Jürgen Richter (* 17. Oktober 1941 in Freital) ist ein deutscher Verlagsmanager. Er war Vorstandsvorsitzender von Axel Springer.

Werdegang Richter wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg mit drei Geschwistern in Barntrup auf. Dort war die Familie nach der Enteignung des väterlichen Feinmechanik- und Optikunternehmens in Sachsen durch die sowjetische Militäradministration hingezogen und hatte einen neuen Betrieb gegründet. Der Vater starb 1948.

Richter legte 1961 am Engelbert-Kaempfer-Gymnasium in Lemgo das Abitur ab und leistete anschließend Wehrdienst. Er schlug später eine Karriere als Reserveoffizier ein und war zuletzt Oberleutnant der Reserve bei der Luftwaffe. Von 1964 bis 1968 studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main; er schloss das Studium als Diplom-Kaufmann ab. 1970 wurde er am Frankfurter Institut für Kapitalmarktforschung mit der Dissertation Die Zinssubventionen in der Bundesrepublik Deutschland zum Dr. rer. pol. promoviert.

1970 wurde Richter Assistent des Vorstandsvorsitzenden bei Gruner + Jahr. Daraufhin war er von 1971 bis 1973 kaufmännischer Leiter der Tiefdruckerei G+J, von 1973 bis 1975 Geschäftsführer einer anderen G+J-Beteiligungsfirma, von 1975 bis 1980 Geschäftsführer der Druckfarbenfabriken Huber/Hostmann-Steinberg und dann von 1980 bis 1985 Geschäftsführer der Druck- und Verlagsgruppe E. Gundlach. Anschließend wurde er Geschäftsführer der Medien Union. Zudem sanierte er als Geschäftsführer die Westermann Gruppe, eine Tochter der Medien Union.

Im Mai 1994 wurde Richter in den Vorstand der Axel Springer Verlag AG berufen und übernahm dort das Ressort Zeitungen. Bereits im Juli 1994 stieg er zum Vorstandsvorsitzenden auf. Er zentralisierte den Vorstand, indem er alle wichtigen Ressorts selbst übernahm. Zudem verpasste er den traditionell konservativen Zeitungen des Verlags einen liberaleren Kurs, was zu Konflikten mit Springer-Großaktionär Leo Kirch führte. 1996 wurde er von der Fachzeitschrift Horizont als Medienmann des Jahres ausgezeichnet. 1997 versetzte Richter den stellvertretenden Bild-Chefredakteur Kai Diekmann zum Springer-Auslandsdienst, was zu einem Konflikt mit Chefredakteur Claus Larass führte. Daraufhin entzog Verlegerin Friede Springer Richter das Vertrauen; er trat schließlich im Dezember 1997 von seinem Posten als Vorstandsvorsitzender des Springer-Verlags zurück.

Im Juni 1998 übernahm Richter die Sparte Fachinformationen des C. Bertelsmann Verlags. Er vereinte die Bertelsmann-Beteiligungen unter dem Dach des Springer-Wissenschaftsverlags. Im Juli 2002 schied Richter aus, nachdem Bertelsmann beschlossen hatte, im Zuge des Schuldenabbaus BertelsmannSpringer zu verkaufen. Von 2002 bis 2009 war er als Berater im Investmentbanking der Privatbank Sal. Oppenheim tätig. Ab 2003 war er Mitglied des Vorstands des VEMAG Verlags, einer Beteiligung der Bankiersfamilie Oppenheim. Von 2010 bis 2011 war Richter Geschäftsführer der Lanxess Arena. Er gilt als Vertrauter des Verlegers Christoph Mohn.

Zudem hatte Richter verschiedene Aufsichtsratsmandate inne, unter anderem bei Pixelpark und Lycos Europe. Ab 1997 war er Honorarprofessor an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Richter ist verheiratet und Vater einer Tochter.

Literatur

Einzelnachweise

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