mini|Nordansicht der katholischen Kirche Maria Geburt in Bretzenheim Die römisch-katholische Kirche Maria Geburt ist ein frühklassizistisches, denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Bretzenheim, einer Ortsgemeinde im Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Das Gotteshaus steht unter dem Patrozinium des Marienfestes Mariä Geburt und prägt dank seines mittelalterlichen Glockenturms mit barockem Spindelhelm das Bretzenheimer Ortsbild. Die Kirchengemeinde gehört zur Pfarrei „Guldenbachtal-Langenlonsheim“ im Pastoralen Raum „Bad Kreuznach“ im Bistum Trier.

Geschichte mini|Carl August von Bretzenheim, Auftraggeber des Kirchenneubaus Bereits vor dem Bau der Kirche Maria Geburt gab es in Bretzenheim eine ältere Dorfkirche, die vermutlich kurz nach der Gründung des Ortes errichtet wurde. Infolge der Ungarneinfälle im 10. Jahrhundert hatte sich auch in Bretzenheim eine veränderte Sicherheitslage eingestellt, die das engere Zusammenrücken von zuvor vereinzelten Hofplätzen und Siedlungsstellen zu Dörfern mit Befestigungsanlagen sinnvoll erscheinen ließ. Die erste innerörtliche Kirche stand vermutlich schon am Standort des heutigen Kirchbaus am nordwestlichen Rand des historischen Ortskerns. Ein früherer Standort an anderer Stelle ist in der baulichen Struktur des Bretzenheimer Ortszentrums nicht erkennbar. Die Randlage der Dorfkirche deutet darauf hin, dass sie in Ermangelung eines innerörtlichen Bauplatzes wahrscheinlich später als das Dorf selbst entstand. Für das Jahr 1194 ist erstmals die Existenz einer Kirche am heutigen Ort überliefert, jedoch keine Angaben über den Zeitpunkt ihrer Erbauung oder ihren exakten Standort. Eine Ortsansicht von 1542 zeigt eine nach Osten ausgerichtete Steinkirche am heutigen Standort, dem ehemaligen Hauptzufahrtsweg Bretzenheims.

Nach Einführung der Reformation in Bretzenheim im Jahr 1565 unter den Grafen von Daun-Falkenstein wurden ab 1628 unter Graf Ferdinand Gottfried von Velen wieder katholische Gottesdienste in der Dorfkirche gefeiert. Dies rief zunächst Proteste in der protestantischen Bevölkerung Bretzenheims hervor, die jedoch im November 1651 mit dem Inkrafttreten eines Regulativs zwischen Protestanten und Katholiken beendet werden konnten. Die Bretzenheimer Kirche war fortan eine Simultankirche, die gemeinsam von beiden Konfessionen zur Feier ihrer Gottesdienste genutzt wurde.

mini|Innenraumansicht, Blick zum Altar Die heutige Kirche wurde von 1789 bis 1791 nach Plänen des Mannheimer Bauinspektors Johann Faxlunger im Auftrag von Reichsfürst Carl August von Bretzenheim erbaut. Während Langhaus und Chor der Kirche in frühklassizistischem Stil neu errichtet wurden, blieb der mittelalterliche Glockenturm der Vorgängerkirche erhalten und wurde in den Neubau integriert. Lediglich der alte Spitzhelm des Turmes wurde durch einen barocken Spindelhelm ersetzt. Grund für den Neubau war das gewachsene Repräsentationsbedürfnis des Reichsfürsten. Als westlicher Abschluss des fürstlichen Regierungsviertels wurde die neue Kirche mitten auf der Hauptzufahrtsstraße von Bretzenheim errichtet, sodass der Bereich für den Durchgangsverkehr abgeriegelt wurde. Die Kosten für das Langhaus trug der Fürst von Bretzenheim selbst, während der Turmhelm von der Ortsgemeinde Bretzenheim finanziert wurde und der Chor vom Grafen von Ingelheim, der jahrhundertealte Zehntrechte im Ort innehatte. Die Kirchweihe fand im September 1791 am Tag des Marienfestes Mariä Geburt in Anwesenheit von Fürst Carl August von Bretzenheim statt, das neue Patrozinium der Kirche wurde von ihrem Weihetag abgeleitet.

Auch das neue Gotteshaus diente fortan als Simultankirche. Da die Nutzung von Chor und Sakristei der katholischen Gemeinde vorbehalten blieb, war auf der linken Seite des Langhauses ein Pfarrstuhl aufgestellt, wo der evangelische Pfarrer sich auf seine Gottesdienste vorbereiten konnte. Eine Kanzel und ein Beichtstuhl standen auf der gegenüberliegenden Seite. Mit der Einweihung der evangelischen Friedenskirche in Bretzenheim im Jahr 1954 endete der Status als Simultaneum und die Kirche Maria Geburt ging in den alleinigen Besitz der katholischen Gemeinde über.

Anfang der 1980er-Jahre wurde eine Sanierung des Kirchturms durchgeführt. Dabei wurde der alte Wetterhahn während der Bauarbeiten von der Turmspitze gestohlen. Nachdem bereits ein neuer Hahn für den Turm in Fertigung war, wurde das alte Exemplar von einem Zeitungsreporter an die Kirchengemeinde zurückgegeben. Laut Aussage des Reporters bekam seine Tochter den vergoldeten Hahn von ihrem Freund als Liebesbeweis geschenkt. Sie habe ihn unter ihrem Bett versteckt, wo er den Wetterhahn schließlich wiedergefunden habe. Der alte Hahn hängt heute im Pfarrhaus, während der neue Wetterhahn die Spitze des Kirchturms ziert.

Baubeschreibung mini|Eingangsfassade der Kirche im Südosten Die Kirche Maria Geburt ist eine frühklassizistische Saalkirche, die von Südosten nach Nordwesten ausgerichtet ist. Der mittelalterliche Glockenturm mit barockem Spindelhelm erhebt sich im Norden auf quadratischem Grundriss und ist als Chorflankenturm in den heutigen Kirchenbau integriert. Der Chor im Nordwesten ist dreiseitig geschlossen und grenzt an das einschiffige Langhaus. Jeweils vier große Rundbogenfenster sind unter Blendarkaden in die beiden Seitenwände des Langhauses eingelassen. Eine dorische Pilasterordnung kennzeichnet die Eingangsfassade im Südosten. Das Wappen der Fürsten von Bretzenheim prangt auf dem Giebel über dem Mittelintervall der Fassade. Der Eingang zum Kirchensaal liegt erhöht und kann über mehrere Sandsteinstufen erreicht werden. Über dem Portal gibt ein Giebeldreieck mit der Inschrift „Domus dei aedificata 1791“ (dt.: Das Gotteshaus wurde 1791 erbaut) das Baujahr der Kirche preis.

Ein Mittelgang im Innenraum führt zwischen zwei Bankblöcken zum Altarraum. In seinem Zentrum steht ein aus hellem Stein gefertigter Zelebrationsaltar mit achteckiger Mensa, dessen Unterbau von einer Hundefigur und einer Löwenfigur flankiert wird. An der Chorwand dahinter ist eine barocke Kreuzigungsgruppe angebracht, darunter steht der ebenfalls barocke Hochaltar. Ein als Fürstenloge angelegter Fenstererker befindet sich an der linken Chorwand, darunter steht ein schlichter Ambo. Zwei Nebenaltäre im vorderen Kirchenschiff grenzen den Altarraum seitlich ab, das Taufbecken steht vor dem linken Seitenaltar. Die Wände von Kirchenschiff und Chor sind weiß gestrichen, die Decke ist blau ausgemalt. Alle Fenster weisen eine schlichte Verglasung auf. Die 14 Kreuzwegstationen sind unter den Rundbogenfenstern an den Seitenwänden aufgehängt, auf Konsolen zwischen den Fenstern sind sechs Heiligenfiguren aufgestellt. Ein bauzeitlicher Beichtstuhl steht unter der Orgelempore.

Ausstattung Von der bauzeitlichen Ausstattung der Kirche sind Hochaltar und Altarkreuz, beide Seitenaltäre, die Fürstenloge sowie die Orgel in ihrem ursprünglichen Prospekt erhalten. Das Taufbecken ist noch älter und stammt aus dem Jahr 1740. Weitere bauzeitliche Ausstattungsstücke wurden bei einer Innenrenovierung um 1965 entfernt.

Im Zentrum des barocken Hochaltars steht der goldene Tabernakel. Er wird flankiert von zwei weißen Engelsstatuen mit goldenen Weihrauchfässern, die auch den Altar selbst seitlich begrenzen. Auf dem Unterbau des Hochaltars ist ein Relief des Wappens der Fürsten von Bretzenheim angebracht. Den oberen Abschluss bildet ein liegendes Gotteslamm mit einem goldenen Kreuz. Das Altarkreuz an der Chorwand hinter dem Hochaltar ist Teil einer Kreuzigungsgruppe.

Die barocken Seitenaltäre sind nahezu baugleich und unterscheiden sich hauptsächlich in der präsentierten Heiligenfigur sowie dem Wappenrelief auf ihrem Kopfstück. Auf dem linken Seitenaltar steht eine Herz-Jesu-Statue, sein Relief stellt das Wappen der Fürsten von Bretzenheim dar. Auf dem rechten Seitenaltar steht eine gekrönte Marienfigur mit Jesuskind, sein Relief zeigt das Wappen des Hauses von Oettingen-Spielberg, dem die Gattin von Fürst Carl August entstammte.

Der Fenstererker der Fürstenloge, die sich über der Sakristei befindet, ist für Reichsfürst Carl August von Bretzenheim mit den Initialen „CA“ verziert worden. Die Loge war einst der fürstlichen Familie zum Kirchgang vorbehalten. Heute wird der Raum als Sendezentrale vom Pfarrradio „Studio Nahe“ genutzt.

Die Orgel der Kirche befindet sich in einem barocken Prospekt und wurde 1791 vom kurpfälzischen Hoforgelbauer Andreas Krämer in Heidelberg gebaut.

Glocken Das heutige Geläut aus Gussstahlglocken stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ersetzte drei ältere Glocken mit den Schlagtönen es (große Glocke), c (mittlere Glocke) und b (kleine Glocke). Die große Glocke war 1517 gegossen worden und stammte noch aus der Vorgängerkirche. Die mittlere Glocke von 1790 war eine Schenkung zweier Schwestern von Reichsfürst Carl August von Bretzenheim, der Fürstin Friderica zu Lindau sowie der Reichsgräfin Eleonora von Leiningen, anlässlich des Kirchenneubaus. Lediglich die Herkunft der kleinen Glocke ist nicht überliefert.

Weblinks

Website der Pfarrei Guldenbachtal-Langenlonsheim

Einzelnachweise

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