert werden können. Der Kronleuchter wurde damit zum Schwingen gebracht, was sowohl Hunter als auch der Diener unterbinden wollten, woraufhin sie stürzten, sich am Kronleuchter festhielten und dieser auf sie stürzte. Auf diesem Wege wurde auch der metallene Revolver abgefeuert und das metallene Pendel der Standuhr bewegt. Clarke gesteht, sich mit Gwyneth Logan getroffen zu haben, woraufhin Inspektor Elliot ihn des Mordes bezichtigt. Überraschend enthüllt Clarke jedoch, dass er zur Tatzeit ein wasserdichtes Alibi hat, sodass er den Schalter zur Waffe nicht hätte betätigen können. Während die Gruppe im Garten sitzt, brennt das Haus plötzlich nieder.

Erst zwei Jahre später erfahren Morrison und Tess die Wahrheit von Dr. Fell: Andrew Hunter war in Wahrheit die Affäre von Gwyneth Logan und wollte daher ihren Mann töten. Clarke erkannte dies und nutzte es aus, da er Logan ebenfalls aus dem Weg räumen wollte. Dies – wie auch die Irreführung der Polizei – tat er nur aus Eitelkeit, um sich der Polizei überlegen zu zeigen. Clarke ließ Hunter bewusst die Pläne des Hauses und die Elektromagneten zukommen, damit dieser Logan tötete. Hunter hatte Fell dies nach seiner Genesung gestanden. Allerdings hatte nicht Hunter beim Billardspielen den Hebel betätigt, sondern der Erzähler, als dieser auf den verborgenen Mechanismus im Boden trat. Um ihn zu beschützen, setzte Fell das Haus in Brand. Clarke stirbt bei einem Schiffsunglück im gleichen Jahr.

Bezug zu anderen Werken Inspektor Elliot von Scotland Yard taucht in diesem Roman als übereifriger Ermittler neben Dr. Fell auf. Er hat auch in anderen Werken Carrs Auftritte in dieser Funktion, darunter Die Tür im Schott oder Die grüne Kapsel. Der Erzähler Bob Morrison hat hingegen keine Auftritte in anderen Werken.

In seinem bekanntesten Werk, Der verschlossene Raum, lässt Carr den Detektiv Dr. Gideon Fell einen vielzitierten Vortrag über den verschlossenen Raum als Typus der Kriminalliteratur halten. Trotz anderer Umstände des Verbrechens lassen sich klare Bezüge zu dem 5 Jahre später erschienenen Roman herstellen:„Es ist Mord, der durch eine mechanische Vorrichtung bewerkstelligt wird, die bereits vorher in dem Raum installiert wurde und unentdeckt in einem unschuldig aussehenden Möbelstück verborgen ist.“

Kritiken Das Buch wurde von der zeitgenössischen Kritik für sein ungewöhnliches Setting in einem Spukhaus gelobt, die mechanische Auflösung des Verbrechens dagegen als eher schwach und ein wenig enttäuschend bezeichnet. Auch der Charakter des Martin Clarke erfuhr positiven Zuspruch, die Identität des Mörders wurde als sehr überraschend betitelt.

Ausgaben The Man Who Could Not Shudder. London: Hamisch Hamilton; New York: Harper 1940 deutsche Übersetzungen

Das verhexte Haus. Aus dem Amerik. von Ursula von Wiese. Frankfurt/M.: Ullstein 1965

Literatur Roland Lacourbe, John Dickson Carr: scribe du miracle. Inventaire d'une œuvre, Amiens, Encrage, 1997, S. 55.

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (Vereinigte Staaten) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Kriminalliteratur

Einzelnachweise