Peter Gustav Christ-LeutholdAuszug Stamm Christ: Ältere Linie: Nachkommen Remigius Christ oo Gertrud Bischoff 1783 ff (* 23. Februar 1894 in Langenbruck, Kanton Basel-Landschaft; † 5. September 1944 am Piz Roseg, Graubünden) war ein Schweizer Geologe und Kartograf. Er wirkte von 1929 bis zu seinem Tod als Adjunkt der Geologischen Kommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft und spielte eine zentrale Rolle bei der Erstellung der Geologischen Generalkarte der Schweiz im Massstab 1:200 000.Hundert Jahre Schweizerische Geologische Kommission : Organ der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft : 1860–1960. Bern, 1960. Abschnitt zur Geologischen Generalkarte der Schweiz 1:200 000. 1960. S. 32–35.
Leben Peter Christ war der älteste Sohn des Arztes Alfred Christ-Paravicini und wuchs in Langenbruck sowie später in Basel auf. Nach der Maturität 1912 am Humanistischen Gymnasium in Basel studierte er Naturwissenschaften mit Schwerpunkt Geologie in Basel und Grenoble. 1919 wurde er mit einer Arbeit über das Klippengebiet Stanserhorn–Arvigrat promoviert.
Während des Ersten Weltkriegs wurde seine wissenschaftliche Arbeit mehrfach durch militärische Einberufungen unterbrochen; unter anderem war er als Militärgeologe zur Überprüfung von Trinkwasserverhältnissen im Wallis und im Jura tätig. Im selben Jahr wie seine Promotion heiratete er Bertha Leuthold von Meiringen. 1920 übersiedelte das Ehepaar nach Arzignano bei Vicenza, wo Christ die geologische Überwachung einer Braunkohlengrube übernahmHauer/Foetterle 1855, S. 130–131.Louis Vonderschmitt: Zur Erinnerung an Dr. Peter Christ. In: Basler Nachrichten, 11. September 1944.Zeitungsausschnitt: Dr. W. B.: Dr. Peter Christ †. In: National-Zeitung, 9./10. September 1944. und zugleich das vicentinische Bergland erforschte. Im Winter 1923 nahm Christ gemeinsam mit Francesco Meneghello das Gebiet der Guglie del Fumante in der Caregagruppe in den Kleinen Dolomiten (Piccole Dolomiti) topographisch auf; zu dieser Zeit gehörte er der Sektion Vicenza des Club Alpino Italiano an.Francesco Meneghello: Le Piccole Dolomiti e la scuola vicentina di roccia. In: Rivista Mensile del Club Alpino Italiano, Jg. 44, Nr. 10, Oktober 1925, S. 226.
Ende 1924 reiste Christ nach Venezuela, um im Gebiet der Llanos geologische Explorationen durchzuführen;Mehrere zeitgenössische Zeitungsberichte erwähnen Christ irrtümlich als früheren Geologen in Holländisch‑Indien; der fachliche Nachruf von August Buxtorf beschreibt stattdessen ausführlich seine Explorationsarbeiten in Venezuela, ohne eine Tätigkeit in Niederländisch‑Indien zu nennen. eine zweite, mehr als einjährige Reise folgte 1927 in die Staaten Falcón und Trujillo. Dabei entstanden geologische Karten, Berichte und Fossilfunde, die Grundlage weiterer wissenschaftlicher Arbeiten wurden.Die von Peter Christ auf seinen Venezuela-Expeditionen gesammelten Gesteine, Fossilien, Karten und Dokumentationen befinden sich zu einem wesentlichen Teil in den geowissenschaftlichen Sammlungen des Naturhistorischen Museums Basel. Ein Inventar der Rohstoff-/Geosammlungen führt ausdrücklich Stücke und Karten unter „P. Christ“ Neben seinen geologischen Untersuchungen sammelte Christ in Venezuela auch Pflanzen.
Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er 1929 Adjunkt der Geologischen Kommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft.
In dieser Funktion bearbeitete er die Originalvorlagen der Geologischen Generalkarte der Schweiz 1:200 000 und wirkte an mehreren Blättern, an der Druckvorbereitung sowie an der graphischen und farblichen Ausgestaltung des Kartenwerks mit. Darüber hinaus betreute er weitere geologische Publikationen, Spezialkarten und Illustrationen,Landesgeologie, Liste der erhältlichen Publikationen darunter Beiträge zum Geologischen Führer der Schweiz sowie Erläuterungen zu Blättern des Geologischen Atlas der Schweiz. Buxtorf hob besonders Christs zeichnerisches Können und seinen Sinn für die farbliche Gestaltung geologischer Karten hervor.P. S.: Abschied von zwei Bergfreunden. In: National-Zeitung, Nr. 425, 12. September 1944.
1938 gehörte Christ dem Verwaltungsrat der in Basel gegründeten Homogen A.G. an, einer Aktiengesellschaft zur Verwertung von Patenten und Lizenzen, insbesondere von Erfindungen von Paolo GentilliPaolo Gentilli (1890–1961) war ein italienischer Ingenieur und Vertreter der anthroposophischen Bewegung, der Rudolf Steiner 1922 in Dornach begegnete und später jahrzehntelang zu den maßgebenden Repräsentanten der anthroposophischen Arbeit in Italien gehörte. Siehe: Edouard Schuré und die christliche Esoterik Rudolf Steiners. Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Heft 42, Rudolf Steiner Nachlassverwaltung, Dornach 1973, S. 28. Online: http://bdn-steiner.ru/cat/Beitrage/42.pdf über eine Vorrichtung zur Mischung von Farbstoffen.
Christ war in Basel in der Anthroposophischen Gesellschaft engagiert. Zwischen 1943 und 1945 wird er im Schweizerischen Handelsamtsblatt als zweiter Vorsitzender der „Anthroposophischen Gesellschaft Basel“ genannt. Zeitgenössische Nachrufe betonen seine aktive Mitarbeit in diesem Umfeld.Otto Fränkl-Lundborg: In memoriam Peter Christ. In: Das Goetheanum – Wochenschrift für Anthroposophie. 23. Jahrgang, Nr. 38, 17. September 1944, S. 301–302.Autorenregister der Wochenschrift „Das Goetheanum“ vom 1.–61. Jahrgang (1921–1982), hrsg. vom Goetheanum, Dornach 1983.
Im ersten Halbjahr 1944 befasste sich Christ intensiv mit den Drucklegungsfragen der Geologischen Karte der Bernina‑Gruppe sowie mit den Blättern 1 und 5 der Geologischen Generalkarte der Schweiz 1:200 000. Während des Monats Mai wurde er militärisch einberufen; ein erneutes Aufgebot zur Mobilmachung vom 5. September 1944 erreichte ihn nicht mehr, da er am gleichen Tag bei der Besteigung des Piz Roseg tödlich verunglückte. Dabei kam auch sein Freund Otto EcksteinVgl. Das Goetheanum – Wochenschrift für Anthroposophie, 23. Jg., Nr. 38, 17. September 1944, S. 299–302 (insbes. G. Wachsmuth: Dr. Otto Eckstein †). Eckstein war leitender Chemiker der Weleda A.G. in Arlesheim. Vgl. Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1514, 7. September 1944 Ausgabe 03. ums Leben, mit dem ihn nach zeitgenössischen Nachrufen eine enge persönliche Verbundenheit verband. Gemeinsam mit dem Bergkameraden wurden die Leichname in der Kirche Santa Maria in Pontresina aufgebahrt; die Kremation und die Abschiedsfeier fand am 11. September 1944 im Krematorium auf dem Friedhof am Hörnli in Basel statt. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Wolfgottesacker in Basel.1989/90 wurde ein Inventar der schützenswerten Bauten und Denkmäler des Wolfgottesackers erstellt. Christ hinterliess eine Frau und drei Kinder.
Im Bericht der Geologischen Kommission über das Jahr 1944 wird für das letzte Quartal festgehalten, dass der frühere zweite Adjunkt Robert Ulysses Winterhalter als Adjunkt ad interim die Aufgabe übernahm, den Druck mehrerer in Arbeit stehender Karten zu überwachen und dabei neue Hilfskräfte in die lithographischen Druckverfahren einzuarbeiten.Bericht der Geologischen Kommission über das Jahr 1944. In; Verhandlungen der SNG 125 (1945), S. 296.
Werk Christs wissenschaftliches und kartographisches Werk verbindet Feldgeologie, Lagerstättenforschung, kartographische Redaktion und Illustration. Zu seinen frühen Arbeiten gehören Untersuchungen zum Klippengebiet der Zentralschweiz, zu Bohrungen bei AllschwilGemeinsam mit Carl Schmidt und weiteren Kollegen beteiligte sich Christ an der Auswertung der Tiefbohrungen von Buix bei Pruntrut und Allschwil bei Basel, die 1924 in der geotechnischen Serie der ‚Beiträge zur Geologie der Schweiz‘ publiziert wurden:
Schmidt, C., Braun, L., Paltzer, G., Mühlberg, M., Christ P. & Jacob, F. (1924). Die Bohrungen von Buix bei Pruntrut und Allschwil bei Basel. Beiträge zur Geologie der Schweiz, Geotechnische Serie, Lieferung 10, 74 S., 3 Tafeln. und zu den Walliser Anthrazitlagerstätten.
Internationale Bedeutung hatten seine Explorationen in Venezuela, aus denen sowohl geologische Karten als auch paläontologisch wichtige Funde hervorgingen.Naturhistorisches Museum Basel, Basel: Belegsammlungen Geowissenschaften – Paläontologie (Wirbellose und Pflanzen).Internationale Bedeutung erlangten Christ’s geologische Explorationen in Venezuela insbesondere durch die dabei gewonnenen Fossilien aus dem Profil zwischen Mucuchachí und Santa Bárbara in den venezolanischen Anden, die als Belegmaterial (Handstücke, Dünnschliffe und Fossilien) in der Sammlung des Naturhistorischen Museums Basel dokumentiert sind. Sie dienten zur stratigraphischen Altersbestimmung der durchmessenden Schichtfolgen und flossen in die geologische Kartierung und wissenschaftliche Beschreibung der Andenregion und ihrer Erdölvorkommen ein.
Sein wichtigstes Arbeitsfeld war jedoch die Geologische Generalkarte der Schweiz 1:200 000, deren Bearbeitung er seit 1929 innerhalb der Geologischen Kommission wesentlich mittrug. Nach einem späteren Rückblick der Geologischen Kommission bestand seine Hauptarbeit in der Erstellung der Originalvorlagen; sein Tod im September 1944 unterbrach den Fortgang des Drucks merklich.
Schriften (Auswahl)
Ein Verzeichnis der wissenschaftlichen Arbeiten befindet sich im Anhang des Nekrologs: „Wissenschaftliche Arbeiten von Dr. P. Christ“, in: Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft 124, 1944, S. 334 (online bei E‑Periodica).
Geologische Beschreibung des Klippengebietes Stanserhorn–Arvigrat am Vierwaldstättersee. In: Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz, Neue Folge 12, 1920 (zugleich Dissertation). mit Louis Wehrli: Das produktive Karbon der Schweizer Alpen. II. Teil: Die Walliser Anthrazitlagerstätten und der Walliser Anthrazitbergbau während der Jahre 1917–1924. In: Beiträge zur Geologie der Schweiz, Geotechnische Serie XI, 1925.Wehrli, L. & Christ, P.: Das produktive Karbon der Schweizer Alpen. Beiträge zur Geologie der Schweiz, Geotechnische Serie, XI. Lieferung, 1925.
Teil I: L. Wehrli, „Das produktive Karbon der Schweizer Alpen“.
Teil II: P. Christ, „Die Walliser Anthrazitlagerstätten und der Walliser Anthrazitbergbau während der Jahre 1917–1924“, mit 15 Tafeln und 32 Textfiguren.
Christ erarbeitete mit Teil II von Das produktive Karbon der Schweizeralpen eine umfassende Darstellung der Walliser Anthrazitlagerstätten und des Anthrazitbergbaus in den Jahren 1917–1924, die später häufig als Referenz für die Beurteilung dieser Vorkommen diente. Vgl. etwa; Roger Widmer: Bergbau oder Raubbau, das Bergwerk von Aproz. In: Akten des 13. Nationalen Kongresses für Höhlenforschung, 2012. S. 265–270. La coupe géologique le long du chemin de Mucuchachí à Sta. Bárbara dans les Andes vénézuéliennes. In: Eclogae geologicae Helvetiae 20, 1927, S. 397–414. mit August Buxtorf: Geologischer Atlas der Schweiz 1:25 000. Blätter 96 Laufen, 97 Bretzwil, 98 Erschwil, 99 Mümliswil. Erläuterungen. 1936. Beiträge zum Geologischen Führer der Schweiz, darunter Exkursionen zum Vierwaldstättersee und zum Stanserhorn sowie eine tektonische Übersichtskarte der Schweiz mit Profilen, 1934. mit Friedrich Müller: Über die Tektonik des Malms der Wildhorn-Decke am Hasleberg. In: Eclogae geologicae Helvetiae 38, 1945 (postum).
Literatur
Hundert Jahre Geologische Kommission. Organ der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft : 1860–1960. Bern, 1960. S. 32–35. Abschnitt zur Geologischen Generalkarte der Schweiz 1:200 000. August Buxtorf: Peter Christ 1894–1944. In: Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft. Band 124, 1944, S. 321–326.
Otto Fränkl-Lundborg: In memoriam Peter Christ. In: Das Goetheanum – Wochenschrift für Anthroposophie. 23. Jahrgang, Nr. 38, 17. September 1944, S. 301–302.
P.S.: Abschied von zwei Bergfreunden. In: National-Zeitung, Nr. 425, 12. September 1944. Louis Vonderschmitt: Zur Erinnerung an Dr. Peter Christ. In: Basler Nachrichten, 1944. August Buxtorf: Dr. Peter Christ †. In: National-Zeitung, 9./10. September 1944.