mini|„Mörderin Esther Hibner“ (1829) Esther Hibner (geboren ca. 1769 in London; gestorben 13. April 1829 ebenda) war eine Unternehmerin, die eine Tambour-Stickerei führte. Sie, ihre Tochter und ihre Mitarbeiterin behandelten die bei ihr angestellten Kinder so schlecht, dass sie deren Tod in Kauf nahmen. Am 9. April 1829 kamen die Hibners vor das Gericht im Old Bailey. Die Mutter wurde zum Tode verurteilt, ihre Tochter (gleichen Namens) bekam eine Gefängnisstrafe. Vier Tage später wurde Esther Hibner gehängt. Der Fall führte zu einer Verbesserung der Behandlung von Kindern in Arbeitsverhältnissen in England.
Erster Fall Das Stickereigewerbe stand im 19. Jahrhundert unter erheblichem Konkurrenzdruck. Die Arbeitsbedingungen der Kinder und Jugendlichen, die meist aus sehr armen Familien kamen, waren schlecht. Die Kinder mussten oft vom frühen Morgen bis tief in die Nacht an den großen Stickrahmen stehen, mit wenigen kurzen Pausen und kleinen Mahlzeiten. Sie bekamen ein geringes Honorar bei der Einstellung, aber keinen Lohn. mini|Grafik der exhumierten Margaret Hawse (John Fairburn, ca. 1829) Die Vorfälle in Esther Hibners Stickereibetrieb waren drastisch, aber nicht unüblich. Zu den langen Arbeitszeiten und der Mangelernährung kamen körperliche Züchtigungen. Unter Hibners Aufsicht starb das schwer kranke, abgemagerte und blutig geschlagene Kind Margaret Hawse. Hibners Mitarbeiterin Ann Robinson hatte dem Mädchen befohlen, aufzustehen, was nicht gelang. Daraufhin zog sie es die Treppe hoch, wonach es zusammenbrach. Hibner stieß es die Treppe hinunter, wodurch das Kind das Bewusstsein verlor und am nächsten Morgen starb. Am Abend stießen die Hibners und Ann Robinson mit Gin auf den Tod der Angestellten an.
Um zu vermeiden, dass Außenstehende den Leichnam sahen, wurden die Kinder aus dem Stickereibetrieb dazu gebracht, die Tote zu waschen und in einen Sarg zu legen. Esther Hibner versiegelte ihn mit Nägeln und ließ ihn von einem Bestatter abholen.
Nachdem der Aufseher in der Londoner Gemeinde das Fehlen einer Angestellten festgestellt hatte, wurde die Sache öffentlich. Der Leichnam wurde exhumiert und der Tod durch Verhungern festgestellt. Esther Hibner, ihre Tochter und Ann Robinson kamen vor den Magistrat, wo man ihnen extreme Grausamkeit gegen ihre Angestellten vorwarf.
Zweiter Fall Ein anderes Mädchen in Hibners Betrieb, die 10-jährige Frances Colpitts (1819–1829), bekam alle paar Wochen Besuch von ihrer Großmutter. Nachdem man sie mehrfach abgewiesen hatte, konnte sie am 11. Februar 1829 endlich ihre Enkelin sehen. Sie war so entsetzt darüber, dass sie den Aufseher kommen ließ. Dieser stellte fest:„Frances lag auf einer schmutzigen Matratze und war mit einem kleinen Wolltuch zugedeckt. Sie war ein Skelett, voller Prellungen, mit blutleeren Füßen, von denen die Zehen fast abfielen.“Er brachte sie zusammen mit weiteren Kindern in Krankenhäuser.
Prozess und Urteil Zunächst kam der Tod von Margaret Hawes vor das Strafgericht. Die Rechtsmediziner hatten nach der Öffnung des Sargs Klage gegen Mutter und Tochter Hibner und Frau Robinson wegen Mordes eröffnet. Die Hibners baten das Gericht um Aufschub. Am 15. März 1829 starb Frances Colpitts. Das Gericht im Old Bailey konzentrierte die Anklage nun auf Francis Colpitts.
Beim Strafprozess am 9. April 1829 verweigerte Frau Hibner die Aussage und gab ihrer Tochter das Wort. Diese behauptete, ihre Mutter sei eine liebende, hingebungsvolle Arbeitgeberin. Ein begutachtender Arzt berichtete davon, dass man Francis Colipitts so lange (auch „unter der Kleidung“) geschlagen hatte, bis diese sich einnässte, worauf man ihr befahl, ihren Kopf in den Urin zu tauchen und alles aufzulecken.
Um 17.30 Uhr zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück. Nach einer guten Stunde verkündeten sie, dass Frau Hibners Tochter und die Angestellte Frau Robinson freigesprochen, Frau Hibner aber gehängt werden sollte. Das Gericht entschied anschließend, dass die Tochter und die Angestellte zu Gefängnisstrafen von 12 bzw. 4 Monaten verurteilt wurden.
Esther Hibner fügte sich mit einem stumpfen Messer eine Wunde am Hals zu. Als sie gehängt wurde, riefen die vorwiegend weiblichen Zuschauerinnen „Bravo!“Naomi Clifford: Women and the Gallows, 1797–1837: Unfortunate Wretches. Kapitel 3: Esther Hibner, Murderer of a Child
Einzelnachweise
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