Votienus Montanus war ein römischer Redner (orator), der während der Regierungszeit des Kaisers Tiberius (14–37 n. Chr.) wirkte. Er zählt zu den bedeutenderen Vertretern der frühen kaiserzeitlichen Rhetorik und ist vor allem durch die Schriften des älteren Seneca sowie durch Tacitus bekannt.

Leben Über das Leben des Votienus Montanus ist nur wenig bekannt. Nach den antiken Quellen stammte er aus Narbo Martius in der Gallia Narbonensis.Martial, Epigramme 8,72,5; Hieronymus, Chronicon, S. 173 Helm. Seine erste bekannte Gerichtsrede hielt er vor dem Centumviralgericht, wo er erfolgreich die wegen Giftmordes angeklagte Numisia Galla verteidigte.Seneca, Controversiae 9,5,15. Diese Rede wurde später in überarbeiteter Form veröffentlicht. Montanus veröffentlichte offenbar mehrere Reden und weitere Schriften. In ihnen erwähnte er wiederholt seinen Freund Marcus Marcellus, den er als hervorragenden Redner pries.Seneca, Controversiae 9,6,18; 9,5,14–15.

Später wurde Montanus selbst angeklagt. Seneca berichtet, dass Publius Vinicius Montanus auf Ersuchen seiner Heimatstadt Narbo Martius bei Kaiser Tiberius angezeigt habe. Montanus sei jedoch so sehr von der Welt der Rhetorenschulen geprägt gewesen, dass er noch am selben Tag, an dem Vinicius ihn anklagte, gesagt habe: „Der Vortrag des Vinicius hat mir außerordentlich gefallen“ (delectavit me Vinici actio).Seneca, Controversiae 7,5,12. Das Verfahren scheint jedoch ohne Verurteilung geendet zu haben.

Im Jahr 25 n. Chr. wurde Montanus wegen beleidigender Äußerungen gegen den Kaiser (crimen maiestatis) vor dem Senat angeklagt und verurteilt.Tacitus, Annalen 4,42,1–3. Anschließend wurde er auf die Balearen verbannt, wo er wenige Jahre später starb. Hieronymus nennt das Jahr 27 n. Chr. als Todesdatum,Hieronymus, Chronicon, S. 173 Helm. dessen Richtigkeit jedoch von der neueren Forschung angezweifelt wird.

Rhetorik Der ältere Seneca zählt Montanus zu den bedeutenden Rednern seiner Zeit und überliefert zahlreiche Aussprüche aus seinen Reden. Tacitus bezeichnet ihn als vir celebris ingenii („einen Mann von hervorragender Begabung“).Tacitus, Annalen 4,42,1. Seneca charakterisiert ihn zugleich als einen Redner von außergewöhnlichem Talent, dessen einziger wesentlicher Fehler darin bestand, besonders gelungene Gedanken zu häufig zu wiederholen.Seneca, Controversiae 9,5,15–17. Der Redner Mamercus Aemilius Scaurus pflegte deshalb scherzhaft zu sagen, Montanus sei unter den Rednern das, was Ovid unter den Dichtern seiSeneca, Controversiae 9,5,17. – also zwar außerordentlich begabt, aber mit zu großer Neigung zu kunstvoller Ausarbeitung und Wiederholung.

Montanus stand der zunehmenden Verlagerung der Redekunst in die rhetorischen Schulen kritisch gegenüber. Zwar nahm er selbst an Deklamationen teil, lehnte jedoch Schaureden ab, die lediglich dem Beifall des Publikums dienten. Berühmt ist sein Ausspruch: „Wer eine Deklamation verfasst, schreibt nicht, um zu siegen, sondern um zu gefallen“ (Qui declamationem parat, scribit non ut vincat, sed ut placeat).Seneca, Controversiae 9,1.

Außerdem verspottete er die Eitelkeit und Oberflächlichkeit einzelner zeitgenössischer Rhetoren, darunter Lucius Cestius PiusSeneca, Controversiae 9,6,10. und Fulvius Sparsus.Seneca, Controversiae 10,4,23.

Die Schriften des Votienus Montanus sind nicht erhalten. Bekannt ist lediglich seine Verteidigungsrede Pro Galla Numisia, die bereits in der Antike veröffentlicht wurde. Weitere Reden und Schriften sind nur durch Zitate und Erwähnungen, insbesondere bei Seneca dem Älteren, überliefert.

Literatur

Prosopographia Imperii Romani (PIR) ² (2015) V 998.

Einzelnachweise

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