mini|Christiania Torv in der Kvadraturen Kvadraturen ist ein Stadtviertel in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Das im Schachbrettmuster angelegte Viertel ist das älteste der Stadt und befindet sich im Zentrum von Oslo.

Lage Das Stadtviertel liegt in der Verwaltungseinheit Sentrum zwischen den beiden Buchten Pipervika und Bjørvika. Im Westen wird das Viertel von der Festung Akershus begrenzt und im Osten vom Jernbanetorget am Osloer Hauptbahnhof. Im Norden wird das Viertel durch die Straße Grensen begrenzt.

Straßen in West-Ost-Richtung sind die Prinsens gate, die Tollbugata, die Rådhusgata, die Myntgata und die Glacisgata. In Nord-Süd-Richtung verlaufen die Øvre Vollgate, die Nedre Vollgate, die Akersgata, die Nedre Slottsgate, die Kongens gate, die Kirkegata, die Dronningens gate, die Skippergata, die Fred. Olsens gate und die Strandgata.

Geschichte Aufbau nach dem Stadtbrand von 1624 mini|Karte aus dem Jahr 1648

Das heutige Stadtviertel entstand nach dem großen Stadtbrand im Jahr 1624. Christian IV. befahl nach dem Brand, die Stadt am Fuße der Festung Akershus neu aufzubauen. Die Stadt Oslo lag zuvor noch an der anderen Seite der Bjørvika, wo sich heute das Stadtviertel Gamlebyen befindet. Bei der Bevölkerung stieß dieses Vorgehen auf Widerstand, da beim Brand teilweise Keller und Fundamente erhalten geblieben waren. Die Stadt erhielt den neuen Namen Christiania.

Für den Wiederaufbau wurde die Auflage erlassen, dass alle Gebäude vollständig gemauert oder mit ausgemauertem Fachwerk gebaut werden müssen. Bis dahin war dies in Norwegen für privat genutzte Gebäude untypisch. Viele Bauherren hielten sich jedoch nicht an die Vorgaben, so dass weiterhin viele Holzhäuser entstanden.

Beim Neuaufbau wurde ein regelmäßiges Straßennetz im Schachbrettmuster gewählt. Alle Straßen wurden etwa 15 Meter breit gebaut, wobei es keine klaren Hauptstraßen gab. Die Gebäude waren ein- oder zweistöckig. Der damalige Stadtplatz – heute als Christiania Torv bekannt – wurde am höchsten Punkt der Stadt errichtet. Dort wurden zentrale Einrichtungen wie das Rathaus, eine Schule und die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit (Hellige Trefoldighets kirke) platziert. Die damalige Stadt war in vier Stadtviertel unterteilt. Die Grenzen verliefen entlang der heutigen Kongens gate und Tollbugata.

Erweiterung der Festung Akershus Die Häuser direkt an der Festung Akershus mussten in den 1640er-Jahren aus militärstrategischen Gründen wieder abgerissen werden. Das Gebiet wurde Teil des Festungsgeländes. Heute befinden sich dort der Festungsplatz (Festningsplassen) und das Verteidigungsmuseum (Forsvarsmuseet).

Erweiterung durch Landgewinnung mini|Heutige Fred. Olsens gate um das Jahr 1890 Die teuersten Grundstücke der Oberschicht lagen ursprünglich in Ufernähe. Weiter im Landesinneren befanden sich die einfacheren Häuser. Nachdem zunächst die flacheren Gebiete entlang des Fjords aufgeschüttet worden waren, kam im Jahr 1657 der Beschluss, die Bjørvika weiter aufzuschütten. Die Stadt wuchs durch die Landgewinnung Richtung Südosten an und die Bebauungsmuster verschoben sich. An den neuen ufernahen Straßen wie der Skippergata und der Fred. Olsens gate entstanden große Lagerhäuser und Straßenzüge mit weniger exklusiver Prägung.

Stadtbrand 1686 und Belagerung 1716 Im Jahr 1686 kam es im westlichen Teil der Stadt zu einem Brand. Dabei wurde unter anderem die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit am Christiania Torv zerstört. Da die Festung Akershus weiter anwachsen sollte, wurde die Stadt stattdessen Richtung Norden erweitert. Unter anderem wurde der Osloer Dom außerhalb der ursprünglichen Stadtgrenze errichtet.

Im Jahr 1716 wurde die Stadt während des Norwegenfeldzugs durch schwedische Truppen von Karl XII. belagert. Bei den Kämpfen entstanden an vielen Gebäuden Beschädigungen. Die Häuser wurden anschließend repariert und modernisiert.

Mit der Zeit begann Christiania über die Stadtgrenzen hinweg anzuwachsen. In Vika und Vaterland entstanden die ersten unregulierten Vororte mit Holzhäusern, in denen sich ärmere Bewohner niederließen. Später kamen Vororte wie Aker und Grønland hinzu.

Neue Hauptstadtfunktionen (ab 1814) mini|Der Bankplassen mit dem Christiania Theater im Jahr 1838 Im Jahr 1814 wurde durch den Kieler Frieden die Personalunion Dänemark-Norwegen aufgelöst. Norwegen ging daraufhin in eine mit mehr Autonomie ausgestattete Union mit Schweden über. Christiania übernahm ab dem 17. Mai 1814 die Funktion als norwegische Hauptstadt und benötigte deshalb Räumlichkeiten für neue Institutionen. Zu dieser Zeit hatte die Stadt etwa 10.000 Einwohner. Dazu kamen bis zu etwa 5000 Einwohner aus den Vororten.

Die Festung Akershus verlor aufgrund der Union mit dem früheren Feind Schweden ihre Bedeutung und wurde ab 1815 nicht mehr als Festung genutzt. Teile ihres Areals wurden daraufhin für den Bau neuer Gebäude freigegeben und die Stadt entwickelte sich südlich der Rådhusgata weiter. Am heutigen Bankplassen entstanden unter anderem die von Christian Heinrich Grosch entworfenen Gebäude für die Norges Bank, die Osloer Börse und das Christiania Theater. Grosch war damals der bedeutendste Architekt in Christiania.

Die meisten repräsentativen Gebäude wurden zu jener Zeit entlang der Kongens gate, der Kirkegata und der Dronningens gate errichtet. Die drei Straßen hatten sich ab Ende des 18. Jahrhunderts zu den Hauptstraßen herausgebildet. Die Kirkegata war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Paradestraße der Stadt.

Weil das Gebiet in der Kvadraturen bald zu klein wurde und kein Platz für ein Schloss gefunden werden konnte, verlagerte sich die weitere Entwicklung teilweise auf Flächen außerhalb des ursprünglichen Stadtgebiets. Die neue Hauptstraße wurde schließlich die Karl Johans gate, an der unter anderem das Königliche Schloss, das Stortingsgebäude, die Universität Oslo und das Nationaltheatret entstanden.

Entwicklung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überschritt Christiania endgültig die historischen Stadtgrenzen. Durch Eingemeindungen in den Jahren 1859 und 1878 erweiterte sich das Stadtgebiet deutlich über den ursprünglichen Kern der Kvadraturen hinaus.

Das Viertel verblieb jedoch das wirtschaftliche Zentrum Christianias. Unter anderem ließen sich dort viele Banken, öffentliche Einrichtungen und Reedereien nieder. Im Zuge dessen ging der Anteil an Wohnungen zurück. Ab etwa 1850 wurden viele der alten ein- bis zweistöckigen Häuser allmählich durch vierstöckige Gebäude ersetzt. Bis heute wird das Viertel von diesen Wirtschafts-, Gewerbe- und Verwaltungsgebäuden aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geprägt.

Seit 1900 mini|Karte des Erhaltungsplans aus dem Jahr 1974 Trotz einer Immobilienkrise im Jahr 1899 setzte sich der Trend aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts fort. Weiter wurden alte Gebäude abgerissen und durch größere ersetzt. In dieser Zeit entstanden vor allem funktionalistische Bauten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sich das Osloer Wirtschaftsleben weg aus dem Viertel und der Bedarf an Gewerbeflächen in der Kvadraturen sank. Durch die zunehmende Motorisierung wurde die Rådhusgata eine Hauptverkehrsader der Stadt. Das Stadtviertel entwickelte sich zugleich zu einem Umfeld für Drogen und Prostitution. Die Verkehrssituation konnte im Jahr 1977 durch die Verbindung der westlichen und östlichen U-Bahn-Linien verbessert werden. Mit der Eröffnung des Festningstunnel (Festningstunnelen) wurde im Jahr 1990 der Großteil des verbleibenden Kfz-Verkehrs in den Untergrund verlagert.

Durch die Erneuerung der umliegenden Stadtviertel wie Bjørvika und Aker Brygge stieg auch die Attraktivität der Kvadraturen wieder an. Zum 350. Geburtstag der Stadt im Jahr 1974 arbeitete die Fortidsminneforeningen einen Erhaltungsplan für das gesamte Stadtviertel aus. Dieser wurde im Jahr 1979 verabschiedet. Das Stadtviertel ist seitdem unter besonderen Schutz gestellt.

Bebauung Heute sind nur noch wenige Gebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert erhalten. Die meisten davon stehen in der Rådhusgata. Das Viertel wird stattdessen von Wirtschafts-, Gewerbe- und Verwaltungsgebäuden aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geprägt.

Das älteste noch bestehende Gebäude ist das Garnisonssykehuset, auch Rådmannsgården genannt, dessen ältester Flügel im Jahr 1626 errichtet wurde. Es befindet sich an der Rådhusgata 19. Weitere Gebäude aus der Zeit sind unter anderem das alte Rathaus, der Magistratgården und der Garmanngården.

Name Der Name des Stadtviertels leitet sich vom Schachbrettmuster der Straßen ab. Im Zentrum von Kristiansand gibt es ein gleichnamiges Viertel.

Weblinks

Kvadraturen im Oslo byleksikon (norwegisch) Kvadraturen in der Riksantikvaren-Datenbank (norwegisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Stadtviertel von Oslo