Franciszek Antoni Woelke, seit 1839 auch Franciszek Antoni de Woelke (* 13. Juli 1788 in Braunsberg im Ermland; † 13. Januar 1862 in Kielce), war ein polnischer Klassischer Philologe, Pädagoge, Lexikograph und Hochschullehrer. Von 1823 bis zur Schließung der Hochschule im Jahr 1831 lehrte er an der Königlichen Universität Warschau. Sein bedeutendstes Werk ist das 1831 erschienene dreisprachige Słownik łacińsko-grecko-polski („Lateinisch-griechisch-polnisches Wörterbuch“).
Leben
Franciszek Antoni Woelke wurde als Sohn des Kaufmanns Antoni Woelke und dessen Ehefrau Katarzyna, geborene Frietz, in eine bürgerliche Familie geboren. Sein Vater starb bereits während seiner Jugend. Woelke unterstützte daraufhin seine Mutter, indem er Privatunterricht erteilte. Gefördert wurde er außerdem von seinem Onkel Michał Woelke, einem ermländischen Domherrn. Im Jahr 1806 schloss er das Lyceum Hosianum in seiner Heimatstadt Braunsberg mit Auszeichnung ab.
Am 1. März 1808 nahm Woelke eine Lehrtätigkeit am Konvikt der Piaristen in Warschau auf. Dort sowie an der Warschauer Departementsschule der Piaristen unterrichtete er alte Sprachen, Französisch und Deutsch. Von 1811 bis 1812 erteilte er außerdem Deutschunterricht an einer Schauspielschule. Im Schuljahr 1813/14 lehrte er am Warschauer Lyzeum polnische und allgemeine Geschichte, Geographie, Latein und Deutsch.
Im Jahr 1814 wurde Woelke als Lehrer an die Departementsschule in Sejny berufen. Nach Auseinandersetzungen mit dem dortigen Rektor wurde seinem Antrag auf Beendigung dieser Tätigkeit stattgegeben. Mit einem staatlichen Stipendium setzte er seit 1816 seine philologischen Studien in Deutschland fort. Von 1816 bis 1818 studierte er an der Universität Berlin bei den Altphilologen Friedrich August Wolf und Philipp Karl Buttmann. Zeitweilig hielt er sich auch an der Universität Göttingen auf.
Während seines Deutschlandaufenthalts sandte Woelke Abhandlungen über eine Rede des Demosthenes gegen Meidias und über die antike literarische Gattung der Silloi nach Warschau. Die Arbeiten wurden von der Warschauer Wissenschaftlichen Gesellschaft anerkennend aufgenommen.
Nach seiner Rückkehr nach Polen wurde Woelke 1818 oder 1819 Lehrer für antike Literatur beziehungsweise Klassische Philologie an der Wojewodschaftsschule in Lublin. Dort wirkte er bis 1823. Er beteiligte sich zugleich an der Arbeit der wissenschaftlichen Gesellschaft der Woiwodschaft Lublin und veröffentlichte mehrere lateinisch verfasste Abhandlungen zur griechischen Literatur, Geschichte und Staatsverfassung.
Zu seinen Lubliner Arbeiten gehörten Untersuchungen über den Areopag, den athenischen Rat der Fünfhundert, eine Rede des Demosthenes gegen Meidias sowie die Silloi. Seine 1820 in Warschau veröffentlichte Abhandlung De Graecorum Sillis gehörte nach Jerzy Starnawski zu den frühesten polnischen Monographien über diese antike literarische Gattung.
Am 19. Dezember 1823 wurde Woelke zum außerordentlichen Professor für antike Literatur beziehungsweise Klassische Philologie an der Königlichen Universität Warschau ernannt. Am 10. Oktober 1824 verlieh ihm die Universität aufgrund seiner bereits veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten und ohne eine weitere Prüfung den Doktorgrad der Philosophie.
Am 15. Juli 1825 hielt Woelke in einer öffentlichen akademischen Sitzung eine lateinische Rede über die Dichtung des neulateinischen Dichters Maciej Kazimierz Sarbiewski. Die anschließend veröffentlichte Abhandlung De Sarbieviana poesi war nach Starnawski die erste in Polen gedruckte wissenschaftliche Untersuchung zu Sarbiewskis Dichtung. Im selben Jahr erschien Woelkes Lehrbuch der griechischen Sprache.
Als Hochschullehrer bot Woelke seinen Studenten nach zeitgenössischen Berichten regelmäßig zusätzliche, im offiziellen Lehrplan nicht vorgesehene Unterrichtsstunden an. Neben seinen philologischen Arbeiten übersetzte er die ersten drei Bücher von Homers Odyssee ins Polnische. Diese Übersetzung wurde vermutlich nicht veröffentlicht.
Nach der Schließung der Universität Warschau im Jahr 1831 verlor Woelke zunächst seine reguläre Lehrtätigkeit. Im Jahr 1832 wandte er sich mit der Bitte um eine neue Beschäftigung an die zuständigen Behörden. 1834 wurde er in eine Kommission berufen, die die Einrichtung eines pädagogischen Instituts vorbereiten sollte. Bis Ende 1836 erhielt er weiterhin staatliche Bezüge.
Seit dem 1. Januar 1837 unterrichtete Woelke griechische und römische Sprache und Literatur an den Warschauer pädagogischen Zusatzkursen. Seit Oktober desselben Jahres war er außerdem als Deutschlehrer am Agronomischen Institut in Marymont tätig. Daneben erteilte er Lateinunterricht an juristischen Ausbildungskursen.
Am 4. September 1839 erhielt Woelke für seine wissenschaftlichen und pädagogischen Verdienste den erblichen polnischen Adel. Seitdem verwendete er auch die Namensform Franciszek Antoni de Woelke.
Über den Zeitpunkt seines endgültigen Ausscheidens aus dem Lehrdienst liegen unterschiedliche Angaben vor. Nach Tadeusz Oracki wurde Woelke 1843 pensioniert; Jerzy Starnawski nennt dagegen 1847 als Jahr seines Eintritts in den Ruhestand.
Woelke war mit einer Frau aus der Familie Wierciński verheiratet. Aus der Ehe gingen die Töchter Maria Reklewska und Sabina Müller sowie der früh verstorbene Sohn Gustaw hervor. Nach dem Tod seiner Ehefrau hielt sich Woelke zeitweilig in Lublin und im nahe gelegenen Snopków auf. Seine Töchter lebten später auf dem Land im Gebiet von Radom beziehungsweise Krakau, wo er einen Teil seiner letzten Lebensjahre verbrachte.
Woelke starb am 13. Januar 1862 in Kielce und wurde dort bestattet. In seinem Testament vermachte er größere Geldbeträge wohltätigen Einrichtungen in Warschau.
Wissenschaftliches und lexikographisches Werk
Woelkes wissenschaftliche Interessen umfassten die griechische Literatur, die politischen Institutionen des antiken Athen, die Geschichte der Klassischen Philologie, die neulateinische Dichtung und den altsprachlichen Unterricht. Seine Veröffentlichungen entstanden überwiegend aus seiner Tätigkeit als Lehrer und Hochschullehrer.
Seine umfangreichste und bekannteste Veröffentlichung war das Słownik łacińsko-grecko-polski („Lateinisch-griechisch-polnisches Wörterbuch“). Woelke hatte die Arbeit an dem Wörterbuch bereits während seiner Tätigkeit in Lublin begonnen. Das Manuskript war 1829 abgeschlossen; das Werk erschien 1831 in Warschau.
Das Wörterbuch ist nach lateinischen Stichwörtern geordnet, denen griechische Entsprechungen und polnische Bedeutungserklärungen zugeordnet werden. Es verbindet damit lateinische und griechische Lexikographie mit der polnischen Bedeutungserklärung und war insbesondere als Hilfsmittel für den altsprachlichen Schulunterricht bestimmt.
Bei der Ausarbeitung griff Woelke nach eigenen Angaben und nach der Darstellung Orackis unter anderem auf Wörterbücher von Grzegorz Knapski, Bobrowski, Czerski, Egidio Forcellini, Bauer und Kraft zurück. Er folgte jedoch nicht vollständig dem Aufbau oder der Methode eines einzelnen Vorgängers. Bei der redaktionellen Arbeit wurde er vom Warschauer Literaturlehrer Teodozy Sierociński unterstützt.
Das Manuskript wurde der staatlichen Kommission für Religionsangelegenheiten und öffentliche Bildung vorgelegt. Am 20. Juli 1831 erklärte die Kommission das Wörterbuch zu einem nützlichen Hilfsmittel für die Schuljugend. Bereits vor dem Erscheinen waren in mehreren polnischen Zeitschriften Besprechungen und Subskriptionsanzeigen veröffentlicht worden.
Veröffentlichungen
De Areopago. Lublin 1819, S. 7–18. De Graecorum Sillis. Warschau 1820. Quod litterarum antiquarum genus ab adolescentulis ingenuas in scholis artes exercentibus potissimum videatur excolendum disputatur. Lublin 1821, S. 7–22. De Sarbieviana poesi: in consessu academico ad memoriam Polonorum doctrinarum laude celeberrimorum instituto die XVta Julii MDCCCXXV. Ex officina N. Glücksbergii, Warschau 1825. Linguae Graecae elementa, nec non exercitationes grammaticas Graecas … Warschau 1825. Słownik łacińsko-grecko-polski. Drukarnia Stereotypowa, Warschau 1831, , 800 Seiten.
Die ältere biographische Literatur nennt außerdem zwei in den Programmen der Wojewodschaftsschule in Lublin veröffentlichte Abhandlungen:
De oratione Demosthenis in Midiam. De senatu quingentorum apud Athenienses.
Genaue Erscheinungsjahre und Seitenangaben dieser beiden Abhandlungen lassen sich aus den herangezogenen Quellen nicht sicher bestimmen.„Woelke (Franciszek Antoni)“. In: Encyklopedia Powszechna. Band 27, Warschau 1867, S. 606.
Literatur
Józef Bieliński: Królewski Uniwersytet Warszawski (1816–1831). Band 1, Warschau 1907, S. 382; Band 3, Warschau 1912, S. 376–378 und 406–410. Wojciech Grochowski: Antoni Woelke. In: Tygodnik Ilustrowany. Nr. 68, 1869, S. 185–186. Tadeusz Oracki: Mazurzy i Warmiacy jako profesorowie Uniwersytetu Warszawskiego w latach 1818–1831. In: Komunikaty Mazursko-Warmińskie. Nr. 4, 1961, S. 528–557, zu Woelke S. 542–545 (Digitalisat). Tadeusz Oracki: Słownik biograficzny Warmii, Mazur i Powiśla XIX i XX wieku (do 1945 roku). Instytut Wydawniczy PAX, Warschau 1983, ISBN 83-211-0411-8, S. 331–332. Marian Plezia: Dzieje leksykografii łacińskiej w Polsce. In: ders.: Z dziejów filologii klasycznej w Polsce. Warschau 1993, S. 76–77. Jerzy Starnawski: Woelke Franciszek Antoni (1788–1862), filolog klasyczny. In: Tadeusz Radzik, Adam A. Witusik und Jan Ziółek (Hrsg.): Słownik biograficzny miasta Lublina. Band 2, Wydawnictwo Uniwersytetu Marii Curie-Skłodowskiej, Lublin 1996, S. 336–337 (Digitalisat).
Weblinks
Digitalisat des Słownik łacińsko-grecko-polski in den Digitalen Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek Werke von Franciszek Antoni Woelke in der digitalen Bibliothek Polona Digitalisat des Słownik łacińsko-grecko-polski in der Mazowiecka Biblioteka Cyfrowa
Einzelnachweise
Kategorie:Altphilologe (19. Jahrhundert) Kategorie:Lexikograf Kategorie:Pädagoge (19. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Warschau) Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1788 Kategorie:Gestorben 1862 Kategorie:Mann