miniatur|hochkant=1.4|Hauptsitz des Landeskriminalamtes Niedersachsen im Behördenhaus Hannover

Das Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA NI) ist eine Polizeibehörde und eine Landesoberbehörde des Landes Niedersachsen mit Sitz in der Landeshauptstadt Hannover. Sie ist in kriminalpolizeilichen Angelegenheiten die Zentralstelle der Landespolizei. Die Behörde verfügt über ein ständig besetztes Lage- und Führungszentrum. Als Servicedienststelle für die niedersächsische Polizei unterstützt das Amt andere Polizeibehörden mit Spezialisten und Technik. Das LKA NI stellt das Bindeglied zu den anderen Landeskriminalämtern und zum Bundeskriminalamt dar. In besonderen Fällen sowie bei überregionalen Straftaten wird es auch strafverfolgend tätig und führt eigene Ermittlungen durch.

Das LKA NI ist dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung nachgeordnet und hat rund 1.300 Mitarbeiter. Die Abteilungen der Behörden sind auf acht Standorte in Hannover verteilt mit dem Hauptsitz im Behördenhaus Hannover, dem früheren Dienstgebäude der Bezirksregierung Hannover, am Waterlooplatz.

Geschichte miniatur|hochkant=0.6|Amtsschild an einem Dienstgebäude des Landeskriminalamtes Niedersachsen Entstehung Vorläuferorganisation des heutigen Landeskriminalamtes war das „Regional Records Bureau“. Die britische Militärregierung richtete es innerhalb ihrer Besatzungszone am 1. Januar 1946 in Hannover ein und unterstellte es dem Kriminalpolizeiamt für die Britische Zone in Hamburg. Die deutsche Bezeichnung der Polizeibehörde lautete Kriminalpolizeizentrale für die Region Hannover. Das Zuständigkeitsgebiet waren die ehemaligen Länder Oldenburg, Braunschweig, Schaumburg-Lippe und die preußische Provinz Hannover, aus denen am 1. November 1946 das Land Niedersachsen hervorging.

Als die Polizeigewalt von der britischen Militärregierung 1947 an deutsche Stellen übergeben wurde, nannte sich die Polizeibehörde zunächst Kriminalamt Land Niedersachsen und kurze Zeit später Landeskriminalpolizeiamt Niedersachsen (LKPA Nds.). Seine gesetzliche Grundlage erhielt das LKPA Nds. mit der Verabschiedung des Bundeskriminalamtgesetzes 1951, das die Länder verpflichtete, zentrale Dienststellen der Kriminalpolizei zu unterhalten. 1951 erklärte das Niedersächsische Innenministerium die Behörde in einem Erlass gegenüber anderen Polizeibehörden in Niedersachsen als weisungsbefugt. Gleichzeitig erhielt das Landeskriminalpolizeiamt als Landeszentralbehörde für die Verbrechensbekämpfung weitere Aufgaben hinzu. Die Kriminalpolizeieinrichtung mit Zentralstellenfunktion hatte von Anfang an ihren Sitz in Hannover und verfügte zunächst über 43 Mitarbeiter. Ihre Aufgaben waren:

Nachrichtensammelstelle Kriminalaktenhaltung Erkennungsdienst Kriminaltechnische Untersuchungsstelle

Auch in anderen Teilen der britischen Besatzungszone im heutigen Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg „Regional Records Bureaus“ (Landeskriminalpolizeistellen). Sie unterstanden dem Kriminalpolizeiamt für die Britische Zone in Hamburg, dem Zonal Bureau. Die Notwendigkeit dieser Polizeieinrichtungen ergab sich aus den chaotischen Nachkriegsverhältnissen mit umherziehenden Banden und Straftätern, oft Displaced Persons aus osteuropäischen Ländern.

Namensänderungen Am 1. Januar 1946 wurde das „Kriminalpolizeiamt für die Region Hannover“ gegründet Ab 1947 hieß die Behörde zunächst „Kriminalamt Land Niedersachsen“ und dann rund 34 Jahre lang „Landeskriminalpolizeiamt Niedersachsen“ (LKPA Nds.) Seit 1981 trägt die Behörde den Namen „Landeskriminalamt Niedersachsen“ (LKA NI)

Dienstgebäude mini|links|Sitz von 1946 bis 1954 in der Prinzenstraße 21 miniatur|hochkant=1.8|Früherer Hauptsitz am Welfenplatz ab 1954 mini|hochkant|Skulptur Der Schild Die 1946 von der britischen Militärregierung eingerichtete Behörde mit 32 Beschäftigten hatte anfangs ihren Sitz in dem Stadthaus Prinzenstraße 21 nahe dem Aegidientorplatz in Hannover. Innerhalb weniger Jahre verdoppelte sich die Mitarbeiterzahl auf 64. Daher entstand 1953 auf einem Grundstück am Welfenplatzes ein Neubau, der 1954 bezogen wurde. Dies war seit dem Zweiten Weltkrieg ein Trümmergelände, auf dem eine der früheren Militärkasernen (Artilleriekaserne IV von 1857) des Welfenplatzes stand. Sie fiel einem Luftangriff auf Hannover bei Kriegsende zum Opfer. Auf diese Weise wandelte sich das frühere Militärviertel Welfenplatz mit seinen teilweise zerstörten Kasernen zu einem Standort für Polizeieinrichtungen in Hannover. In den 1960er Jahren mit der ständigen Zunahme an Aufgaben und inzwischen rund 200 Mitarbeitern wurden die Räumlichkeiten im LKPA Nds. zunehmend eng. 1965 erfolgte der erste Erweiterungsbau, 1981 ein weiterer. Das Dienstgebäude der Behörde entwickelte sich zu einem viereckigen Gebäudekomplex mit geschlossenem Innenhof. Heute (2014) sind die rund 1.100 Mitarbeiter der Behörde auf acht Standorte im Stadtgebiet verteilt. Die Behördenleitung hat ihren Sitz im „Behördenhaus“, dem früheren Dienstgebäude der Bezirksregierung Hannover, am Waterlooplatz. Die weiteren Standorte befinden sich in der Schützenstraße am Welfenplatz als ehemaligem Hauptsitz sowie im benachbarten Elisabeth-Granier-Hof, in der Büttnerstraße, der Marienstraße und in Langenhagen in der Ostpassage. Zwei weitere Standorte sind geheim wegen der Unterbringung von verdeckten Ermittlern.Hannoversche Allgemeine Zeitung, 11. März 2009

Kunst am Bau Seit 1989 ziert eine Skulptur aus zwei 6 Meter hohen Cor-Ten-Stahlplatten das Dienstgebäude am Welfenplatz als Kunst am Bau. Die absichtlich nicht beschichteten Platten oxidierten im Laufe der Zeit und wurden rot-braun. Das Kunstwerk trägt den Namen „Schild“ und wurde vom Eisen-Bildhauer Hannes Meinhard aus Benthe geschaffen. Laut dem Künstler vermittelt sein Werk „Kraft, Schutz und Geborgenheit“.

Ein-Standort-Lösung Die Niedersächsische Landesregierung beschloss nach einer 10 Jahre anhaltenden Diskussion im März 2009 den Bau eines neuen Dienstgebäudes für das Landeskriminalamt, das alle 985 Mitarbeiter aufnehmen kann. Der Bau sollte moderne Technik ermöglichen und die bisherige Zersplitterung der Dienststelle im gesamten Stadtgebiet beenden. Das Bauprojekt mit einem Volumen von etwa 100 Millionen Euro sollte von einem Investor in Public Private Partnership errichtet werden. Als Standort war ein Grundstück nahe dem Messegelände am Kronsberg im Gespräch. miniatur|Dienstgebäude am Waterlooplatz, die künftige Ein-Standort-Lösung Bei einer Haushaltsklausur im August 2010 beschloss die Landesregierung wegen der angespannten Haushaltslage den Neubau nicht zu realisieren. Weiterhin wird eine „Ein-Standort-Lösung“ favorisiert, die am bisherigen Standort am Waterlooplatz realisiert werden soll. Dazu soll dort für das Kriminaltechnische Institut ein Neubau entstehen.Nachtragshaushalt 2010 und Haushalt 2011 Für die Sanierung des derzeit genutzten Gebäudes am Waterlooplatz und den dortigen Neubau des Kriminaltechnischen Instituts sind 155 Mill. Euro vorgesehen. Der für 2019 geplantePeer Hellerling: Neuer LKA-Chef über Terrorismus, Cybercrime und mobile Täterbanden in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 28. Juni 2018 Spatenstich erfolgte erst 2023. Die Fertigstellung ist im Jahr 2027 vorgesehen.

LKA-Direktoren Direktor Amtszeit Alfred Hager 1946–1947 Friedrich Peter 1948–1950 Wilhelm Gansweidt 1950–1953 Georg Schulz 1953–1970 Hans-Heinrich Huelke 1970–1974 Waldemar Burghard 1974–1983 Paul Berke-Müller 1983–1984 Wilfried Kusber 1984–2000 Rüdiger Butte 2001–2005 Uwe Kolmey 2005–2018 Friedo de Vries 2018–2025Neuer Chef: Osnabrücker leitet das LKA bei ndr.de vom 24. Mai 2018 Thorsten Massinger seit 2025Wechsel an der Spitze der Polizeidirektion Osnabrück: Friedo de Vries wird neuer Polizeipräsident bei Niedersächsisches Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung vom 9. April 2025

Aufgaben Zentralstelle der Kriminalpolizei in Niedersachsen für: Informationssammlung und -auswertung Nationale Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt und den Landeskriminalämtern Internationale Zusammenarbeit mit Europol, Rechtshilfeverkehr Kriminalwissenschaftliche und -technische Untersuchungen Kriminalprävention und Beratung Personenschutz Polizeiliche Kriminalstatistik Prävention und Jugendsachen

Zentralstelle der Kriminalpolizei in Niedersachsen für und Ermittlungen bei: Spionage/Landesverrat NS-Verbrechen Proliferation

Ermittlungen in besonderen oder überregionalen Fällen von: Rauschgift-, Wirtschafts-, Umwelt-, Computer-, Falschgeld-, politisch motivierter und organisierter Kriminalität Korruption Geldwäsche Menschenhandel

Unterstützungstätigkeiten für andere Polizeibehörden in Niedersachsen durch: Spezialeinheiten Mobiles Einsatzkommando (MEK) und Spezialeinsatzkommando (SEK) mit Präzisionsschützenkommando (PSK) (PDF) Entschärfung von USBV-Vorrichtungen Untersuchung von Brand- und Explosionsursachen Beratung in Fällen schwerster Gewaltkriminalität Untersuchungen von Datenverarbeitungsanlagen

Organisation Struktur Das LKA NI ist seit der Strategischen Organisationsanpassung vom 19. November 2021Strategische Organisationsanpassung neben dem Stab der Behördenleitung in sechs Abteilungen mit 25 Dezernaten gegliedert.Organigramm des LKA NI gültig ab dem 19. November 2021(pdf, 140 KB) Darunter unterteilt es sich weiter in Sachgebiete und Fachgruppen.

Stab der Behördenleitung mit: Präsident, Vizepräsident Zentrale Aufgaben, Personal, Forschung, Prävention, Jugend Personalrat, Beauftragte, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Abteilung 1 – Recht, Verwaltung, Führungs- und Einsatzmittel Abteilung 2 – Einsatz- und Ermittlungsunterstützung Abteilung 3 – Analyse und Ermittlungen Abteilung 4 – Polizeilicher Staatsschutz Abteilung 5 – Kriminaltechnisches Institut (KTI) Abteilung 6 – Digitales Service- und Kompetenzzentrum

Besondere Organisationseinheiten und Zentralstellen Lagezentrum Das LKA NI verfügt über ein rund um die Uhr besetztes Lage- und Informationszentrum (LIZ), ähnlich den Kriminaldauerdiensten anderer Polizeidienststellen. Das Lagezentrum ist landesweit für die Aufnahme, Bewertung und Steuerung polizeilicher Informationen zuständig. Von dort werden überregionale Fahndungen, so genannte Landesalarmfahndungen, und Öffentlichkeitsfahndungen koordiniert.

Kriminaltechnisches Institut (KTI) Die Abteilung 5 hat sich mit der Behörden-Neuorganisierung des LKA NI am 1. Januar 2006 in das „Kriminaltechnische Institut“ (KTI) umgewandelt. Diese Einrichtung der Kriminaltechnik und -wissenschaft fertigt für Strafverfahren wissenschaftlich fundierte Gutachten an. In diesem Rahmen wirken die Mitarbeiter auch als Gerichtssachverständige in Strafprozessen mit. Bei Anforderung durch örtliche Dienststellen sichern sie bereits am Tatort Spurenmaterial, wie DNA-Material, Mikrospuren wie Textilfasern, Brand- und Explosionsspuren, Kraftfahrzeuguntersuchungen bei Verkehrsunfällen. Das KTI erreichen jährlich rund 40.000 Untersuchungsanträge. Das Aufgabenfeld umfasst unter anderem die Bereiche:

Daktyloskopie zur Identifizierung von Tatort-Fingerabdrücken mit Hilfe des Dateisystems „Automatisiertes Fingerabdruck-Identifizierungssystem“ (AFIS), bundesweit Bestand von 25 Millionen Schusswaffen(vergleichs)-, Schmauchspuren- und ballistische Untersuchungen an Waffen und Geschossen zur Identifizierung von Tatwaffen, Bestimmung von Schussrichtungen, beispielsweise bei Verbrechen oder Jagdunfällen Hand- und Maschinenschriftenuntersuchungen bei Urkunden, Ausweisen und Dokumenten zum Erkennen von Fälschungen, Identifizierung von Druckerzeugnissen Schuh- und Reifenprofiluntersuchungen, zum Beispiel zur Feststellung von Marke und Modell (Mustersammlungsvergleich) und Durchführung von Tatortspurenvergleichen sowie vergleichenden Untersuchungen von möglichen Spurenverursachern (Schuhe, Reifen) mit bestimmten Tatortspuren zur Feststellung von individuellen Gleichheiten mit dem Ziel der Identifizierung