mini|Espen Skjønberg (Foto 1988) Espen Henrik Skjønberg (* 7. April 1924 in Christiania; † 26. August 2022) war ein norwegischer Schauspieler, der in seiner 80 Jahre langen Karriere zahlreiche Rollen auf dem Theater, im Film und in Fernsehserien spielte. Er war an mehreren Osloer Bühnen engagiert, davon 30 Jahre am Nationaltheater. Er spielte in vielen Stücken von Ibsen und Shakespeare und dies auch als Gast an britischen und US-amerikanischen Bühnen. Als Charakterschauspieler mit Menschenkenntnis und ausdrucksvoller Spielweise überzeugte er auch in modernen Theaterstücken von Eugene O’Neill, Samuel Beckett, Edward Albee und anderen Dramatikern.
Zwischen 1932 und 2007 spielte Skjønberg in über 40 Kinofilmen, wobei er als 70-Jähriger für seine Hauptrolle in Secondløitnanten mit dem Amanda-Filmpreis ausgezeichnet wurde. Ab den 1990er Jahren galt er als „Grand Old Man“ des norwegischen Theaters und ging mit einem gleichnamigen Monolog erfolgreich auf Tournee. Er wurde mit zahlreichen Theaterpreisen ausgezeichnet und auch mit einem Preis für die Hauptrolle in der Fernsehserie Berlinerpoplene. Ab 2007 war er Kommandeur des Sankt-Olav-Ordens.
Espen Skjønberg entstammte einer Schauspielerfamilie, seine Eltern, sein Bruder, sein Sohn, seine beiden Nichten waren ebenfalls Schauspieler. Auch seine Frau Mona Hofland, mit der er 50 Jahre verheiratet war, hatte er als Kollegin im Theater kennengelernt. Sie spielten öfters gemeinsam, u. a. als Professor Higgins und Eliza Doolittle in My Fair Lady und als George und Martha in Wer hat Angst vor Virginia Woolf?.
Leben und Werk Familie mini|Henny Skjønberg mit ihren Söhnen Per, Pål und Espen (Foto 1967) Espen war einer von drei Söhnen des Schauspielerehepaars Conrad Eugen Skjønberg (1889–1971) und Henny Bucher Eide (1886–1973). Beide Eltern „gehörten zu den führenden Theater- und Filmschauspielern ihrer Zeit.“ Vor allem die Mutter, Henny Skjønberg, die fast vierzig Jahre am Det Norske Teatret engagiert war, erzielte Erfolge in Komödien wie z. B. Tante Pose (1940), die ab 1970 für Jahrzehnte ein fester Bestandteil des Weihnachtsprogramms des NRK war. Henny Skjønberg führte auch Regie und verfasste Theaterstücke für Kinder.
Espens älterer Bruder Pål Skjønberg (1919–2014) war ebenfalls vier Jahrzehnte am Det Norske Teatret als Schauspieler und Regisseur engagiert. Er zeichnete sich als „poetischer Darsteller“ aus, während seine „moderne Ausdrucksform“ auch in Stücken des Absurden Theaters (Harold Pinter, Eugène Ionesco) zur Geltung kam. Er war mit der Schauspielerin Elisabeth Bang verheiratet und Vater der Schauspielerinnen Hennika Skjønberg und Siv Skjønberg.
Ein weiterer Bruder, Per Skjønberg, „nahm nicht am ‚Familienabenteuer‘ teil“. Er wurde nicht Schauspieler und trat auch sonst nicht in der Öffentlichkeit hervor.
Espen Skjønberg war zweimal verheiratet. 1947 schloss er die Ehe mit der Balletttänzerin Margrete („Lillete“) Ree (1921–1976), Tochter von Nils Ørnulf Ree und Ebba Kjær. Der gemeinsame Sohn Jo Skjønberg (* 17. November 1949) gründete und leitete drei Theater, 1977 das Torshovteatret, 1983 das Vikateatret in den ehemaligen Räumlichkeiten von Akers Mek. Verksted in Aker Brygge, 2003 das Vardeteatret, das mit gegenwärtigen und ehemaligen Gefängnisinsassen arbeitet.
Nach der Scheidung der Ehe mit Margrete heiratete Espen Skjønberg am 10. Mai 1959 erneut, die Schauspielerin und Sängerin Mona Hofland (* 24. Juni 1929 in Bergen; † 11. Februar 2010 in Oslo), Tochter des Kellners Franz William Hofland (1899–1970) und der Elna Danielsen (1911–1996). Diese Ehe hielt fünfzig Jahre bis zum Tode Monas; sie blieb kinderlos.
Die beiden hatten sich bei einer Inszenierung von Ibsens Gespenster kennengelernt, in der sie in den Rollen des Osvald bzw. der Regine aufgetreten waren.
Trotz ihrer großen öffentlichen Bekanntheit hielten sie ihr Privatleben bedeckt: „Espen Skjønberg und Mona Hofland haben sich während ihrer gesamten Karriere vor dem Promi-Leben und der Klatschpresse geschützt und gemeinsam ein recht undramatisches Leben geführt. Wahrscheinlich haben sie in den vielen großen Rollen, die sie gemeinsam und jeder für sich gespielt haben, genug Drama gefunden.“ Sie teilen sich das Grab Nummer 20.228.00.032 auf dem Vestre gravlund.
Espen Skjønbergs Beisetzung fand 12 Tage nach seinem Tod, am 7. September 2022 um 13:00 in der Fagerborg kirke, Pilestredet 72, statt. In der Feier wurde Hamlets Monolog vorgetragen und unter den gesungenen Liedern befand sich eines von Edith Piaf.
Frühe Jahre Espen Skjønberg gab bereits als 8-Jähriger sein Debüt, als er 1932 einen kleinen Jungen in dem Film En glad gutt (Ein froher Bursch) nach einer der Bauerngeschichten von Bjørnstjerne Bjørnson spielte. Drei Jahre später stand er als „ein großer Junge“ in Jul på Ravnsholt (Weihnachten in Ravnsholt) auf der Bühne des Nye Teaters. 1937 lieferte er sich im Film Fant (Landstreicher) mit Toralv Maurstad einen Kampf zwischen Straßenjungen. Auch seine Eltern Eugen und Henny hatten Rollen in diesem Film.
In den 1940er Jahren war Skjønberg Schüler am Det Nye Teater, bevor er 1945 sein Debüt als Erwachsener auf der Bühne des Chat Noir gab. 1945/1946 war er am Stavanger Teater beschäftigt, u. a. in Shaws Pygmalion und in Ibsens Wildente. 1946 erhielt er einen Ausbildungsvertrag am Nationaltheatret und trat dort drei Jahre lang auf, meist in kleinen Rollen.
Anschließend war er zehn Jahre am Det Nye Teater beschäftigt und weitere sieben Jahre an dessen Nachfolger, dem Oslo Nye Teater. In dieser Zeit 1949–1966 „machte er sich schon früh einen Namen als markanter Darsteller junger Männer mit problematischer Psyche.“ Für seinen Hamlet erhielt er 1954/1955 den norwegischen Kritikerpreis für Theater. 1957 spielte er Peer Gynt im Sommertheater im Frognerpark (erneut 1973 im Trøndelag Teater). Weitere zentrale Rollen waren der Titelheld in Camus’ Caligula, Osvald in den Gespenstern und Assessor Brack in Hedda Gabler.
1965–1968 trat Skjønberg mehrmals am Norske Teatret auf, u. a. als Josef K. im Process, als Jago im Othello und als Hjalmar Ekdal in der Wildente.
Nationaltheater mini|Espen Skjønberg und Ellen Horn in der Inszenierung von Anton Tschechows Der Kirschgarten am Nationaltheater. (März 1988) 1963 hatten Espen Skjønberg und Mona Hofland am Rogaland Teater als Professor Higgins und Eliza in My Fair Lady gastiert. 1968 wurden die beiden von Arild Brinchmann an das Nationaltheatret verpflichtet, wo sie gemeinsam in einer Reihe anspruchsvoller Stücke auftraten. Sie spielten George und Martha in Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, Edgar und Alice in Strindbergs Totentanz, Macbeth und seine Lady in Macbeth (Den Nationale Scene 1972), Wanja und Jeléna Serebrjaków in Onkel Wanja (Rogaland Teater 1972), Karlsen und Margit in Lever du'a, Karlsen?. Das letztgenannte Stück war die Eröffnungsvorstellung des Torshovteatret, das von Jo Skjønberg 1977 als bydelsscenen (Stadtteiltheater) und „Außenstelle“ des Nationaltheaters gegründet wurde. Viele Jahre später spielten Espen Skjønberg und Mona Hofland gemeinsam in den Fernsehserien Vestavind (Westwind, 1994–1995) und Familiesagaen de syv søstre (Die Familiensaga der sieben Schwestern, 1996–2000).
„Am Nationaltheater etablierte sich Skjønberg nach und nach als der führende Charakterdarsteller seiner Generation in männlichen Rollen.“ Er glänzte besonders in unsympathischen, oft dämonischen, Rollen, wie Gogols Revisor, Shakespeares Richard III., Puschkins Boris Godunow oder Brendel in Ibsens Rosmersholm. Gleichermaßen anspruchsvolle, aber sympathischere Charaktere verkörperte er als Helmer im Nora oder Ein Puppenheim, als Tyrone in Eines langen Tages Reise in die Nacht oder als König Lear. 1993 spielte er gemeinsam mit Toralv Maurstad in Ronald Harwoods Der Ankleider. Die beiden wechselten sich in den beiden Hauptrollen, dem Bühnenstar und seinem Garderobier, ab.
1995 ging Espen Skjønberg in den Ruhestand und als Abschiedsvorstellung spielte er Lessings Nathan. Er trat aber noch später im Nationaltheater als Gast auf, zuletzt 2017 als der greise Diener Firs in Tschechows Kirschgarten. Während seiner „aktiven“ Zeit spielte er zwei wichtige Rollen als Gast an anderen Theatern, den Mephisto im Faust (Det Norske Teatret 1985) und Phil Hogan in O’Neills Ein Mond für die Beladenen (Oslo Nye Teater 1976). Das Stück von O’Neill, in dem auch Liv Ullmann und Toralv Maurstad mitspielten, wurde auch international beachtet: „Espen war immer gut. So auch als Phil Hogan […] Das ist übrigens wohl das einzige Mal, dass Oslo Nye Kritiker sowohl aus London als auch aus New York im Saal hatte.“
Auslandsauftritte
Espen Skjønberg ist einer der wenigen norwegischen Schauspieler, die auch außerhalb Skandinaviens bekannt wurden. In den 1980er Jahren gastierte er an mehreren britischen und amerikanischen Bühnen in Stücken von Shakespeare, Ibsen und Sophokles. Sein erstes Engagement am Royal Exchange Theatre in Manchester, „das Skjønberg als sein zweites Zuhause bezeichnete“, für die Hauptrolle in Arthur Millers Tod eines Handlungsreisenden traf auf den Widerstand der englischen Schauspielergewerkschaft, die die Rolle nur einem englischen Schauspieler anvertrauen wollte. Der Konflikt wurde durch die Kulturministerien der beteiligten Länder beruhigt. Skjønberg glänzte in dieser und in späteren Rollen (z. B. Ulrik Brendel in Ibsens Rosmersholm 1981, Der alte Ekdal in der Wildente 1983, Shylock im Kaufmann von Venedig 1987).
Für die Rolle des Tschebutykin in Tschechows Drei Schwestern 1985 am Royal Exchange Theatre wurde Skjønberg von der British Theatre Association mit dem Drama Award ausgezeichnet. Auch sonst waren die 1980er Jahre reich an Auszeichnungen: Hintereinander erhielt Skjønberg die Aamotstatuette (1980), den Ehrenpreis der Freunde des Nationaltheaters (1984), zwei Preise vom Theaterleiterverband (1985 bzw. 1987) und den Ehrenpreis des Norwegischen Kulturrats (1989).
Skjønbergs Rolle als General Michaelov in der britischen Fernsehfilmproduktion Codename: Kyril (1988) war sein einziger Auftritt in einem nicht-norwegischen Filmprojekt. Die in der Sowjetunion spielenden Szenen dieses Spionagethrillers wurden übrigens in Oslo gedreht.
Film, Fernsehen und Hörspiel mini|Espen Skjønberg (zweiter von rechts) unter anderem mit Inger Marie Andersen (rechts) in Kåre Bergströms Andrine und Kjell (1952). Neben seiner Theatertätigkeit spielte Espen Skjønberg in rund fünfzig Filmen und Fernsehproduktionen unterschiedlichen Inhalts. In den 1950er Jahren waren es leichtfüßige Liebesfilme (wie Andrine og Kjell) und Verwechslungskomödien (z. B. Kasserer Jensen). Besser in Erinnerung blieb er als Ola Berg in Vi vil skilles (1952), Jon Skaub in Arven (1979) und als Martin in En håndfull tid (1989). Im letztgenannten Film, einer jener, „die in der norwegischen Filmgeschichte Spuren hinterlassen haben“, spielt Skjønberg einen alten Mann auf der Suche nach seiner Jugendliebe.
Für seine beiden größten Filmerfolge wurde Espen Skjønberg mit jeweils einem Amandaprisen ausgezeichnet: Für Secondløitnanten mit dem Preis für die beste männliche Hauptrolle 1994 bzw. für O’ Horten mit dem Preis für die beste Nebenrolle 2008. Als Secondløitnanten Thor Espedal leistet er grotesken Widerstand gegen die 1940 in Norwegen eindringende Wehrmacht. Als „bis in die Fingerspitzen eleganter und verwirrter Exzentriker“ Trygve Sissener stiftet er den pensionierten Lokführer Odd Horten zu leichtsinnigen Eskapaden an.
Skjønberg wirkte in einer Reihe von Produktionen des Fjernsynsteatret (Fernsehtheater) mit, einer Abteilung des NRK, die mit einem festen Ensemble Stücke inszenierte, die im Fernsehprogramm ausgestrahlt wurden. Z. B. wurden Der Process nach Kafka (1962) und Die Wildente von Ibsen (1970) mit Skjønbergs Mitwirkung aufgezeichnet.