mini|Das Westende der Drususallee am Gebäude von Eurac Research mini|Die Drususallee gegen den Rosengarten auf einer Postkarte der 1950er Jahre Die Drususallee (auch: Drususstraße; ) ist eine ca. 3 km lange Straße, die zu den wichtigsten Ost-West-Verbindungen der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen gehört. Im östlichsten Teilstück komplett im Stadtviertel Gries-Quirein, in weiterer Folge an dessen Südgrenze zu den Vierteln Europa-Neustift und Don Bosco gelegen, führt sie von der 1931 errichteten Drususbrücke über die Talfer durch die westlichen Stadtteile bis zur Verzweigung in Meraner Straße und Sigmundskroner Straße (Richtung Überetsch). Am Hadrianplatz treffen aus nördlicher Richtung die Italienallee und aus südlicher Richtung die Romstraße auf den Straßenzug.
Historisch ist die Straße vor allem mit der tiefgreifenden Umgestaltung Bozens während der faschistischen Herrschaft verbunden. Namensgeber war der römische Feldherr Drusus, Stiefsohn des Augustus, der 15 v. Chr. gemeinsam mit seinem Bruder Tiberius einen römischen Alpenfeldzug leitete. Ob Drusus durch das heutige Bozner Stadtgebiet zog, ist nicht zweifelsfrei nachweisbar. Die antike Straßenstation Pons Drusi („Brücke des Drusus“), deren genaue Lage unbekannt ist, wird traditionell mit dem Bozner Raum in Verbindung gebracht. Die Benennung war politisch aufgeladen, da sich das Regime auf die vermeintliche Kontinuität zwischen dem antiken Rom und dem Staat Mussolinis berief. Die Benennung von Allee und Brücke sollte dabei Bozens Zugehörigkeit zur italienischen Romanità historisch legitimieren.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Drususallee von einer symbolisch intendierten Stadterweiterungsachse zu einer dicht bebauten Hauptverkehrsstraße. Neue Geschäfts- und Wohnviertel entstanden auf den ehemals agrarisch geprägten Flächen, so etwa im Graul und im Neufeld.Zu den der späteren Verbauung voraufgehenden historischen Großfluren s. Richard Staffler: Die Wasserleegen in der Bozner Gegend. Ein Beitrag zur Geschichte der etschländischen Wirtschaftsverfassung (= Bozner Jahrbuch für Geschichte, Kultur und Kunst 5). Bozen 1931/1934, S. 113–167, hier S. 136ff.
Öffentliche Funktionen am Straßenzug haben (von West nach Ost) das Sozialwissenschaftliche und Kunstgymnasium „Giovanni Pascoli“, das Südtiroler Zivilschutzzentrum (mit der Berufsfeuerwehr und der Verkehrsmeldezentrale), die Mittelschule „Ada Negri“, die Fachoberschule im technologischen Bereich „Max Valier“, ein weitläufiges von den Carabinieri genutztes Militäreal (früher österreichisches Lazarett)Strade e piazze di Bolzano. Hrsg. von UPAD Bozen, Bozen 2002, S. 123. sowie das multidisziplinäre Forschungszentrum Eurac Research nahe der Drususbrücke.
In ihrem westlichen Abschnitt war die Straße ursprünglich beidseits von Pappeln gesäumt (daher: Allee), die – da aufgrund ihres Alters brüchig geworden – um 2010 gefällt und durch Radwegkorridore ersetzt wurden.
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1930er Jahren Kategorie:Straße in Bozen Kategorie:Geschichte Bozens Kategorie:Straße in Europa