Johannesburg Water SOC Ltd. (kurz: Joburg Water) ist das kommunale Wasserversorgungsunternehmen der südafrikanischen Metropolgemeinde Johannesburg. Es dient der Trinkwasserbereitstellung für alle Einwohner einschließlich gewerblicher Abnehmer und betreibt dafür Wasser- und Abwassernetze sowie zugehörige technische Betriebsstätten. Das Wasser wird vom staatlichen Versorgungsunternehmen Rand Water bezogen. Johannesburg Water hat seinen Hauptsitz in der Harrison Street, im Stadtteil Marshalltown (Johannesburg, Region F).

Unternehmensstruktur Johannesburg Water ist ein Unternehmen der Stadt Johannesburg, die als kommunale Körperschaft die alleinige Anteilseignerin ist. Die Unternehmensleitung wird von einem Team, den Managing Directors, gebildet, die von einem Board of Directors (etwa: Verwaltungsrat) kontrolliert wird, der unmittelbar der Stadt Johannesburg rechenschaftspflichtig ist.Executive Management. www.johannesburgwater.co.za (englisch).

Die Metropolgemeinde City of Johannesburg hatte im Jahre 2022 rund 4,80 Millionen erfasste Einwohner.The Local Government Handbook: South Africa: City of Johannesburg Metropolitan Municipality (JHB). Porträt auf www.localgovernment.co.za (englisch).

Nach Angaben der Stadtverwaltung besteht das kommunale Wasserversorgungsnetz aus 10.957,88 Kilometer Wasserleitungen, die auf dem gesamten Stadtgebiet vorhanden sind. Dazu gehören 33 Wassertürme, zahlreiche andere Wasserspeicher und Pumpstationen für die alltägliche Bereitstellung von Trinkwasser.City of Johannesburg: Johannesburg Water. Kurzbeschreibung auf www.joburg.org.za (englisch).

mini|Wasserturm in Midrand Der Grand Central Water Tower Midrand ist ein markantes und modernes Bauwerk der Johannesburger Wasserversorgung. Von eher historischer Bedeutung ist der aus einer Stahlkonstruktion bestehende Wasserturm von Yeoville im Stadtteil Doornfontein (Harley Street). Zu den großen Wasserspeichern von Johannesburg Water gehören: Braamfischerville Reservoir, Doornkop Reservoir, Fleurhof Reservoir, Meadowlands Reservoir, Roodepoort Deep Reservoir. Insgesamt existieren (Stand 2026) 128 Reservoirs und Wassertürme sowie 10 Netzwerk-Depots.About. Who We Are. Strukturdaten, auf www.johannesburgwater.co.za (englisch).

Johannesburg Water betreibt sechs Kläranlagen (Wastewater treatment works, WWTW) mit einer Gesamtkapazität von 960 Megalitern pro Tag, 38 Abwasserpumpstationen sowie ein Abwasserleitungsnetz mit einer Gesamtlänge von 10.058,03 Kilometern und einer Ausdehnung von Midrand bis Ennerdale.

Herkunft und Verbrauch des Wassers Johannesburg Water bezieht das Wasser vom staatlichen Wasserversorger Rand Water. Johannesburg ist mit 36,8 % (Stand 2023) der größte Abnehmer bei Rand Water. An zweiter Stelle stehen die Metropolgemeinden Ekurhuleni (22,1 %) und Tshwane (18,3 %), beide ebenso in der Provinz Gauteng.Sipho Mosai: Rand Water Infrastructure Development Plan. Präsentation des Entwicklungsplans von Rand Water, 12. September 2023, auf www.parliament.gov.za (englisch, PDF). Die Lieferbeziehungen sind durch eine tägliche Höchstabgabe- bzw. Höchstbezugsmenge reguliert, die auf der Grundlage einer Genehmigung des nationalen Ministeriums Department of Water and Sanitation (DWS) erfolgt. Sie beläuft sich auf ein tägliches Volumen zwischen 1300 und 1400 Megaliter, das jedoch häufig auf der Verbraucherseite nicht eingehalten wird. Die Überschreitungen gefährden die Sicherung erforderlicher Wasserstände in Reservoirs, da die Versorgung geographisch höher liegender Stadtteile von den konstruktionsbedingten Schwerkraftsystemen des Netzes abhängig ist. Zur Stabilisierung der Wasserversorgung sind neben umfangreichen Aufklärungsaktivitäten unter der Bevölkerung weitere Maßnahmen ergriffen worden, mit denen die Beseitigung illegaler Anschlüsse, die Einstellung der Bewässerung öffentlicher Flächen sowie die Erkennung und Reparatur von Leckagen erreicht werden. Nach Einschätzung der Geschäftsleitung liegt der Anteil des nicht in Rechnung gestellten Wasserverbrauchs („Non-revenue water“, NRW) bei Johannesburg Water um das Jahr 2025 bei 44,8 %. Davon entfielen 32,9 % auf technisch bedingte Verluste durch Leckagen und Infrastrukturausfällen. Der Rest beruht auf kommerziell bedingte Verluste wie Abrechnungsmängel sowie illegale Wasserentnahmen.Water challenges faced by Gauteng residents: DWS, Rand Water & CoJ; with Ministry: Rand Water on Johannesburg water disruptions. Bericht der Parlamentarischen Monitoringgruppe vom 19. September 2025, auf www.pmg.org.za (englisch).

Bedeutung und planerische Herausforderungen Johannesburg gilt als größte Stadt der Welt ohne nennenswerte eigene Wasserquellen auf ihrem Territorium, jedoch hatte sich parallel zum städtischen Wachstum mit dem Bergbau ein extensiv Wasser verbrauchender Wirtschaftssektor entwickelt. Die Notwendigkeit, eine verlässliche Wasserbereitstellung in Johannesburg zu schaffen, führte 1903 zur Gründung von Rand Water – inzwischen Afrikas größtem Trinkwasserversorger. Dieses wurde im Jahr 2024 von der in Oxford (GB), Austin (US-TX) und Shanghai (PRC) ansässigen Industrieorganisation Global Water Intelligence (GWI) als eines der vier weltweit führenden Unternehmen benannt.Dhesigen Naidoo: Johannesburg’s water crisis clouds Africa’s bold new water vision. In: ISS Today, Institute for Security Studies, Bericht vom 3. März 2026 (englisch).Makone Maja, Anlu Keeve: Gauteng Water Crisis. IRR, Johannesburg 2024, S. 3–4 (PDF).

Die Provinz Gauteng, in der das Ballungszentrum Johannesburg liegt, erlebte seit 2002 einen Bevölkerungszuwachs von 70 % und ist inzwischen die bevölkerungsreichste Provinz des Landes. Internationale und inländische Migranten sehen sie als wichtigste Zielregion: 50,2 % dieses Personenkreises kommen nach Gauteng. Zudem trugen und tragen die umfassenden baulichen Entwicklungen in den Johannesburger Stadtteilen Sandton, Waterfall und Midrand zu einem erheblichen Anstieg des Wasserverbrauchs bei. Ferner schufen die bisherigen (2026) politischen Konstellationen in der Metropolgemeinde City of Johannesburg keine anhaltende Stabilität in den kommunalen Finanzverhältnissen, was das nationale Ministerium Department of Cooperative Governance and Traditional Affairs zur Erarbeitung von dahingehenden Vorschriften veranlasste. Zudem bewirken Korruptionstatbestände ineffektive Entwicklungen beim Umgang mit und Ausbau der Versorgungsinfrastruktur sowie Vertrauensverluste innerhalb der Bevölkerung.

Geschichte Die Bevölkerung bezog anfänglich ihr Trink- und Brauchwasser aus kleinen Wasserläufen (Fordburgspruit und Natalspruit) oder mittels Brunnen aus regionalen Grundwasservorkommen.

Der Anfang einer öffentlichen Wasserversorgung von Johannesburg begann mit einer Konzessionsvergabe im Jahre 1887. Mit der „Sivewright-Konzession“ (benannt nach Sir James Sivewright, der die Doornfontein-Quellen nutzte) an die von ihm gegründete Johannesburg Waterworks and Exploration Company wurde eine organisierte Wasserversorgung in dieser Stadt mit ihrer rasant wachsenden Bevölkerung und dem prosperierenden Bergbausektor auf den Weg gebracht. Der Randlord Barney Barnato übernahm 1889 dieses Unternehmen.

Die wachsende Industriestadt erforderte jedoch eine stetig leistungsfähigere Trinkwasserversorgung, wozu der Vaal-Damm (Vaal Barrage) 1923 in Betrieb genommen wurde. In den 1930er Jahren folgte der Bau des Vaal-Staudamms (Vaal dam), der 1938 fertiggestellt wurde.Rand Water: History of Rand Water. Geschichtlicher Abriss, auf www.randwater.co.za (englisch). Beides sind die wichtigsten Anlagen im „Vaal River system“.

mini|Verwaltungsgebäude von Rand Water Board in Johannesburg Am Witwatersrand hatte sich in der Frühphase weitere private Wasserversorger entwickelt, die Braamfontein Water Company und das Vierfontein Syndicate. Eine öffentlich organisierte Wasserversorgung in Johannesburg begann auf der Basis der Rand Water Board Incorporation Ordinance No 32 of May 1903, auf deren Grundlage das Rand Water Board geschaffen wurde. Bereits im Folgejahr wurden alle Vorhaben zur Wasserversorgung am Witwatersrand zusammengeführt und 1905 erfolgte die Betriebsaufnahme.Matthys A. Dippenaar, Gerrit Burger: Johannesburg: Gold in the Rand, Water from the Land. (= Hydrological Heritage Overview, Bd. 2) Water Research Commission, Gezina (Pretoria) 2015, S. 42–43.

Die Abwasserentsorgung für Johannesburg war 1902 in einem Bericht der städtischen Ingenieurabteilung thematisiert worden. In deren Ergebnis entstand die erste Kläranlage auf der Klipspruit-Farm (heute in Soweto liegend), die im November 1907 den Betrieb aufnahm.

Johannesburg Water SOC Ltd. wurde am 21. November 2000 gegründet und nahm am 1. Januar 2001 als kommunales Unternehmen Johannesburgs den Betrieb auf.Johannesburg water: Who We Are. Kurzbeschreibung auf www.johannesburgwater.co.za (englisch).

Wasserkrise und öffentliche Reaktionen Obwohl das südafrikanische Rechtssystem umfassende sozioökonomische Rechte für alle Bürger garantiert, kam es in Johannesburg und andernorts zu erheblichen Wasserknappheiten, die sich in den 2020er Jahren zuspitzten und zudem für manche Stadtteile mehrtägige bis mehrmonatige Versorgungsunterbrechungen bedeuteten. Es traten auch Probleme mit Abwasserverschmutzungen auf. Die Gesamtlage führte bereits zu zahlreichen Protestaktionen, öffentliche und unabhängige Recherchen sowie zu einer umfassenden kritischen Berichterstattung. Als Ursachen werden sehr unterschiedliche Faktoren aus Natur und Technik sowie kommunale Ausgangsbedingungen gesehen. Ein Grund soll die ineffektive Haushaltsführung der Stadt in Verbindung mit mangelnden Kompetenzen in diesem Handlungsfeld sein. Jedoch handelt es sich nicht um ein isoliertes Problem, denn landesweit sind weitere Städte sowie Dörfer und Gemeinden von jahrelangen Wasserengpässen betroffen. Der Stadtrat von Johannesburg hat nach erheblichem Druck der Öffentlichkeit reagiert. Zweckgebundene Einnahmen, eine verbesserte finanzielle Rechenschaftsberichtspraxis und die Erhöhung der Mittelbereitstellung für Investitionen in den städtischen Versorgungssektor waren Schritte zur Verbesserung der Lage.Josh Silbert: Johannesburg Water Crisis Reveals Shortfalls in Delivering on Socio-Economic Rights. Problemanalyse bei South African Institute of International Affairs (SAIIA), 23. Januar 2025 auf www.saiia.org.za (englisch).

Im Dezember 2024 sammelte die Bürgerorganisation WaterCAN für eine Petition Unterschriften von 4000 Einwohnern und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Damit wurde die Stadt aufgefordert, für Joburg Water eine Erhöhung des Investitionsbudgets von damals 1,2 Milliarden Rand auf 3 Milliarden Rand zu erhöhen. Mit einem Nachtragshaushaltsvorschlag im Februar 2025 wurde eine leichte Erhöhung diesbezüglicher Ausgaben vorgeschlagen. Das Ansinnen scheiterte jedoch in der Ratssitzung an mangelnden Einigungen in der Debatte, sodass dieser Nachtragshaushalt nicht verabschiedet wurde.Johannesburg’s Water Crisis: A Snapshot of South Africa’s Broader Struggles. Beitrag vom 13. März 2025, auf www.joburgetc.com (englisch).

Faktoren im „toxischen Dreieck“ aus ungünstigen Klimaentwicklungen, sozialen Konflikten und Korruption, alles global verbreitete Risiken, gefährden international an vielen Orten die Wasserversorgungssicherheit. Johannesburg zeigt das gesamte Spektrum diesbezüglicher Diagnosen. Der Klimatologe Francois Engelbrecht von der Witwatersrand-Universität (Global Change Institute) vertritt die Auffassung, dass einer der Wendepunkte für Südafrika ein in naher Zukunft bevorstehender „Day Zero“ für Gauteng werden könnte.