mini|Reliefkarte der Venezolanischen Anden mit dem östlichen Ast der Cordillera de Mérida, dem westlichen Ast der Sierra de Perijá und dem dazwischen liegenden Maracaibo-See

Die Venezolanischen Anden sind ein Gebirgssystem der nördlichsten Ausläufer der Anden. Sie werden daher auch als Nordanden bezeichnet. Sie schließen nördlich an die kolumbische Cordillera Oriental an, die auf venezolanischem Gebiet aus zwei Gebirgszügen besteht: der kleineren, leicht von Südwesten nach Nordosten verlaufende Sierra de Perijá mit einer Fläche von 7.500 Quadratkilometern (km²) und der größeren, geradlinig von Südwesten nach Nordosten verlaufenden Cordillera de Mérida mit etwa 40.000 km².

Die tektonische Entwicklung begann im Paläozoikum vom Kambrium bis zum Perm mit der Anlagerung mehrerer Orogene am westlichen gondwanischen Kontinentalrand vom damaligen Südamerika. Diese gelten als Vorläufer der Anden. Die ersten Phasen der Andenorogenese begannen im Jura und der frühen Kreidezeit vor etwa 150 bis 140 mya mit der Subduktion vom Ozeanplatten unter die Südamerikanische Platte. Nach fortschreitenden tektonischen Entwicklungen setzte ab dem Miozän um ca. 23 mya die noch andauernde Andenbildung ein.

Das Gesteinsspektrum besteht aus mächtigen Ablagerungen verschiedenartiger Sedimente und großen magmatischen Intrusionen, die jeweils unterschiedlich metamorph überprägt wurden.

Tektonischer Rahmen

Die Venezolanischen Anden stehen im Zusammenhang mit der Bildung der Anden. Diese lassen sich zurück verfolgen bis kurz nach Zerfall des Superkontinents Rodinia im Neoproterozoikum, beginnend ab ca. 825 mya, mit Grabenbruchbildungen, gefolgt von Backarc-Becken und Subduktionen von ozeanischen Erdkrusten am westlichen Rand der Südamerikanischen Platte bzw. des Südamerikanischen Kontinents. Damit verbunden waren paläozoische Gebirgsbildungen, wie z. B. die kambrische Pampeanische Orogenese, die kambrische Famatinianische Orogenese sowie die permische Gondwanische Orogenese. Sie werden die als die unmittelbaren Vorläufer der späteren Andenorogenese angesehen.

Die ersten Phasen der Andenorogenese begannen im Jura und der frühen Kreidezeit vor etwa 150 bis 140 mya mit der Subduktion der schweren ozeanischen Farallon-Platte unter die leichtere kontinentale Südamerikanische Platte. In diesem Zeitraum war die Fallon-Platte Bestandteil des Panthalassa-Ozeans, der sich zwischen den östlichen und westlichen Fragmenten des zerbrochenen Pangaea erstreckte. Zudem begann sich der Pazifiks zu öffnen. Der Beginn der eigentlichen der Andenorogenese wird erst für das beginnende Miozän um ca. 23 mya mit der Ausbildung der Nasca-Platte und deren Subduktion unter die Südamerikanische Platte angesetzt.,

Geographie

Cordillera Oriental

Die Cordillera Oriental bildet einen Gebirgskomplex ist mit einer zentralen Breite von über 200 km, womit er der breiteste der drei Ausläufer der Kolumbianischen Anden ist. Er erstreckt sich von Süden nach Norden und teilt sich vom kolumbianischen Massiv im Departamento Huila bis zum Departamento de Norte de Santander, wo sie sich in die Sierra de Perijá und die Cordillera de Mérida in den venezolanischen Anden aufteilt. Der höchste Gipfel ist der Ritacuba Blanco mit 5.410 Metern in der Sierra Nevada del Cocuy. Mit einer zentralen Breite von über 200 km besteht sie aus einem komplexen System gefalteter Gebirge, Hochebenen, tiefen Täler und vergletscherter Gipfel. Strukturell setzt sie sich aus gefalteten, geschichteten Gesteinen zusammen, die einen kristallinen Kern überlagern, der sich im Känozoikum ab etwa 12 Millionen Jahren bildete.

Die Táchira-Depression trennt die Cordillera Oriental von der Cordillera de Mérida, welche auch die Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela bildet. Die Táchira-Depression ist ein Bergsattel, der die Maracaibo-See mit dem Orinoco-Becken im venezolanischen Bundesstaat Táchira verbindet. Sie trennt das Tamá-Massiv im Westen von der Cordillera de Mérida im Osten.

Venezolanische Anden

Die Venezolanischen Anden bilden überwiegend auf venezolanischem Gebiet liegenden zwei Gebirgsvorkommen, die sich in die größere Cordillera de Mérida und die kleinere Sierra de Perijá aufteilen.

Cordillera de Mérida

Die Cordillera de Mérida ist ein Gebirgszug im Nordwesten Venezuelas. Sie bildet eine nordöstliche Ausdehnung der Anden und ist der bedeutendste Ausläufer der venezolanischen Anden. Dieser Gebirgszug erstreckt sich über etwa 400 km von der Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien im Südwesten bis zur Venezolanischen Küstenkodilliere im Nordosten am Rand zum Karibischen Meer.

Die Cordillera de Mérida schließt nördlich an die kolumbische Cordillera Oriental an. Erstere erstreckt sich in nordöstlicher Richtung über ca. 400 km mit rund 40.000 Quadratkilometern. Sie bedeckt den größten Teil der Bundesstaaten Táchira, Mérida und Trujillo sowie Teile der Bundesstaaten Lara, Barinas, Portuguesa, Apure und Zulia. Die südöstlichen Flanken des Gebirges werden von Zuflüssen des Orinoco entwässert, während die Flüsse an den nordwestlichen Flanken in den Maracaibo-See münden. Am südwestlichen Ende des Gebirges liegt die Stadt San Cristóbal, an der nordöstlichen Spitze die Stadt Barquisimeto und die Quellflüsse des Río Cojedes, einem Nebenfluss der Orinoccos. Im Zentrum des Gebirges befindet sich die namensgebende Stadt Mérida. Zwei Nebengebirge erstrecken sich zu beiden Seiten der Stadt: die Sierra de la Culata im Norden und die Sierra Nevada de Mérida im Süden. Der Pico Bolívar ist mit 4981 Metern der höchste Berg Venezuelas.

Sierra de Perijá

Die Sierra de Perijá schließt an die Cordillera Oriental an und verläuft von dort in nordostlicher Richtung zwischen Kolumbien und Venezuela mit einer Länge von ca. 310 km, wo sie weiter nördlich auf der Guajira-Halbinsel endet. Sie trennt den Maracaibo-See und dessen Einzugsgebiet vom Tal des Río Cesar, einem Nebenfluss des Río Magdalena. Die Sierra de Perija bildet die östliche Grenze der Región Caribe. Der südlichste Punkt des Gebirgszugs liegt in der Nähe der kolumbianischen Stadt Ocaña, einer Stadt und Gemeinde des Norte de Santander. Zu diesem Gebirgszug gehören die Serranía de Los Motilones, die Sierra Valledupar und die Sierra Oca. Die höchste Erhebung ist der Cerro de Las Texas mit 3630 Metern, gefolgt vom Cerro Grappa mit 3540 Metern. Weitere Berge sind der Serranía de Macuira mit 864 Metern und der Cerro Aceite mit 853 Metern.

Geologie

Gesteine und Metamorphosen

Das Gesteinsspektrum der Venezolanischen Anden wird von metamorphen Sedimentgesteinen und Magmatiten dominiert.

Sedimente

Die Sierra Nevada de Mérida enthält bedeutende Sedimentablagerungn. Die wichtigsten Gesteinstypen sind: Quarz-Feldspat-Glimmerschiefer, Sillimanitführende Mineralvergesellschaftungen und seltene Staurolithe, (b) glimmerhaltige Quarz-Feldspat-Gneise mit seltenen Sillimaniten und Granaten und (c) Hornblende mit Epidoten und Amphiboliten. Alle drei Hauptgesteinstypen gelten als metamorphe Sedimentgesteine. Die Sedimentablagerungen bildeten sich in der Kreidezeit und sind über 5 km mächtig.

Magmatite Die bedeutendsten Magmatit-Körper sind der El Carmen-Granodiorit' und der La Culata-Monzonit. Beiden befinden sich in der Gebirgskette Sierra de la Culata, ca. 28 km nordöstlich von Mérida. Diese Intrusionen sind Wesentlichen charakterisiert durch eine Plagioklas-Mikroklin-Quarz-Glimmer-Vergesellschaftung. Chemische Analysen zeigen, dass dieser Granitoid durch partielles Aufschmelzen von Metapeliten entstanden ist, was ihm den Charakter eines S-Typ-Granitoids verleiht. Seine Platznahme erfolgte synorogen und wahrscheinlich in einem vulkanischen Inselbogen am westlichen Kontinentalrand vom gondwanischen Südamerika. Der La Culata-Monzonit weist zudem eine leukokrates Charakteristik auf. Kleinere Granit- und Pegmatitkörper sind häufig. Diese Gesteine erfuhren eine regionale Metamorphose mittleren bis hohen Grades vom pelitischen Ausgangsgestein bis hin zur Amphibolitfazies und Grünschieferfazies. Die Platznahme dieser Intrusionen erfolgte im frühen Paläozoikum bis zum Jura vor etwa 200 mya ein.

Geologische Strukturen

Strukturell weisen die Venezolanischen Anden ein komplexes System aus Überschiebungen, Faltungen und Antiklinalen auf, die durch die Kompressionsprozesse während der Andenorogenese entstanden sind. Überschiebungen weisen eine steilwinklige, inverse Geometrie auf und ermöglichten die Stapelung von Gesteinseinheiten während der miozänen Hebung, während breite Antiklinalstrukturen in der Sedimentdecke das metamorphe Grundgebirge überlagern. Deformationsphasen ereigneten sich im frühen Kambrium, im Jura während der granitischen Intrusionen und nach dem Eozän, die eine von Hebungen dominierte Phase mit vielfältigen Faltenbildungen darstellen.

mini|Karte mit Ausdehnung und Segmentierung des Boconó-Verwerfungssystems in Venezuela

Das markantes Strukturelement ist das Boconó-Verwerfungssystem, ein rechtslaterales Blattverschiebungssystem, das sich über etwa 500 km von der kolumbianischen Grenze nordostwärts durch die Mérida-Anden erstreckt, mit kumulativen Verschiebungen von bis zu 80 km und Verschiebungsraten von 0,5 bis 1 cm/Jahr. Diese Störung spielt eine Schlüsselrolle bei der Hebung des Gebirges durch Transpression, indem sie die relative Plattenbewegung in Blattverschiebungs- und Konvergenzkomponenten aufteilt, die Aufwölbungsstrukturen und intramontane Becken bilden.

Weblinks

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Kategorie:Historische Geologie Kategorie:Geographie (Südamerika)