Max-Peter Meyer (* 3. November 1892 in München; † 18. November 1950 in Tutzing) war ein deutscher Komponist.
Leben Max-Peter Meyer wurde 1892 als Sohn von Sigmund Meyer (* 1858 in München, ermordet in Theresienstadt am 18. August 1942) und Hedwig Meyer, geb. Weinberger (* 1868 in Nürnberg; † 9. Juni 1939 in München) in München geboren. Seine Familie führte die Münchner Bank Herzog & Meyer. Elfjährig erhielt Max-Peter seinen ersten Fotoapparat geschenkt und begann, „Photographische Tagebücher“ zu führen. Ab 1904 besuchte er die Handelsschule der Königlichen Haupt- und Residenzstadt München.
Im Ersten Weltkrieg leistete Meyer freiwilligen Sanitätsdienst. Nach dem Krieg trat er in die väterliche Bank ein. Die Kriegserlebnisse, die er auch in „Photographischen Kriegstagebüchern“ festgehalten hat, sowie der frühe Tod seiner jüngeren Schwester Elsa (1896–1916) führten ihn zum Komponieren. 1927/28 erhielt er in München Kompositionsunterricht unter anderem bei Hugo Röhr; im Kloster Ettal wurde er 1928 Orgelschüler von Augustin Kessler. 1927 heiratete er Helene Gutacker (1903–1962).
1935 musste die Bank Herzog & Meyer ihren Geschäftsbetrieb einstellen. Max-Peter Meyer und seine Frau übersiedelten wegen der zunehmend antisemitischen Übergriffe in München nach Oberammergau, wohin sie schon länger freundschaftliche Kontakte pflegten. Max-Peter ließ sich katholisch taufen und seine Frau, bis dahin evangelischer Konfession, konvertierte zum Katholizismus. Meyer engagierte sich aktiv in der Kirchenmusik der Oberammergauer Gemeinde, war als Musiklehrer und Organist tätig und begann, kirchenmusikalische Werke zu komponieren.
Während der Novemberpogrome 1938 wurde Meyer am Morgen des 10. November in seinem Haus von örtlichen SA-Männern überfallen, die Einrichtung zerstört und er selbst durch Oberammergau getrieben. Vom 11. November bis 6. Dezember 1938 war er im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Mit Hilfe des Abts Angelus Kupfer der Abtei Ettal konnte er 1939 nach England emigrieren. Dort lebte er bei der Familie von Gottlob Henne, dem Kirchenvorstand der deutschen reformierten Gemeinde St. Paul, Whitechapel, und nahm am London College of Music ein Musikstudium auf. Bei Henne lernte er Dietrich Bonhoeffer kennen, der ihm seine Hilfe bei der Vorbereitung einer Emigration in die USA anbot.
Am 27. Juni 1940 wurde Meyer als „enemy alien“ in Großbritannien interniert und mit der HMS Dunera nach Australien verschifft. An Bord komponierte er die Dunera-Mass für Männerchor a cappella. In Australien wurde er im Lager Hay, später im Lager Tatura interniert. Im Rahmen der Kultur- und Bildungsangebote innerhalb des Lagers erteilte Meyer Unterricht in Musikgeschichte und -theorie, gab Gesangsunterricht und leitete einen Chor, für den er auch komponierte. Am 30. November wurde er aus Tatura entlassen und zurück nach England verschifft, wo er eine Lehrtätigkeit am London College of Music aufnahm.Meyer hat am London College of Music folgende akademische Titel erworben: As. mus. [Associate of Music] und Lic. mus. [Licentiate in Music], vgl. Brief an Erzbischof Giovanni Panico, Apostolischer Delegat in Australien, vom 8. Januar 1942, National Archives of Australia, NAA: A367, C75250, S. 13 f.
Ab 1945 fügte er seinem Namen stets die Abkürzung „F.L.C.M.“ [Fellow of the London College of Music] an.
1947 nach Deutschland zurückgekehrt, ließ er sich wieder in Oberammergau nieder. Er nahm eine musikalische Tätigkeit für die Passionsfestspiele auf und es wurde ihm zunächst zugesichert, ihn zum Leiter der Musikschule zu berufen. Nach der Wiederwahl von Raimund Lang zum Bürgermeister (er war bereits von 1933 bis 1945 Bürgermeister von Oberammergau) kam es jedoch nicht mehr dazu.
Am neu gegründeten Jugendkulturwerk der Stadt München fungierte er als Musikdirektor. In diesem Zusammenhang entstand eine umfangreiche musikpädagogische Abhandlung – „Meisterwerke der Musik und ihre Deutung. Für die Jugend“ –, deren Typoskript sich in der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek (A-Wn Mus. Hs. 42049) erhalten hat.
Am 18. November 1950 starb Max-Peter Meyer in Tutzing und wurde auf dem dortigen Alten Friedhof begraben.
Werke (Auswahl) In eckigen Klammern sind die Aufbewahrungsorte der Musikalien mit dem RISM-Bibliothekssigel angegeben.
Lieder
Drei Lieder op. 5 Zwei Lieder op. 7 (Nr. 1: Heilung (Ernst von Wildenbruch), Nr. 2: Liederschmuck (Ernst von Wildenbruch); Hofmusikverlag Ferdinand Zierfuß, München) Drei Lieder op. 8 (Nr. 1: Nachtgang (Hermann Hesse) verlegt im Hofmusikverlag Ferdinand Zierfuß, München) 12 Kinderlieder op. 9 Vier Lieder op. 10 (Nr. 1: Flieder (Otto Julius Bierbaum) und Nr. 3: Abendfeier (Felix Dahn) verlegt im Hofmusikverlag Ferdinand Zierfuß, München) Am Strande op. 12 (Hermann Almers) (Hofmusikverlag Ferdinand Zierfuß, München) Zwei Lieder op. 13 (Nr. 1: Der Holzhacker (Carl Siebel), Nr. 2: Im Walde (Paul Heyse); Hofmusikverlag Ferdinand Zierfuß, München) Abend am Teich op. 15 Zwei Lieder op. 16
Orchester- und Kammermusik
Serenade für zwei Violinen und Klavier op. 6 Klaviertrio D-Dur op. 11 Streichquartett G-Dur Klavierquartett D-Dur op. 24 (Sonnenquartett) (UA 31.10.1931) [Abschrift A-Wn Mus. Hs. 37707] Klavierquartett C-Dur (Heimaterde) Klavierquintett op. 26 Bilderbogen. Ballettsuite Der Garten. Tanzspiel (1941) Romantische Rapsodie [sic]. Orchesterstudie op. 25 [Abschrift A-Wn Mus. Hs. 37708] 121., 126., 128. Psalm op. 20 für Solostimme, Orgel und Orchester [Abschrift A-Wn Mus. Hs. 37551]
Kirchenmusik
Missa in d-Moll (Dunera-Mass) für Männerchor a cappella (UA 1940, HMS Dunera); auch in einer Fassung für gemischten Chor und Orgel Missa in C-Dur (Hay-Mass) für einstimmigen Chor und Orgel (UA 1941, Camp Hay, Australien) [Autograph A-Wn Mus. Hs. 37545] Missa in F-Dur (Weihnachtsmesse) für vierstimmigen Chor und Orgel (1942/45; UA 1949 Garmisch-Partenkirchen) [Autograph D-Mb Mus. Hs. 455] The Children's Mass, written for the Catholic children of Uttoxeter/Staffordshire (einst. Chor und Orgel) [A-Wn Mus. Hs. 37546] Cantate Domino für vierstimmigen Chor und Orgel [A-Wn Mus. Hs. 37549]
Schauspielmusik
Musik zu Goethes Faust (UA Camp Hay, Australien, Dezember 1941) Musik zum „Übungsspiel“ Der verlorene Sohn (UA 1947 in Oberammergau)
Weblinks
Meyer, Max. In: Claudia Maurer Zenck, Peter Petersen, Sophie Fetthauer, Friedrich Geiger (Hg.): Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit. Universität Hamburg, 2020
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1892 Kategorie:Gestorben 1950 Kategorie:Mann