mini|Westansicht der katholischen Kirche St. Johannes der Täufer in Ebernburg Die römisch-katholische Filialkirche St. Johannes der Täufer ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Ebernburg, einem Stadtteil von Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Die im Heimatstil errichtete Kirche mit Jugendstilmotiven steht unter dem Patrozinium der Enthauptung von Johannes dem Täufer und prägt neben der Burg Ebernburg sowie der alten Johanneskirche das Ortsbild des Stadtteils. Die Kirchengemeinde gehört zur Pfarrei Hl. Disibod Feilbingert im Dekanat Donnersberg im Bistum Speyer.

Geschichte Die Pfarrei Ebernburg wird erstmals 1212 in Urkunden des Bistums Worms erwähnt. Bereits vor dem Bau der katholischen Kirche St. Johannes der Täufer existierte mit der alten Johanneskirche ein älteres Gotteshaus im Ort. Nach Einführung der Reformation auf der Ebernburg unter Franz von Sickingen wurde die katholische Pfarrei 1558 aufgelöst und eine lutherische Pfarrei im Ort errichtet. Eine Rekatholisierung Ebernburgs nach der Rückkehr der Grafen von Sickingen zum Katholizismus in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts blieb erfolglos. Erst 1689 wurde die Johanneskirche infolge des Pfälzischen Erbfolgekrieges auf Anordnung Ludwigs XIV. zur Simultankirche erklärt, die fortan von Protestanten und Katholiken gemeinsam genutzt wurde. Dieser Status blieb auch nach dem Frieden von Rijswijk 1697 bestehen. Infolgedessen wurde die katholische Pfarrei Ebernburg 1708 als Personalunion mit Norheim wiedererrichtet. Nach ihrer Umwandlung zur Lokalkaplanei 1787 wurde 1803 vom Mainzer Bischof Joseph Ludwig Colmar erstmals ein eigener katholischer Pfarrer für Ebernburg ernannt. Im Jahr 1817 ging die Pfarrei vom Bistum Mainz auf das Bistum Speyer über, zu dem die Kirchengemeinde bis heute gehört. Mit Auflösung des Simultaneums 1901 verblieb die alte Johanneskirche im Besitz der protestantischen Kirchengemeinde. Da auch die bereits 1830 errichtete katholische Kapelle in Ebernburg zu klein für die wachsende Gemeinde war, wurden in den Folgejahren Planungen zum Bau einer katholischen Kirche in Ebernburg angestoßen, die mit der Fertigstellung der „neuen“ Johanneskirche ihren Abschluss fanden. Das Gotteshaus wurde von 1915 bis 1918 im Heimatstil nach den Plänen der Architekten Karl Marschall aus Göllheim und August Greifzu aus Ludwigshafen erbaut. Bei der anschließenden Weihe erhielt die neue Kirche das Patrozinium der Enthauptung von Johannes dem Täufer. Eine grundlegende Renovierung fand 1984 statt.

Baubeschreibung mini|Innenraumansicht mit Blick zum Altar St. Johannes der Täufer ist eine im Heimatstil erbaute Saalkirche, die durch Jugendstilmotive sowie eine Mischung spätgotischer und barocker Formen besticht. Das Langhaus ist einschiffig und von einem Satteldach bedeckt, seine Seitenwände werden beidseitig von jeweils fünf Strebepfeilern gestützt. Am nordwestlichen Ende schließen zwei seitliche Anbauten an das Kirchenschiff an, die als Nebeneingang und Emporenaufgang angelegt wurden. Drei Fensterachsen zwischen den übrigen vier Strebepfeilern durchziehen die Längswände des Schiffes. Sie werden im oberen Wandbereich von großen Rundbogenfenstern ausgebildet, im unteren Bereich hingegen von kleineren, aber stilgleichen Biforien. In der Giebelwand im Nordwesten befindet sich zwischen zwei kleinen Rundbogenfenstern das ehemalige Hauptportal. Der Eingang kann über einen halbrunden Treppenabsatz aus vier Sandsteinstufen erreicht werden. Die hölzerne Kassettentür wird gerahmt von einem dekorativen Sandsteinportal, darüber befindet sich ein großes Rundbogenfenster. Vertikales Gitterwerk aus Sandstein verziert den Ortgang. Im Südosten schließt ein eingezogener Chor mit Fünfachtelschluss das Langhaus ab. Der Glockenturm im Süden ist als Chorflankenturm auf quadratischem Grundriss mit zweifach gekoppelten Klangarkaden und Welscher Haube ausgeführt. Ein kleines Treppentürmchen sowie die Sakristei sind an den Kirchturm angebaut. Der Zutritt zum Kirchenraum ist für Besucher nur noch über den Seiteneingang im Westen möglich, der einstige Haupteingang im Nordwesten wurde inzwischen zugemauert.

Der Innenraum ist von Nordwesten nach Südosten ausgerichtet und bietet Platz für ungefähr 210 Besucher. Ein Rippengewölbe überspannt Kirchenschiff und Chorraum. Der Mittelgang führt zwischen zwei Bankblöcken direkt auf den Altar zu. An den Seitenwänden des Langhauses sind die 14 Bildtafeln des Kreuzwegs aufgehängt. Im Zentrum des leicht erhöhten Chorraums steht ein blockförmiger Zelebrationsaltar aus Sandstein. Ein stilgleicher Ambo befindet sich links vom Altar, an der Chorwand im Südosten ist der vermutlich bauzeitliche Hochaltar aufgestellt. Das Altarretabel wird von zwei Heiligenfiguren flankiert, in die oberen Wandflächen des Chores sind vier farbig verglaste Rundbogenfenster eingelassen. Vom Chorbogen hängt ein großes Altarkreuz herab, das den gekreuzigten Jesus in Lebensgröße als Christus König zeigt. Links und rechts des Chorbogens sind die beiden Seitenaltäre aufgestellt, die ebenfalls aus der Bauzeit der Kirche stammen dürften. Die Orgelempore befindet sich gegenüber dem Chor im Nordwesten und ruht auf zwei massiven Sandsteinsäulen, die mit einer goldenen Inschrift an die in den beiden Weltkriegen gefallenen Bürger Ebernburgs erinnern.

Ausstattung Die bauzeitliche Ausstattung der Johanneskirche ist teilweise erhalten. Besonders hervorzuheben sind die historistischen Holzaltäre mit Goldornamentik, das „Trombacher Gnadenbild“ vor dem ehemaligen Haupteingang sowie die modernen Buntglasfenster im Chorraum.

Der Hochaltar gliedert sich in einen massiven steinernen Stipes und ein hölzernes Retabel, in dessen Zentrum der goldene Tabernakel und ein kleines Kruzifix angeordnet sind. An der Spitze des Altaraufsatzes ist eine Kreuzigungsgruppe angebracht mit Maria und Johannes zu beiden Seiten des gekreuzigten Jesu. Die Reliefs von vier Heiligen zieren die Seiten des Retabels, wobei je zwei Figuren links und rechts des kleinen Kruzifixes angeordnet sind. Auf den Flügeln sind Mönche beim Studium der Heiligen Schrift (links) und der Empfang der heiligen Kommunion (rechts) dargestellt.

Der linke Seitenaltar ist ein Marienaltar. Sein Unterbau ist ebenfalls aus Holz gefertigt und mit einem vergoldeten Lamm-Gottes-Relief verziert. Im Zentrum seines Retabels befindet sich in einer Nische ein gekröntes Standbild der Gottesmutter Maria mit Zepter und dem Jesuskind im Arm, die auf einer blauen Weltkugel steht, um welche sich eine Schlange windet.

Der rechte Seitenaltar ist ein Herz-Jesu-Altar und weist starke Ähnlichkeit zum Marienaltar der Kirche auf. Das vergoldete Relief auf dem Unterbau zeigt einen aufopferungsvollen Pelikan mit seinen Jungen, das Standbild im Retabel ist eine Herz-Jesu-Statue.

Das Gnadenbild „Unserer Lieben Frau von der Trombach“, kurz Trombacher Gnadenbild genannt, steht hinter einem Eisengitter vor dem versiegelten, ehemaligen Haupteingang der Kirche. Bei der Statue handelt es sich um eine Nachbildung der Figurengruppe der „Ohnmächtigen Maria“, die ihrerseits für das stark verehrte „Heilige Kreuz von Mainz“ angefertigt worden war. Die Replik wurde ursprünglich für eine als Gnadenstätte erbaute Kirche „in der Trombach“ in Auftrag gegeben und gelangte nach der Aufgabe der Trombachkapelle im Zuge der Säkularisation 1803 zunächst in die simultan genutzte alte Johanneskirche in Ebernburg. Nach dem Umzug in eine 1830 errichtete katholische Kapelle steht das Gnadenbild seit 1918 in der „neuen“ Johanneskirche. Am heutigen Standort unter der Empore ist die Statue seit der Kirchenrenovierung von 1984 zu finden. Das Bildnis zeigt Maria Magdalena und Johannes, welche die unter dem Kreuz zusammengebrochene Gottesmutter Maria stützen.

Die Chorfenster wurden 1984 vom Marburger Glasmaler Erhardt Klonk gestaltet. Die Darstellungen sind abstrakt und zeigen von links nach rechts eine freie Komposition, den Auftrag Gottes an Johannes den Täufer, den Tod des Heiligen Johannes sowie die Taufe Jesu im Jordan.

Unter der Orgelempore sind Statuen der Heiligen Antonius von Padua (Erwerb 1822), Josef von Nazaret (Erwerb 1881), Aloisius von Gonzaga (Erwerb 1892) und Konrad von Parzham (Stiftung 1938) auf Konsolen angebracht.

Das Geläut ist im Kirchturm aufgehängt und besteht aus drei Glocken.

Orgel mini|Innenraumansicht mit Blick zur Orgel Die Orgel der Kirche wurde 1931 von Johannes Klais Orgelbau in Bonn als Opus 764 gefertigt. Restaurierungen fanden 1978 durch Klais und 1991 durch das Windesheimer Orgelbauunternehmen Oberlinger statt. Die Disposition umfasst 15 Register auf zwei Manualen und Pedal. I Hauptwerk C–g3 Principal 8′ Nachthorngedackt 8′ Spitzflöte 8′ Praestant 4′ Blockflöte 2′ Mixtur II–III ′II Schwellwerk C–g3 Offenflöte 8′ Salicional 8′ Vox Coelestis 8′ Hohlflöte 4′ Sesquialter II Horn 8′Pedal C–f1 Subbaß 16′ Zartbaß 16′ Octavbaß 8′ Koppeln: Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P Superoktavkoppeln: II/I, II/II Suboktavkoppeln: II/I Nebenregister und Spielhilfen: Tremulant, 1 freie Kombination, 3 feste Kombinationen (p – f – tutti), Zunge ab

Weblinks

Informationen zur Kirche St. Johannes der Täufer auf der Website der kath. Pfarrei Hl. Disibod Feilbingert

Einzelnachweise

JohannesDerTäufer Kategorie:Johannes-Enthauptung-Kirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Speyer Kategorie:Saalkirche in Rheinland-Pfalz Kategorie:Kirchengebäude des Heimatstils Kategorie:Bauwerk des Heimatstils in Rheinland-Pfalz Kategorie:Kirchengebäude des Jugendstils Kategorie:Bauwerk des Jugendstils in Rheinland-Pfalz Kategorie:Erbaut 1918 Kategorie:Kirchengebäude in Europa JohannesDerTäufer Kategorie:Disposition einer Orgel