Die Massaker von Bruckenthal bezeichnen eine Reihe von Angriffen, die von ukrainischen Polizisten und einer Einheit der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA), welche die polnische Heimatarmee bekämpfte, unter Mitwirkung eines Teils der ukrainischen Bevölkerung an den polnischen und deutschen Bewohnern des Dorfes Bruckenthal verübt wurden. Diese Angriffe gehören zu den sogenannten Massakern in Wolhynien und Ostgalizien und es waren im Unterschied zu anderen Massakern auch galiziendeutsche zivile Opfern zu verzeichnen.
Vorgeschichte Bruckenthal war ursprünglich eine deutsche Kolonie gewesen, die im Jahr 1786 gegründet worden war. Im Jahr 1940 wurde der Großteil der deutschen Bevölkerung umgesiedelt. Ihre Häuser wurden von der umliegenden Bevölkerung übernommen, hauptsächlich von Polen. 1943 lebten im Dorf noch etwa 10 deutsche Familien, 10 ukrainische Familien und 45 polnische Familien.
Aufgrund von Berichten über Raubüberfälle und Angriffe der UPA bewaffnete die Dorfverwaltung im Jahr 1943 ein Teil der Einwohner von Bruckenthal mit Gewehren und organisierte eine Art Selbstschutzverband. Dieser bestand neben den Deutschen auch aus mehreren polnischen Dorfbewohnern. Die Einrichtung eines Selbstschutzes erfolgte auch aus Misstrauen gegenüber der im Ort eingesetzten ukrainischen Polizei, wobei es wiederholt zu Spannungen und Konflikten kam.
Verlauf Kurz vor Weihnachten 1943 erfolgte ein nächtlicher Überfall auf drei Häuser in Choronów, einem Dorf zwischen Domaszów und Chlewczany, direkt südöstlich von Bruckenthal. Dabei kamen 16 Angehörige der polnischen Familien Wolf (drei Opfer), Łuszkiewicz (12 Opfer) und ein Säugling der Familie Jardecki ums Leben. Im Januar 1944 wurden in Choronów weitere 6 Personen ermordet.
Im März 1944 wurde das Haus des Ortsvorstehers Scheller überfallen und beraubt. Die mit den Ermittlungen beauftragte ukrainische Polizei beschuldigte daraufhin Stanisław Szota, einen polnischen Angehörigen der örtlichen Selbstschutzverbandes. Trotz der Fürsprache der Deutschen wurde Szota verhaftet. Einige Tage später fand man seine verstümmelte Leiche in der Nähe eines Dammes. Daraufhin wandte sich die Dorfverwaltung von Bruckenthal an die Gestapo in Rawa Ruska. Im Dorf wurde die Ankunft von Gestapobeamten erwartet, die die ukrainische Polizisten bzgl. des Vorkommnisse verhören sollten.
Ende des gleichen Monats wurde Bruckenthal jedoch von ukrainischen Polizisten eingenommen. Unterstützt wurden diese von einer Sotnia der UPA sowie bewaffneten ukrainischen Nationalisten aus den umliegenden Dörfern. Die ukrainischen Polizisten trugen dabei deutsche Uniformen, um die Dorfbewohner zu täuschen. Nachdem der örtliche Selbstschutz entwaffnet worden war, führten die Angreifer eine Selektion unter den Einwohnern von Bruckenthal durch. Die ukrainischen Einwohner wurden freigelassen, während Polen und Deutsche getötet wurden. Der Bürgermeister des Dorfes, Scheller, sowie seine Frau und zwei Kinder wurde in der Folge auch ermordet. Mehr als 100 Personen verbrannten in der hölzernen Kirche des Ortes. Sämtliche Häuser des Ortes wurden geplündert und niedergebrannt.
Bei den Massakern von Bruckenthal kamen etwa 200 Menschen ums Leben.Grzegorz Rąkowski, Przewodnik po Ukrainie Zachodniej. Część III. Ziemia Lwowska., Oficyna Wydawnicza Rewasz 2007, S. 57.Szczepan Siekierka, Henryk Komański, Krzysztof Bulzacki, Ludobójstwo dokonane przez nacjonalistów ukraińskich na Polakach w województwie lwowskim, S. 758
Literatur
Szcepan Siekierka, Henryk Komański, Krzysztof Bulzacki: Ludobójstwo dokonane przez nacjonalistów ukraińskich na Polakach w województwie lwowskim 1939–1947. Stowarzyszenie Upamiętnienia Ofiar Zbrodni Ukraińskich Nacjonalistów, 2006.
Einzelnachweise
Kategorie:Massaker (Zweiter Weltkrieg) Bruckenthal Kategorie:Geschichte (Oblast Lwiw)