Charlotte Ulrike Auguste Schimmelpfennig (geborene Heidemann am 12. April 1897 in Crampas; gestorben am 12. August 1971 in Sassnitz) war eine deutsche Frau im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Sie gewährte über Jahre Verfolgten in ihrem Haus Zuflucht und verhalf ihnen zur Flucht.
Leben mini|Villa Aegir, Sassnitz (2017) Charlotte Heidemann wurde am 12. April 1897 im Bauern- und Fischerdörfchen Crampas, welches seit 1906 zu Sassnitz gehört, als Tochter des Kaufmanns Ernst Wilhelm Heidemann und seiner Frau Klara Hedwig Betty geboren. Sie hatte zwei Schwestern, Elisabeth und Luci, die jedoch beide in ihrem ersten Lebensjahr starben. Ihr Vater konnte im Jahr 1917 die Villa Aegir erwerben, welche sie nach dem Tod ihrer Eltern im Jahr 1935 erben sollte.
Charlotte Heidemann heiratete am 5. Oktober 1917, während des Ersten Weltkriegs, den Sanitätsgefreiten und Kaufmann Arthur Sander. Mit ihm bekam sie die Tochter Ingeborg, die Ehe wurde später geschieden. Im Jahr 1926 heiratete sie den Bahnangestellten Carl Robert Schimmelpfennig, diese Ehe wurde 1934 geschieden und blieb kinderlos. Durch ihr lebhaftes, hilfsbereites und freundliches Wesen besaß sie einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Auch wirtschaftlich kam sie durch die Vermietung von Zimmern in der geerbten Villa gut zurecht. Außerdem soll sie als Lehrerin für Deutsch und Schwedisch tätig gewesen sein. Anderen Quellen zufolge soll sie als Telefonistin bei der Post gearbeitet haben.
In ihrer Villa gewährte Charlotte Schimmelpfennig Verfolgten des Nazi-Regimes Zuflucht. So wohnte das jüdische Ehepaar Lemo bei ihr. Daraufhin wurde sie im Zuge der Reichspogromnacht am 9. November 1938 öffentlich gedemütigt. Sie wurde durch die Straßen von Sassnitz getrieben, misshandelt und verhaftet. Aus der Haft wurde sie nach einiger Zeit entlassen. Nach ihrer Freilassung setzte sie sich unbeirrt weiter für Verfolgte ein. Dabei folgte Charlotte Schimmelpfennig nur ihrer humanistischen Einstellung und gewährte in ihrem Haus polnischen Zwangsarbeitern Unterschlupf, pflegte Kranke, verschaffte allen illegal Lebensmittelkarten und besorgte ihnen Arbeit in der Nachbarschaft.
Sie half Kriegsgefangenen, die Fähre in das neutrale Schweden zu erreichen: So nutzte sie im Juli 1943 Kontakte zu einer schwedischen Stewardess, die für drei sowjetische Soldaten Uniformjacken von der Fähre nach Trelleborg mitgebracht hatte. Mit den als Crewmitglieder der Fähre verkleideten Soldaten und mit deutschen Papieren für den Landgang versehen, schlenderte sie durch Sassnitz und brachte sie in den Hafen und auf die Fähre nach Schweden.
In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges hatte sich die Lage in Sassnitz dramatisch verschärft, da die Nazis Sassnitz abgeriegelt hatten, um Menschen an der Flucht zu hindern, obwohl gleichzeitig unzählige Flüchtlingstrecks in der Stadt eingetroffen waren. In dieser Situation organisierte Charlotte Schimmelpfennig mit anderen Frauen am 3. Mai 1945 eine spontane Protestkundgebung. Sie forderten in einer Abordnung vom Inselkommandanten Generalmajor Hans Voigt die sofortige Kapitulation von Sassnitz. Er vertröstete sie auf den nächsten Tag. Als die Frauen am nächsten Tag erneut bei ihm anfragen wollten, war er geflohen. Andere Quellen sprechen davon, dass sie vom NSDAP-Ortsgruppenleiter Franz Jacobi zur Rede gestellt worden sein sollen, diesem sollen sie dabei eine Tracht Prügel verpasst haben, sodass er sich schnell zurückgezogen habe.vgl. Dieter Naumann: Frauenpower Sassnitz 1945. In: Das Blättchen, 23. Jahrgang, Nummer 19 vom 14. September 2020.
Charlotte Schimmelpfennig starb am 2. August 1971 in Sassnitz.
Gedenken und Ehrungen mini|Stolperstein für Charlotte Schimmelpfennig Für Charlotte Schimmelpfennig wurde ein Stolperstein in der Mittelstr. 5, vor der Villa Aegir, verlegt.
An den Mut von Charlotte Schimmelpfennig wird auf Gedenkveranstaltungen in Sassnitz erinnert.
Charlotte Schimmelpfennig wurde im Rahmen des Projekts Frauenorte in die Liste der Frauen in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen.
Ihre Lebensgeschichte ist ein Teil der Ausstellung „Im Gegenstrom – Frauen auf Rügen im Wandel der Zeit“ des Soroptimisten Club Rügen Insel.Im Gegenstrom – Frauen auf Rügen im Wandel der Zeit
Einzelnachweise
Kategorie:Geehrte des Projekts Frauenorte Kategorie:Person, für die in Mecklenburg-Vorpommern ein Stolperstein verlegt wurde Kategorie:Fluchthelfer für NS-Verfolgte Kategorie:Sassnitz Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Preuße Kategorie:Geboren 1897 Kategorie:Gestorben 1971 Kategorie:Frau