Klaus Fehn (* 14. März 1936 in München; † 28. Juni 2026 in Bonn) war ein deutscher Historischer Geograph und Professor für Historische Geographie an der Universität Bonn.Alle Angaben nach dem Lebenslauf in der hier genannten Dissertation sowie nach Jürgen Haffke: Ein Konzept für die Historische Geographie. Klaus Fehn und sein Beitrag zu einer komplexen Aufgabe. In: Historische Geographie. Konzepte und Fragestellungen: gestern, heute, morgen., S. 241–259 (siehe unter Literatur) und Klaus Fehn: Historische Geographie als selbständiges Fach mit eigenem Seminar an der Philosophischen Fakultät unter Leitung von Professor Fehn (1972-2001). In: Fünfzig Jahre Historische Geographie von Mitteleuropa an der Universität Bonn, S. 20–129 (siehe unter Literatur)

Leben und Wirken Klaus Fehn studierte nach dem Abitur am Münchner Maximiliansgymnasium Geschichte, Erdkunde und Deutsch an den Universitäten LMU München, Münster und FU Berlin. 1963 wurde er an der LMU München mit einer von Karl Puchner und Karl Bosl betreuten Arbeit zu spätmittelalterlichen Rodungsdörfern in Bayerisch Schwaben promoviert.

1966 erhielt Fehn eine Stelle als Assistent der Historikerin Edith Ennen an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, wo er sich auch mit einer Arbeit zu Zentralen Orten in Bayern und Österreich in der Frühgeschichte und im Mittelalter habilitierte.

Mit der Berufung auf den Lehrstuhl für Historische Geographie an der Universität Bonn 1972 leitete Fehn die völlige Umorientierung des Seminars für Historische Geographie in Forschung und Lehre ein. Stand unter seinem Vorgänger Ernst Kirsten noch die Topographie des antiken Mittelmeerraums im Mittelpunkt, so entwickelte sich das Seminar nunmehr zu einem Zentrum der spezifisch deutschsprachigen Ausprägung der Historischen Geographie, die stark in der traditionellen Siedlungsgeographie und Siedlungsgeschichte des mittelalterlichen und neuzeitlichen Mitteleuropas verwurzelt war, sich aber offen zeigte für neue und interdisziplinäre Forschungsansätze und -trends. Fehn war auch daran beteiligt, neben der Grundlagenforschung die Angewandte Forschung als wichtiges zusätzliches Standbein zu etablieren, die im Sinne einer integrativen Kulturlandschaftspflege vor allem im Rheinland Wirkung entfaltete.

Zeitlich erstreckten sich Klaus Fehns Forschungsinteressen vom Mittelalter bis in die Zeitgeschichte, räumliche Schwerpunkte lagen im deutschsprachigen Mitteleuropa. Daneben verfasste er mehrfach konzeptionelle und wissenschaftstheoretische Standortbestimmungen. Maßgeblich beteiligt war Fehn an der Gründung (1974) und Organisation des Arbeitskreises für genetische Siedlungsforschung in Mitteleuropa als einem interdisziplinären Netzwerk für den wissenschaftlichen Austausch, vor allem zwischen Geographie, Geschichte und Archäologie (2003/2004 abgelöst vom Arbeitskreis für historische Kulturlandschaftsforschung in Mitteleuropa).Siehe Website des Arbeitskreises für historische Kulturlandschaftsforschung in Mitteleuropa

Mit der Emeritierung Fehns im Jahr 2001 wurde das bis dahin eigenständig bestehende Seminar für Historische Geographie aufgelöst. Es hatte sich zusammen mit dem Historischen Seminar im Gebäude des ehemaligen Oberbergamtes unmittelbar am Bonner Rheinufer befunden. Die Professur für Historische Geographie blieb erhalten, sie wurde als Abteilung in das Geographische Institut in der Alten Chemie in Bonn-Poppelsdorf eingegliedert. Fehns Nachfolger wurde Winfried Schenk.

Die drei Assistenten Fehns während seiner Zeit als Lehrstuhlinhaber in Bonn waren nacheinander Busso von der Dollen, Rainer Graafen und Andreas Dix.

Klaus Fehn war Sohn des Geographen Hans Fehn.

Publikationen (Auswahl) Siedlungsgeschichtliche Grundlagen der Herrschafts- und Gesellschaftsentwicklung in Mittelschwaben. Aufgezeigt am Beispiel der spätmittelalterlichen Rodungssiedlungen (= Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft bei der Kommission für Bayerische Landesgeschichte. Reihe 1: Studien zur Geschichte des bayerischen Schwaben. 9). Verlag der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft, Augsburg 1966 (= Dissertation, 1963). Wertingen (= Historischer Atlas von Bayern. Teil Schwaben. Reihe 1; 3). Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 1967. Die zentralörtlichen Funktionen früher Zentren in Altbayern. Raumbindende Umlandbeziehungen im bayerisch-österreichischen Altsiedelland von der Spätlatènezeit bis zum Ende des Hochmittelalters. Steiner, Wiesbaden 1970 (= Habilitationsschrift, 1968). Stand und Aufgaben der Historischen Geographie. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte. 111, 1975, S. 31–53. Historische Geographie. Eigenständige Wissenschaft und Teilwissenschaft der Gesamtgeographie. In: Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in München. 61, 1976, S. 35–51. Preußische Siedlungspolitik im saarländischen Bergbaurevier (1816–1919) (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland. 31). Institut für Landeskunde im Saarland, Saarbrücken 1981. Historische Geographie. In: Carl-Hans Hauptmeyer (Hrsg.): Landesgeschichte heute. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1987, S. 55–76. Kulturlandschaftspflege im Rheinland. Ein Aufgabengebiet der Angewandten Historischen Geographie. In: Rheinische Heimatpflege. N.F. 30, 1993, S. 276–286. Das Land und seine Bevölkerung. In: Alois Schmid (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Geschichte. Band 4: Das neue Bayern von 1800 bis zur Gegenwart. Teilband 2: Die innere und kulturelle Entwicklung. Beck, München 2007, S. 3–71

Literatur Klaus-Dieter Kleefeld, Peter Burggraaff (Hrsg.): Perspektiven der historischen Geographie. Siedlung, Kulturlandschaft, Umwelt in Mitteleuropa. Mit zahlreichen Fachbeiträgen von Mitarbeitern und Absolventen des Seminars für Historische Geographie der Universität Bonn und einer umfangreichen institutsbezogenen wissenschaftsgeschichtlichen Dokumentation. Anläßlich des 25jährigen Dienstjubiläums von Klaus Fehn in Bonn und seines 60. Geburtstages. Bonn 1997 (darin: Bibliografie Klaus Fehn S. 409–430). Jürgen Haffke, Klaus Kleefeld, Winfried Schenk (Hrsg.): Historische Geographie. Konzepte und Fragestellungen: gestern, heute, morgen. Festschrift für Klaus Fehn zum 75. Geburtstag (= Colloquium geographicum. 33) E. Ferger Verlag, Bergisch Gladbach 2011 (darin: Bibliografie Klaus Fehn S. 261–294). Klaus Fehn, Winfried Schenk: Fünfzig Jahre Historische Geographie von Mitteleuropa an der Universität Bonn (= Colloquium geographicum. 39). E. Ferger Verlag, Bergisch Gladbach 2022 (darin: Bibliografie Klaus Fehn, S. 317–356).

Weblinks

Nachruf Website des Geographischen Instituts der Universität Bonn Nachruf Website des Arbeitskreises für historische Kulturlandschaftsforschung in Mitteleuropa

Einzelnachweise

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