Benedict Wagner, seltener Benedikt Wagner (* 13. Oktober 1704 in Halsbach, heute Ortsteil von Dürrwangen; † 14. April 1794 in EllwangenOrtwin Kelm: Der Hochfürstliche Hof Lauten- und Geigenmacher Benedict Wagner und seine Söhne. Als Buchauszug in: Ellwanger Jahrbuch, Band XL, S. 305–324Das Todesjahr 1796 bei Willibald Leo von Lütgendorff-Leinburg: Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart. ist nicht korrekt und war wohl das Datum der Hausüberschreibung an seinen Sohn Franz Xaver, lateinisiert Xaveri, wie dieser seine Geigen kennzeichnete.), war ein Geigenbauer und Lautenmacher zur Zeit des Barock, er wirkte neben Dürrwangen vor allem in seinem späteren Wohnort in Ellwangen an der Jagst. Er orientierte sich an den italienischen Geiegenbauern seiner Zeit, so an den venezianischen Geigenbauern Gobetti und Deconet, aber auch am Tiroler Geigenbauer Stainer.Ortwin Kelm: Der Hochfürstliche Hof Lauten- und Geigenmacher Benedict Wagner und seine Söhne. Als Buchauszug in: Ellwanger Jahrbuch, Band XL, S. 305–324, hier S. 320
Leben und Werk Wagner kam ca. 1750 nach Ellwangen und erhielt den Titel eines „Hochfürstlichen Hof-Lauten-und Geigenmachers“ der Fürstpropstei Ellwangen, für deren Kapelle er zahlreiche Instrumente fertigte. Er vollzog bei seinen Instrumenten den Übergang von einem hochgewölbten zu einem flachen Korpus.Walter Kolneder: Das Buch der Violine. Bau, Geschichte, Spiel, Pädagogik, Komposition. Schott Music, 2023, S. 165 Seine Instrumente entwickelten sich von eher bauchigen, großen Typen zu flachen, zierlicheren Varianten nach italienischem Vorbild, gelbbraun, dunkelbraun oder rot im Ton, mit hell glänzendem Lack.Willibald Leo von Lütgendorff-Leinburg: Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Verlag von Heinrich Keller, 1922, S. 548 Im Gegensatz zu anderen Geigenbauern bezog Wagner das Holz für seine Instrumente nicht aus Bosnien und dem Alpenraum, sondern, vermutlich aus Kostengründen, aus der Region um Ellwangen und verwendete statt des üblichen Ahornholzes zur Gestaltung der Schnecken vereinzelt auch einheimisches Birnbaumholz. Sehr ungewöhnlich ist sein Einsatz von Reifchen aus Rotbuchenholz an Stelle des sonst gebräuchlichen Fichtenholzes als Verstärkung des inneren Zargenkranzes.Außergewöhnliches Konzert im Schlossmuseum. Schwäbische Post, 7. September 2023 mini|Foto von 1925: Mittig das Palais Adelmann, daneben das ehemalige Wohnhaus der Wagners in Ellwangen, das in drei Generationen von ca. 1750 bis 1833 bewohnt wurde.
Wagner war zwei Mal verheiratet und hatte 14 Kinder. Seinen Söhnen, die das Erwachsenenalter erreichten, vermittelte er sein Handwerk des Instrumentenbaus und das Violinspiel. Sein Sohn Josef (* 1735) wurde Kammermusiker am Hof des Fürstbistums Konstanz, Benedict (* 1745) war Hofgeigenmacher am Schloss Chambéry und Sebastian (* 1749) trat eine Stelle als Hofmusiker und Geigenbauer in Meersburg an, während Franz Xaver (* 1759) als Geigenbauer in Ellwangen blieb und dort wahrscheinlich später das Amt seines Vaters übernahm. Einige unter dem Namen der Söhne erhaltene Wellengeigen stammen wahrscheinlich aus der Werkstatt von Johann Gedler.Josef Focht: Die barocke Welt des Geigenmachers Andreas Resle. Hollitzer Wissenschaftsverlag, 2024, S. 96–97
Rezeption Eine Geige Wagners wurde von Moshe Weinstein angekauft und ist heute Bestandteil der Sammlung Violins of Hope.Kellie D. Brown: The Sound of Hope. Music as Solace, Resistance and Salvation During the Holocaust and World War II. McFarland Publishers, 2020, S. 292The Benedict Wagner Violin (1774), Violins of Hope (abgerufen am 11. August 2026) Seine 1723 gebaute Viola d'amore ist in der Musiksammlung des Historischen Museums Basel ausgestellt.Viola d'amore von Benedict Wagner. Historisches Museum Basel; abgerufen am 11. August 2026. Weitere Geigen und Celli werden in einem der Räume des Schlossmuseums Ellwangen gezeigt. Eine Plakette an seinem ehemaligen Wohnhaus mit Werkstatt zwischen dem Palais Adelmann und der Weinstube Kann erinnert in Ellwangen an ihn.Der hochfürstliche Hoflauten-und Geigenmacher Benedict Wagner aus Ellwangen. Magic Mag: abgerufen am 11. August 2026.
Sowohl in Ellwangen wie auch in Dürrwangen ist eine Straße nach Benedict Wagner benannt.
Literatur Ortwin Kelm und Monika Willand: Der Hochfürstliche HofLauten- und Geigenmacher Benedict Wagner und seine Söhne. Stadler & Stetter, 2010
Weblinks
Wagner, Benedict in Landesarchiv Baden-Württemberg Wellengeige von Benedict Wagner. Kunst und Krempel, Bayerischer Rundfunk, 17. Februar 2018
Einzelnachweise
Kategorie:Geigenbauer Kategorie:Geboren 1704 Kategorie:Gestorben 1794 Kategorie:Mann Kategorie:Lautenbauer