Anton Seidl (* 23. Oktober 1844 in München; † 4. Mai 1898 ebenda) war ein deutscher Hofbäckermeister, Magistratsrat und Unternehmer. Er führte die traditionsreiche Seidl'sche Hofbäckerei in München zu einem modernen Großbetrieb und gilt als einer der möglichen Schöpfer der Prinzregententorte. Als ältester Bruder der Architekten Gabriel von Seidl und Emanuel von Seidl gehörte er zu einer der bedeutendsten Münchner Künstler- und Bürgerfamilien des 19. Jahrhunderts.

Leben Anton Seidl wurde als ältestes Kind des Münchner Bäckermeisters Anton Seidl (1806–1869) und dessen Ehefrau Therese Seidl, geborene Sedlmayr (1815–1898), geboren. Seine Mutter entstammte der Münchner Brauerfamilie Sedlmayr, den Eigentümern der Spatenbrauerei. Die Familie verband großbürgerlichen Wohlstand mit ausgeprägtem Kunstsinn.

Der Vater hatte 1823 die traditionsreiche Bäckerei in der Münchner Theatinerstraße übernommen, in der das Bäckerhandwerk bereits seit 1551 nachweisbar ist. Er modernisierte den Betrieb grundlegend, steigerte die Qualität der Backwaren und machte insbesondere das „mürbe Gebäck“ weit über München hinaus bekannt. Als angesehener Bürger gehörte er dem Magistrat der Stadt München an und war ein leidenschaftlicher Kunstsammler. Im Hause Seidl verkehrten zahlreiche bedeutende Künstler, darunter Moritz von Schwind, Wilhelm von Kaulbach, Ferdinand von Miller, Franz von Seitz und der Holzschneider Kaspar Braun. Dieses künstlerische Umfeld prägte alle Kinder der Familie Seidl nachhaltig.

Von den zehn Kindern der Eheleute Anton und Therese Seidl erreichten sechs das Erwachsenenalter:

Theresia Seidl (1843–1925) Anton Seidl (1844–1898) Gabriel von Seidl (1848–1913) Amalie Seidl (1851–1920) Maria Seidl (1851–1930) Emanuel von Seidl (1856–1919)

Die Schwestern Anton Seidls heirateten in bekannte Münchner Unternehmer- und Künstlerfamilien: Theresia den Handschuhfabrikanten Christian Roeckl, Amalie den Maler Carl Mayr-Graetz und Maria den Maler Emil Keyser.

Wirken als Hofbäckermeister Nach dem Tod seines Vaters übernahm Anton Seidl 1869 die Leitung der Familienbäckerei. Er setzte deren Modernisierung konsequent fort und baute das Unternehmen zu einem der bedeutendsten Bäckereibetriebe Münchens aus.

Bereits 1852 hatte die Familie ein großes Grundstück an der Marsstraße erworben. Dort ließ Anton Seidl 1889 eine moderne Produktionsstätte errichten, die den Grundstock des späteren industriellen Großbetriebes bildete.

1876 verlieh ihm König Ludwig II. den Titel eines königlich bayerischen Hoflieferanten. Darüber hinaus war Seidl Magistratsrat der Stadt München.

Zeitgenossen bezeichneten ihn als den „kunstsinnigen Bäck“. Wie sein Vater besaß er ein ausgeprägtes Interesse an Kunst und Kunstgewerbe und war Mitglied der kulturhistorischen Gesellschaft zu den drei Schilden. Sein Wirken gilt als Beispiel für die enge Verbindung von Handwerk, Bürgertum und Kunst im München des 19. Jahrhunderts.

Anton Seidl starb 1898 im Alter von 53 Jahren in München.

Grabstätte mini|hochkant|Grab von Anton Seidl auf dem Alten Südlichen Friedhof in München

Die Grabstätte von Anton Seidl befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Gräberfeld 9 – Reihe 2 – Platz 23, ). In dem Grab sind auch Anton Seidls Eltern und weitere Verwandte der Familie Seidl begraben.

Prinzregententorte mini|Ein Stück Prinzregententorte Anton Seidl wird neben Heinrich Georg Erbshäuser und Johann Rottenhöfer als einer der Erfinder der Prinzregententorte angesehen. Nach der Familienüberlieferung entwickelte Anton Seidl ab 1888, angeregt durch die ungarische Dobostorte mit sechs Böden, eine Schokoladentorte mit ursprünglich acht bzw. neun dünnen Böden. Diese sollten die damaligen acht Regierungsbezirke in Bayern bzw. die neun Kinder König Ludwigs I. symbolisieren. Der Name „Prinzregententorte“ soll mit Zustimmung des Prinzregenten Luitpold verwendet worden sein; eine entsprechende schriftliche Genehmigung wird in der Familienchronik erwähnt, ist jedoch nicht erhalten geblieben. Die Torte verbreitete sich rasch über München hinaus und wurde bald auch von anderen Konditoreien hergestellt.

Literatur Gerti Fluhr-Meyer: Gabriel von Seidl – Gründer des Isartalvereins. In: Berichte der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, Bd. 22, 1998, S. 5–14. Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der Hofbäckerei Seidl. Haus der Bayerischen Geschichte: Artikel Seidl, Anton (1844–1898). Bayerisches Künstlerlexikon München.

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