mini|Michail Jelisarow, 2012 Michail Jurjewitsch Jelisarow (; * 28. Januar 1973 in Iwano-Frankiwsk, Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik, Sowjetunion) ist russischsprachiger Schriftsteller und Sänger-Liedschreiber. Er ist Preisträger des Russischen Booker-Preises (2008) für den Roman Der Bibliothekar, des Literaturpreises „Nationaler Bestseller“ (2020) für den Roman Die Erde und des Grigorjew-Poesiepreises (2020) für Das Orkische Lied.
Biografie Michail Jelisarow wurde am 28. Januar 1973 in Iwano-Frankiwsk geboren und wuchs in der Ukraine auf. Er schloss eine Musikschule mit dem Schwerpunkt Gesang ab. Im Jahr 1996 absolvierte er die Fakultät der Philologie der Charkiwer Staatlichen Universität. Da er im Fernformat studierte und kein Recht auf Vertagung hatte, wurde er zum aktiven Militärdienst einberufen und diente in den Ukrainischen Streitkräften.
Von 2001 bis 2003 machte er in Hannover eine Ausbildung zum Fernsehregisseur. Nach dem Abschluss zog er nach Berlin, wo er bis 2007 wohnte und arbeitete. Er ließ sich in Deutschland einbürgern und behielt dabei die ukrainische Staatsbürgerschaft.
2007 zog er nach Moskau um. Seit 2019 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Labor für moderne Algebra und Anwendungen der Staatlichen Universität Sankt Petersburg.
Literarische Laufbahn Im Jahr 2001 wurde die erste Novelle von Michail Jelisarow namens Die Fingernägel vom Verlag „Ad Marginem“ veröffentlicht, die von zwei über paranormale Fähigkeiten verfügenden Schülern eines Internats für geistig behinderte Kinder handelt. Dieses Werk lenkte die Aufmerksamkeit des Publikums auf Jelisarow sowohl in Russland als auch im übrigen Europa.
2003 erschien sein Roman Pasternak, der von vielen Kritikern als bösartige Satire auf liberale Werte aufgefasst wurde. Dieses Werk löste hitzige Debatten zwischen Anhängern verschiedener politischer Lager in russischen literarischen Kreisen aus.
Im Jahr 2007 kam sein Roman Der Bibliothekar heraus, dessen Handlung sich dem Kampf geheimer Gruppen um den Besitz von Exemplaren der Werke eines fiktiven sowjetischen Schriftstellers, die aus unbekannten Gründen magische Eigenschaften besitzen, widmet. 2008 wurde Jelisarow für dieses Werk mit dem Russischen Booker-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2023 wurde eine auf der Handlung des Romans basierende Serie mit Nikita Jefremow in der Hauptrolle in das Videoportal „Wink“ gestellt.
Der Bildungsroman Die Zeichenfilmchen wurde 2011 veröffentlicht. Im Jahr 2020 wurde ein auf der Handlung des Romans basierendes Stück von einem Theater in Nowosibirsk inszeniert.
Im Jahr 2019 kam Jelisarows Roman Die Erde heraus, dessen Handlung sich um Beziehungen im Dreieck zwischen zwei Brüdern, die ein Bestattungsunternehmen zusammen gegründet haben, und einer jungen Frau dreht. 2020 wurde Jelisarow für dieses Werk mit dem Literaturpreis „Nationaler Bestseller“ ausgezeichnet.
2025 erschien sein Roman Das Jammertal, der eine von Mystik durchdrungene Erzählung mit Elementen von Horror und Komödie über einen Kampf zwischen Gut und Böse darstellt.
Musikalische Laufbahn Seit 2010 führte Michail Jelisarow selbst geschriebene Lieder auf. Stand 2026 umfasst seine Diskografie dreizehn Alben.
Im Jahr 2020 gewann er den Grigorjew-Poesiepreis mit seinem Werk Das Orkische Lied, das sich der Handlung des Romans Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien aus der Sicht eines Orks widmet. Das Lied wurde kontrovers diskutiert.
Politische Ansichten Im Jahr 2007 – kurz nach dem Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft und dem Umzug nach Moskau – behauptete Michail Jelisarow, es sei ihm nach einigen Jahren des Aufenthalts in Europa bewusst geworden, dass die Westliche Welt immer der Feind Russlands gewesen sei und stets einen Informations- und Kulturkrieg gegen den russischen Staat und das russische Volk geführt habe. Er vertrat die Ansicht, keine echte Demokratie existiere in Europa, und die echte Macht werde von Eliten gehalten, die menschliches Bewusstsein durch Massenmedien manipulierten. Er gab an, der enorme Druck, der auf Russland ausgeübt werde, sowie die von westlichen Medien angewendete einseitige Weise der Vermittlung von Informationen seien unumstößliche Fakten für ihn. Zudem war er der Meinung, die nach Europa ausgewanderten Russen seien zu einem trostlosen Dasein verdammt und jene wenigen, die im Westen tatsächlich Erfolg hätten, erreichten dies gewissermaßen durch den Verrat an ihrem Heimatland, denn das „böse“ Russland lasse sich gut verkaufen, während das „gute“ Russland sich überhaupt nicht verkaufen lasse.
Jelisarow unterstützte 2014 die Volksmiliz in Donezbecken und äußerte sich negativ über ukrainische Politiker. Er war der Auffassung, die westliche Welt habe nach dem Zerfall der Sowjetunion aktiv eine antirussische, antisowjetische und antiorthodoxe Ideologie in den Köpfen der ukrainischen Bevölkerung verankert, und die Ereignisse von 2014 hätten diejenigen Kräfte an die Macht in der Ukraine gebracht, die nicht bloß prowestlich, sondern explizit antirussisch gewesen seien und deren Ziel gewesen sei, die Ukraine als Schachbauer im Rahmen des unerklärten Kriegs gegen Russlands zu opfern.
Seit dem 24. Februar 2022 äußerte er sich nicht zu den Russisch-Ukrainischen Krieg und hielt Distanz zu den sogenannten „Z-Medien“.
Weblinks
Offizielle Website von Michail Jelisarow
Einzelnachweise
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