Klaus Walter Herdeg (* 4. März 1937 in Paris; † 21. Februar 2009 in New York City) war ein Schweizer Architekt, Professor und Autor.

Herkunft Klaus Herdeg war der älteste Sohn des Schweizer Fotografen Hugo Paul Herdeg (1909–1953), der 1932 seinem Bruder Walter nach Paris gefolgt war. Dort verkehrte er im Kreis von berühmten Künstlern (u. a. Pablo Picasso, Georges Braque, Fernand Léger) und Architekten und hatte eine Festanstellung im Musée de l’Homme. 1939 kehrte er wegen Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in die Schweiz zurück. 1942 wurde der zweite Sohn, Christian, geboren.

Werdegang

Klaus Herdeg besuchte Waldorfschulen in der Schweiz und in England. Von 1953 bis 1966 war er als Praktikant, Entwerfer und Projektleiter in verschiedenen Büros in der Schweiz, in England und in den USA tätig. Er schloss sein Architekturstudium 1963 an der Cornell University mit dem Bachelor (B.Arch ’63) und 1964 mit dem Master of Architecture and Urban Design (MAUD ’64) der Harvard Graduate School of Design ab und war Mitglied des Schweizerischeren Ingenieur- und Architektenvereins. Anmerkung Das Material zu seinen Arbeiten außerhalb des akademischen Bereichs (u. a. zu diversen Wettbewerben, eine Analyse kleiner Vororte um Zürich und Pläne für das Doppelstudio des expressionistischen Maler Friedel Dzubas) befindet sich im Archiv der Columbia University, Series IV.) mini|hochkant=0.8|Stufenbrunnen beim Sun Tempel in Modhera, Gujarat, 1967 von Herdeg erforscht 1965 erhielt er das Robert-James-Eidlitz-Reisestipendium der Cornell University. In seinem Stipendienantrag schrieb Herdeg, er wolle nach Indien reisen, um dort Forschungen zu Le Corbusiers Chandigarh durchzuführen; stattdessen, vermutlich unter dem Einfluss von Balkrishna Vithaldas Doshi, widmete er sich dann drei Monate lang einer eingehenden Untersuchung der hinduistischen und islamischen Architektur im Nordwesten Indiens. und Bauaufnahmezeichnungen von acht öffentlichen Gebäuden und Anlagen erstellen, um deren formale und räumliche Strukturprinzipien zu erläutern und zu bestimmen (Beispiel: Hoshang’s Mausoleum in ManduHoshang’s Mausoleum in Mandu, oder der Sun Temple Daraus entstand 1967 mit Unterstützung der Columbia University und der Rhode Island School of Design eine Wanderausstellung sowie eine Portfolio-Kassette mit 700 limitierten Exemplaren. Unter dem Titel „Formal Structure in Indian Architecture“ wurde diese Arbeit 1990 bei Rizzoli, New York als Buch veröffentlicht.

1966 begann Herdeg seine Tätigkeit als Professor am College of Architecture, Art and Planning der Cornell University. Dort erlebte eine Zeit der Unruhen, die ihren Höhepunkt in der Kreuzverbrennung vor dem Wari-Studentenwohnheim, der anschließenden Besetzung der Willard Straight Hall durch Mitglieder der Afro-American Society im Jahr 1969 und der mutmaßlichen Brandstiftung am Africana Studies and Research Center im Jahr 1970 fand. Im gleichen Jahr erhielt er die Zulassung als lizenzierter Architekt im Bundesstaat New York. mini|hochkant=0.8|Herbert F. Johnson Museum of Art, Südansicht, Cornell University (2019) Als Reaktion auf die Entlassung von vier Assistenzprofessoren (Alan Chimacoff, Fred Koetter, Jerry Wells und Roger Sherwood) durch den damaligen Dekan Oswald Mathias Ungers aus ideologischen Gründen kündigte Herdeg seine Professorenstelle und wurde 1973 von Dekan James Polshek an die Graduate School of Architecture Planning and Preservation (GSAPP) der Columbia University berufen.

Im Mai desselben Jahres war in „The Cornell Daily Sun“ eine Kritik über das von I.M. Pei entworfene Herbert F. Johnson Museum of Art zu lesen. Die Autoren waren die beiden Cornell Professoren Alan Chimacoff und Klaus Herdeg: Es ist die totemartige Unverhältnismäßigkeit des Gebäudes, die die Menschen dazu veranlasst hat, es mal als gigantischen Thron, mal als monumentalen Altar, mal als kolossales chinesisches Schriftzeichen oder als Spielzeug eines Riesen zu betrachten, das aus dem Arts Quad herausgestürzt ist … und wenn das Johnson Museum zwar totemartig ist, aber keine entsprechende Bedeutung besitzt, dann ist sein Anschein von Macht ein leerer. Mit anderen Worten: Das Fehlen von Bedeutung führt dazu, dass die Symbolik der Macht unverantwortlich eingesetzt wird. Die Frage, ob es angemessen ist, ein Museum als Symbol der Macht zu nutzen, gehört natürlich in eine andere Kategorie von Überlegungen.

1974 brachte er zusammen mit Michel Dennis die Broschüre „Urban Precedents“ heraus, eine von Studenten erarbeitete Sammlung von 36 Schwarzplänen von europäischen Städten, bedeutenden historischen Gebäuden und drei amerikanischen Campusanlagen. mini|hochkant=0.8|Karawanserei I-Gulshan in Isfahan (Schwarzplan) Im gleichen Jahr wurde Herdeg von der Landmarks Conservancy als Berater für ein Projekt zur Erhaltung und Umnutzung des Federal Office Building, New York, auch bekannt als Federal Archive Building, in Greenwich Village ausgewählt. Seine Arbeit für das Projekt wurde später, im Jahr 1976, in einem Buch mit dem Titel „Working Paper 1: Creative Analysis for the Reprogramming of Landmarks“ veröffentlicht.

Vor Beginn seiner Lehrtätigkeit an der Columbia University, hielt er Vorträge an verschiedenen Universitäten (Princeton, MIT, RISD und an der ETH Zürich) und reiste 1975 mit Mitteln aus dem Wheelwright-Preis der Harvard Graduate School of Design in den Iran und das heutige Usbekistan. Herdegs Arbeit im Nahen Osten und in der ehemaligen Sowjetunion über Islamische Architektur wurde in einer weiteren Wanderausstellung gezeigt und erschien 1990 unter dem Titel „Formal Structure in Islamic Architecture of Iran and Turkistan“. mini|hochkant=0.8|Dongguang-Gebäude, Jiefangnan Lu 327 (ehem. Wilhelmstrasse) der Deutschen Konzession im Hexi Distrikt, Tianjin (2012) An der Columbia University unterrichtete Herdeg in verschiedenen Entwurfsklassen sowie in Kursen zur indischen und islamischen Architektur. Außerdem initiierte er ein Austauschprogramm für Studierende mit der Tianjin-Universität, das 1982 ins Leben gerufen wurde. Das Programm ging auf eine unaufgeforderte Die Idee eines architektonischen Austauschs zwischen den beiden Hochschulen ging auf Einladung zurück, die Dekan Polshek von der Universität Tianjin erhalten hatte. Polshek übertrug die Verantwortung für die Entwicklung und Organisation des Programms an Herdeg, der 1980 im Rahmen einer vom Agha Khan geleiteten Expedition nach Kaschgar und zu anderen Orten auf dem chinesischen Festland gereist war. Durch diese Reisen, die vom Asian Cultural Council unterstützt wurden, entwickelte Herdeg nach der Indischen und der Islamischen Architektur ein Interesse an der Chinesischen Architektur der Konzessionszeit. Aus dieser Epoche fertigte eine Reihe großformatiger Zeichnungen bedeutender Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert in Tianjin an. mini|hochkant=0.8|"Die Geschmückte Formel" (DAM Frankfurt) 1984 wurde Herdeg zum Vorsitzenden des Fachbereichs Architektur an der Columbia University ernannt. Ein Jahr zuvor erschien das Buch „The Decorated Diagram“ (deutsch: „Die Geschmückte Formel“), in dem er die von Gropius etablierte Lehrmethode verurteilte und an die Kritik einer abstrakt-banalen Moderne anknüpfte, wie er sie bereits 10 Jahre zuvor beim Herbert F. Johnson Museum geäußert hatte: Wie Schuppen fällt es einem von den Augen, bei dem Vergleich von Corbusiers Erazurriz Haus (1930) und Breuers Ausstellungshaus (1949) im Museum of Modern ArtInstallation view of the exhibition "The House in the Museum Garden". Beide mit Schmetterlingsdächern ausgestattet, offenbart sich das eine als originäre dreidimensonale schöpferische Leistung aus der Konfrontation von abstrakter Form und handwerklichem Architekturverständnis (Corbusier), das andere als epigonale Zeitgeistkonformität auf der Basis eines effizienten Grundrissdiagramms aufgeladen mit modernen Referenzen. Durch diesen analytisch-typologischen Filter werden gefeierte Werke bedeutender Architekten geschickt, um, wie im Falle I.M. Pei’s Johnson Museum, bis ins Detail als banale Totems entlarvt zu werden, deren Versprechung unerfüllt bleibt. (Auszug, Buchbesprechung in Der Architekt Heft 3/1987)

„Öffentliche und private Gebäude in Islamischen Städten“ wurden im Jahr 1987 in einer Fotoausstellung von Herdegs Reisen in der Avery Hall gezeigt. Im Sommer 1989 kehrte Herdeg mit seinen New Yorker Architekturstudenten an die bedeutendsten Orte in Zentralasien zurück, die er 1975 für seine Forschung über die „Formalen Strukturen in der Islamischen Architektur des Iran und Turkestans“ aufgesucht hatte.

Im Herbst 1993 veranstaltete die Arthur Ross Architecture Gallery in der Buell Hall der Columbia University eine Ausstellung über Herdegs Vater, den in den USA wenig beachteten Schweizer Fotografen, Hugo Herdeg.

Klaus W. Herdeg starb am 21. Februar 2009 in New York City nach langer Krankheit. Er hinterließ drei Söhne Kenneth, John Paul and Kay Herdeg.

Posthum fand im Jahr 2011 eine Ausstellung im "Center for Architecture" im AIA New York statt, über historischen Stufenbrunnen – Wassersammelsysteme und kulturelle Treffpunkte – die Herdeg als Erster im Rahmen seiner Forschungsarbeit "Formal Structures in Indian Architechture" (1967) als Denkmäler von architektonischer Bedeutung erkannt hatte.

Publikationen

Weblinks

Klaus Herdeg: The Decorated Diagram, Buildings: Design Confusion and its Results, in: Assembled Pages, Chapter 2 (S. 36–38), Jeremy Kargon (englisch) Catherine MacKenzie: Review of Klaus Herdeg, The Decorated Diagram, The MIT Press, 1983, in: RACAR, Revue d'art canadienne / Canadian Art Review, 13 (1), 81–83 (englisch) Klaus Herdeg: Formal Structure in Islamic Architecture of Iran and Turkistan, in: Rizzoli International Publications, New York, 1990, Complete Edition in: Internet Archive (englisch) Gilles Tillotson: Review of Klaus Herdeg: Formal structure in Indian architecture. 53 pp. New York: Rizzoli International Publications Inc. 1991, in: Bulletin of SOAS, Cambridge University Press: 5 February 2009 (englisch) J.M. Rogers: Klaus Herdeg: Formal structure in Islamic architecture of Iran and Turkistan. 71 pp. Rizzoli International Publications Inc. 1990, in: Bulletin of SOAS, Cambridge University Press: 5 February 2009 (englisch) Avery Architectural and Fine Arts Library: Klaus Herdeg papers 10491160, in: ArchivesSpace, 12 November, 2025 (englisch)

Einzelnachweise

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