Die Brauerei Höcherlbräu, später unter dem Namen Browary Chełmińskie Towarzystwo Akcyjne (deutsch: Kulmer Brauerei Aktiengesellschaft), war eine Brauerei in der ehemaligen westpreußischen Stadt Kulm, die zwischen 1874 und 1933 existierte. Sie war zeitweise eine der größten Brauereien Westpreußens.
Geschichte Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1874 durch den im oberpfälzischen Hohenwarth geborenen Aloys Höcherl (* 9. September 1830, † 15. Juli 1884), der vermutlich in der dortigen im Jahr 1763 gegründeten Schlossbrauerei den Brauer-Beruf erlernte und im Jahr 1859 mit seiner Ehefrau Anna Maria Greiner nach Westpreußen zog.
Anfangs arbeitete er in der seit mindestens 1845 im Schloss Grubno existierenden Guts-, bzw. Schlossbrauerei als Braumeister, bis er sich gegen eine Rückkehr nach Bayern entschied und stattdessen im Jahr 1874 in der Bisschofsstraße (die heutige ulica Biskupia) in der Stadt Kulm die stillgelegte ehemalige Eitner'sche Brauerei erwarb. Diese kaufte er für 27.000 Mark, um sie als eine moderne Lagerbier-Brauerei für bayrische Lagerbiere zu nutzen. Am 15. August 1874 wurde dort das erste Bier, ein Einfachbier, gebraut.
Die Eitner'sche Brauerei hingegen selbst wurde den Quellen nach ursprünglich als Brauerei für „Bier englischer Art“ im Jahr 1784 durch einen Herrn Mater, welcher der Amtmann von Gollub war, gegründet. Durch fehlende finanzielle Mittel wurde das Projekt 1790 aber bereits wieder eingestellt. Die Brauerei wurde später womöglich von einem „Andr. Eitner“ aus Schwetzkau neu gegründet. Die geplante Gründung einer Kulmer Brauerei durch Amtmann Mater lässt sich unter anderem darauf zurückführen, dass Friedrich der Große das regionale Brauwesen nach der preußischen Inbesitznahme fördern wollte. In der nahegelegenen Stadt Graudenz ließ er sich 1779 über das Brauwesen durch das Vorlegen der noch existierenden Braustatue bzw. Braurechte Kulms informieren. Ein weiterer Grund war, dass das Bier in den drei bereits vorhandenen Brauhäusern von schlechter Qualität gewesen sei, „sodass die Eitner'sche Brauerei ihre Entstehung Friedrich dem Großen verdanke“.
Der in Landshut im Jahr 1848 geborene Wolfgang Geiger, der in einer kleinen Brauerei seine Ausbildung zum Brauer absolviert hatte und nun für 1,5 Jahre auf Wanderschaft ging, stieß in Kulm auf den bereits gesundheitlich angeschlagenen Höcherl, der ihn einstellte. Nach dem Tod Höcherls heiratete Anna Maria Greiner Wolfgang Geiger.
Anfang der 1880er Jahre betrug der jährliche Bierausstoß bereits rund 25.000 Hektoliter. Die Brauerei nutzte anfangs Pferde, wobei man früh auf Eisenbahnwaggons und Lastkraftwagen setzte. Auf verschiedenen Ausstellungen gewann das Bier der Brauerei mehrere Medaillen. Der Erfolg der Brauerei und die geplante Übernahme durch Aloys Höcherl jr. ließen es zu, die Brauerei umzubauen und an die modernsten Standards der Technik anzupassen. Dennoch entschied sich Aloys Höcherl jr. dagegen, die Brauerei zu übernehmen, da er mit seinem Bruder Franz nach Oliva bei Danzig zog.
Wegen des Desinteresses der Söhne die Brauerei zu übernehmen, wurde diese 1896 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Aloys Höcherl jr. und Franz Höcherl wurden Mitglieder im Aufsichtsrat. Noch bis ins Jahr 1927 gehörte Aloys Höcherl jr. dem Aufsichtsrat der Brauerei an. Zu dieser Zeit war das Unternehmen die vierte Brauerei-Aktiengesellschaft in der Provinz Westpreußen und die zweitgrößte westpreußische Aktienbrauerei neben der Danziger Aktienbrauerei aus Danzig-Langfuhr, der Brauerei Englisch Brunnen aus Elbing und der Aktienbrauerei Kunterstein aus Graudenz. Neben dem Absatzgebiet in Westpreußen exportierte die Brauerei auch nach Ostpreußen, Posen und Schlesien. In verschiedenen westpreußischen Städten sowie im schlesischen Breslau besaßen sie auch eigene Gaststätten. Für den Ausschank wurden Bierkrüge mit Zinndeckeln verwendet, auf denen das Logo der Brauerei, bzw. das damalige Wappen der Stadt Kulm, ein Ordensritter auf einem Pferd, zu sehen war.
1902 starb Anna Höcherl-Geiger, die sich bereits vorher schon aus der Brauerei zurückgezogen hatte.
Ende der Brauerei Der Erste Weltkrieg, die Zwischenkriegszeit und die Weltwirtschaftskrise sorgten für ein langsames Ende der Brauerei. Ab 1920 gehörte Kulm zu Polen und viele Deutsche verließen die Stadt. Die Brauerei musste sich notgedrungen den neuen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen anpassen und firmierte nun offiziell unter dem polnischen Namen Browary Chełmińskie Towarzystwo Akcyjne (Kulmer Brauerei Aktiengesellschaft). Auch das Logo der Brauerei wurde geändert: Der deutsche Ordensritter musste durch die Silhouette des Kulmer Rathauses ersetzt werden.
Gebraut wurde in dieser Zeit wegen einem deutlich geringeren Bierkonsum der stetig wachsenden polnischen Bevölkerung sowie der damaligen polnischen Biersteuer nur alkoholarmes Bier. Die schwierige wirtschaftliche Lage führte letztendlich zum Ende der Brauerei im Jahr 1933, wobei zumindest die Mälzerei noch bis ins Jahr 1945 – unter anderem auch während des Zweiten Weltkrieges von den Deutschen – weiterbetrieben wurde.
Die Gebäude der Brauerei existieren z. T. noch bis heute, wobei sie in andere Nutzungen übergegangen sind.
Sortiment Das Sortiment der Brauerei umfasste die folgenden Sorten:
Einfachbier Helles Lagerbier Dunkles Lagerbier Pilsner Bier Märzenbier Karamell-Malzbier Dunkles Exportbier (nach Kulmbacher Art) Porter Alkoholarmes Bier (mit nur 2,5 vol.% Alkohol wegen der polnischen Biersteuergesetze in der Zwischenkriegszeit)
Quellen
Kategorie:Brauerei (Polen) Kategorie:Chełmno Kategorie:Unternehmensgründung 1874