Die Fontaines Salées (Salzige Quellen) sind ein archäologischer Fundplatz in Frankreich. Sie liegen bei Saint-Père und Foissy-lès-Vézelay im Département Yonne in der Region Burgund-Franche-Comté. Sie liegen rund drei Kilometer südöstlich von Vézelay im Tal der Cure. Der Fundplatz umfasst Überreste vorgeschichtlicher Brunnenanlagen sowie einer gallo-römischen Thermenanlage und zählt zu den bedeutendsten archäologischen Stätten Burgunds. Die Anlage steht seit 1937 als Monument historique unter Denkmalschutz.
Geologie Die Fontaines Salées verdanken ihre Entstehung einer geologischen Besonderheit am Nordrand des Morvan. Vor etwa 180 Millionen Jahren in der Jurazeit war die Region von einem Meer bedeckt, das sich im Laufe der Zeit zurückzog und dabei in der Tiefe Salzlagerstätten ablagerte. Sickerwasser, das über diese Sedimente fließt, reichert sich mit Natriumchlorid an und steigt an die Oberfläche, sobald es auf zwei geologische Verwerfungen trifft, die an diesem Standort aufeinandertreffen.bfcnature.fr Die Quellen weisen eine nahezu konstante Temperatur von etwa 16 °C auf und bildeten über Jahrtausende die Grundlage für die Nutzung des Ortes.
Geschichte
Der Historiker René Louis (1906–1991) suchte im Tal der Cure nach Spuren der in der Chanson de geste von Girard de Roussillon geschilderten legendenhaften Schlacht von Vaubeton, die den Kämpfen zwischen Karl dem Kahlen und Girart de Roussillon zugeschrieben wird. Dabei entdeckte er Überreste einer gallo-römischen Thermenanlage sowie deutlich ältere vorgeschichtliche Siedlungsspuren.arbre-celtique
Zu den ältesten Befunden gehören hölzern ausgekleidete Brunnen aus dem Ende des 3. Jahrtausends v. Chr., deren Eichenverschalungen außergewöhnlich gut erhalten sind. Sie dienten der Fassung des salzhaltigen Quellwassers, das vermutlich zur Salzgewinnung und damit zur Konservierung von Lebensmitteln genutzt wurde. Daneben wurden Feuerbestattungen aus der späten Bronzezeit (ca. 1350–850 v. Chr.) freigelegt.
Während der römischen Kaiserzeit entstand an dieser Stelle eine Thermenanlage, die zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert mehrfach erweitert und umgebaut wurde. Nach heutigem Forschungsstand wurden die salzhaltigen Quellen nicht mehr zur Speisung der Bäder genutzt, da die vorgeschichtlichen Brunnen bereits durch Ablagerungen der Cure verschüttet waren. Das erforderliche Süßwasser stammte wohl aus bislang nicht lokalisierten Quellen. Die Funktion einzelner Gebäudeteile ist noch teilweise ungeklärt.
Im 3. Jahrhundert wurde die Anlage im Zusammenhang mit den germanischen Einfällen zerstört. Die Quellen blieben jedoch weiterhin zugänglich und wurden von der Bevölkerung genutzt. Nach der Einführung des königlichen Salzmonopols (Gabelle) im 14. Jahrhundert schöpften Salzschmuggler (faux sauniers) trotz Verbots Wasser aus den Fontaines Salées, um die Salzsteuer zu umgehen. Im 17. und 18. Jahrhundert ließ die königliche Verwaltung die Quellen verschließen; danach geriet der Ort in Vergessenheit.Infotafeln vor Ort
Ausgrabungen und heutige Nutzung Seit ihrer Wiederentdeckung wurden die Fontaines Salées in mehreren Grabungskampagnen archäologisch untersucht. Die Funde dokumentieren eine nahezu ununterbrochene Nutzung des Ortes über mehr als vier Jahrtausende. Besonders bedeutsam sind die vorgeschichtlichen Holzbrunnen, die zu den ältesten erhaltenen Holzkonstruktionen Frankreichs zählen.Infotafeln vor Ort
Der Ort ist für Besucher zugänglich. Auf zahlreichen Tafeln wird erklärt, es werden Führungen angeboten. Ein 2016 vom Architekten Jean-Paul Philippon gebautes Besucherzentrum informiert über die Geschichte der Quellen, die archäologischen Untersuchungen, die geologischen Besonderheiten des Fundplatzes und zeigt Fundgegenstände.
Einzelnachweise
Weblinks
Webauftritt Saint-Père patrimoinedumorvan.org bourgogne-tourisme.com arbre-celtique.com bfcnature.fr
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