mini|hochkant=1.3|Vincenzo Onofri: Thronende Madonna mit dem Kind zwischen den Heiligen Laurentius und Eustachius, 1503, Santa Maria dei Servi, Bologna Vincenzo Onofri (* im 15. Jahrhundert; † nach 1524) war ein italienischer Bildhauer der Renaissance. Er war zwischen 1493 und 1524 in Bologna nachweisbar und spezialisierte sich vor allem auf figürliche Arbeiten aus Terrakotta. Zahlreiche seiner Werke waren farbig gefasst und teilweise vergoldet.Paolo Parmiggiani: Onofri, Vincenzo. In: Dizionario Biografico degli Italiani, Band 79, Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2013, abgerufen am 28. Juli 2026.

Leben und Ausbildung Onofris Geburtsort sowie sein Geburts- und Todesdatum sind nicht bekannt. Die frühesten dokumentierten Werke entstanden 1493 für die Reliquienkapelle der Kirche San Domenico in Bologna. Dort fertigte er zwei Terrakottabüsten des Albertus Magnus und des Raimund von Peñafort an. Nur die Büste des Albertus Magnus ist erhalten. Sie gehört zur Sammlung der Pinacoteca Nazionale di Bologna und wird im Museo Civico Medievale in Bologna aufbewahrt. Die zweite Büste ist lediglich durch einen Abguss überliefert, dessen heutiger Aufbewahrungsort unbekannt ist.

Die Büste des Albertus Magnus zeigt deutliche stilistische Beziehungen zu den Arbeiten Niccolò dell’Arcas. Da beide Bildhauer zur selben Zeit für den Dominikanerkonvent von San Domenico tätig waren, wird eine Ausbildung Onofris bei Niccolò dell’Arca oder zumindest eine zeitweilige Zusammenarbeit vermutet. Ein unmittelbares Lehrer-Schüler-Verhältnis ist jedoch nicht durch Schriftquellen belegt.

Adolf Gottschewski nahm 1908 ebenfalls eine Ausbildung bei Niccolò dell’Arca an. Da dieser 1494 starb und Onofri bei seinem 1503 datierten Altar bereits als erfahrener Künstler erscheint, vermutete Gottschewski eine Geburt Onofris um 1470 und eine Lehrzeit am Ende der 1480er-Jahre. Diese zeitliche Einordnung ist jedoch lediglich eine stilkritische Hypothese.Adolf Gottschewski: Über die Porträts der Caterina Sforza und über den Bildhauer Vincenzo Onofri. J. H. Ed. Heitz, Straßburg 1908, S. 47–48.

Der Bologneser Dichter Giovanni Filoteo Achillini erwähnte Onofri 1513 in seinem in Bologna gedruckten Viridario. Er lobte ihn als Bildhauer, dessen Werke selbst die Natur in Erstaunen versetzten. Aus der Formulierung im Präsens geht hervor, dass Onofri zu diesem Zeitpunkt noch tätig war und bei seinen Zeitgenossen Ansehen genoss.Adolf Gottschewski: Über die Porträts der Caterina Sforza und über den Bildhauer Vincenzo Onofri. J. H. Ed. Heitz, Straßburg 1908, S. 43.

Eine ältere Bologneser Quelle bezeichnet 1524 als ein Jahr, in dem Onofri noch künstlerisch tätig gewesen sei. Werke, die sicher nach 1512 entstanden, sind allerdings kaum bekannt. Sein weiteres Leben und sein Todesdatum bleiben ungeklärt.

Hauptwerke Büsten des Albertus Magnus und des Raimund von Peñafort mini|rechts|hochkant=1.2|Vincenzo Onofri: Büste des Albertus Magnus, 1493, Terrakotta, Museo Civico Medievale, Bologna Die 1493 entstandenen Büsten des Albertus Magnus und des Raimund von Peñafort sind die frühesten archivalisch belegten Werke Onofris. Sie wurden für zwei Rundfelder über den seitlichen Eingängen der Reliquienkapelle von San Domenico in Bologna geschaffen. Die erhaltene Büste des Albertus Magnus zeigt die technische und stilistische Nähe Onofris zu Niccolò dell’Arca, besitzt jedoch eine ruhigere und stärker vereinfachte Gesichtsbildung.

Toter Christus in Mailand Aus dem letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts stammt der aus Terrakotta gefertigte Tote Christus in der Gregoriuskapelle der Kirche San Vittore al Corpo in Mailand. Das Werk trägt die Signatur „Opus Vincentii Onofri Bon.“ und gehörte möglicherweise ursprünglich zu einer größeren Beweinungsgruppe. Ungewöhnlich ist die Haltung der Arme Christi, die seitlich vom Körper herabhängen und den Boden berühren.

Hieronymusaltar in San Giacomo Maggiore Zwischen 1495 und 1500 entstand der Hieronymusaltar in der Crescimbeni-Kapelle der Kirche San Giacomo Maggiore in Bologna. Auftraggeber war Paolo Antonio Crescimbeni, der 1495 die Errichtung einer den Heiligen Hieronymus und Maximus geweihten Kapelle verfügt hatte.

Der büßende heilige Hieronymus kniet in einer perspektivisch konstruierten Architektur aus polychromer Terrakotta. Die Anlage besitzt seitliche Öffnungen und eine kassettierte Tonnenwölbung. In der Lünette befindet sich ein Rundrelief mit der Madonna und dem Jesuskind. Der Altar wurde 1773 durch ein Leinwandgemälde verdeckt und stark umgestaltet. In den 1980er-Jahren wurde die Terrakottaanlage erneut freigelegt und später restauriert.

Beweinung Christi in San Petronio mini|links|hochkant=1.3|Vincenzo Onofri: Beweinung Christi, um 1493–1500, Terrakotta, Basilika San Petronio, Bologna Onofris bekanntestes Werk ist die Beweinung Christi in der Basilika San Petronio in Bologna. Die genaue Datierung ist umstritten. Das Werk wird entweder in die letzten Jahre des 15. Jahrhunderts oder in das erste Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts eingeordnet.

Die Gruppe ist durch die Inschrift „Vincentius Nufrius Bononiae F.“ als Arbeit Onofris gesichert. Die Signatur wurde bei einer Restaurierung auf dem Kissen unter dem Kopf Christi entdeckt. Wegen ihrer Nähe zur berühmten Beweinungsgruppe Niccolò dell’Arcas in Santa Maria della Vita wurde die Arbeit in der älteren Literatur zeitweise Niccolò zugeschrieben.Adolf Gottschewski: Über die Porträts der Caterina Sforza und über den Bildhauer Vincenzo Onofri. J. H. Ed. Heitz, Straßburg 1908, S. 43–44.

Das Werk besteht aus sieben lebensgroßen Figuren aus ursprünglich farbig gefasster Terrakotta. Christus liegt auf einem Totenlager, während Nikodemus, der Apostel Johannes, Maria, Maria Kleophae und Salome ihre Trauer mit vergleichsweise zurückhaltenden Gesten ausdrücken. Maria Magdalena stürzt dagegen in heftiger Bewegung auf den Leichnam zu.

Onofri verband in dieser Gruppe den bewegten Realismus Niccolò dell’Arcas und Ercole de’ Robertis mit den ruhigeren und geschlosseneren Figurenauffassungen von Francesco Francia und Lorenzo Costa. Die heutige Aufstellung in einer Nische des rechten Apsispfeilers ist nicht ursprünglich. Die Figuren wurden im Laufe der Zeit mehrfach umgestellt und übermalt.

Eustachiusaltar in Santa Maria dei Servi Im Jahr 1503 schuf Onofri den signierten und datierten Eustachiusaltar in der Kirche Santa Maria dei Servi in Bologna. Auftraggeber war die Familie Muccia, welche das Patronat über die Kapelle besaß. Die Inschrift nennt Lorenzo Pio als Stifter und das Jahr 1503 als Entstehungsdatum.

Die polychrome Terrakottatafel zeigt die Madonna mit dem Jesuskind zwischen den Heiligen Laurentius von Rom und Eustachius sowie zwei anbetende Engel. Die Figuren stehen in einer reich geschmückten, tempelartigen Architektur mit perspektivisch dargestellter Kassettendecke, korinthischen Kapitellen, Pilastern, Pflanzenornamenten und antikisierenden Masken.

Obwohl der tatsächliche Raum der Altartafel relativ flach ist, erzeugen die perspektivische Konstruktion und das starke Relief den Eindruck größerer räumlicher Tiefe. In der Lünette ist in flachem Relief die Grablegung Christi dargestellt. Bei einer Restaurierung in den 1980er-Jahren wurden Teile der ursprünglichen Farbigkeit wieder freigelegt.

Gottschewski beschrieb den Altar als ein Werk von ruhiger und nachdenklicher Wirkung. Als charakteristische Merkmale nannte er die weichen Gesichtszüge, die leicht vertieften Mundwinkel und die breitflächige Behandlung der Gewänder.Adolf Gottschewski: Über die Porträts der Caterina Sforza und über den Bildhauer Vincenzo Onofri. J. H. Ed. Heitz, Straßburg 1908, S. 49–50.

Mann in Rüstung mini|rechts|hochkant=1.2|Vincenzo Onofri: Mann in Rüstung, um 1500, bemalte und vergoldete Terrakotta, National Gallery of Art, Washington, D.C. Etwa zur selben Zeit wie der Eustachiusaltar entstand die bemalte und vergoldete Terrakottabüste Mann in Rüstung, die sich heute in der National Gallery of Art in Washington, D.C. befindet. Das Werk wird um 1500 datiert und gehört zur Widener Collection.A Man in Armor. National Gallery of Art, Washington, abgerufen am 28. Juli 2026.

Die Büste ist 63 Zentimeter hoch. Die Rüstung ist mit Pflanzenmotiven, Masken und antikisierenden Ornamenten geschmückt. Die Gesichtsbildung und die Gewandbehandlung stehen den Figuren der Beweinung in San Petronio nahe, während die Dekoration Parallelen zum Eustachiusaltar zeigt.

Grabmal des Cesare Nacci Um 1505 entstand das Grabmal des Bischofs Cesare Nacci in San Petronio. Der aus Terrakotta gefertigte Sarkophag mit der liegenden Figur des Verstorbenen ruht auf Löwenfüßen und einer geflügelten Muschel.

Die Vorderseite des Sarkophags ist mit einem Bandornament versehen, das Darstellungen von Propheten, Heiligen und Engelsköpfen umschließt. Unterhalb des Sarkophags erscheinen die drei theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe vor einer perspektivisch konstruierten Architektur. Weitere Schmuckelemente sind Putten, Harpyien, Fabelwesen und Pflanzenornamente.

Die Anlage zeigt Einflüsse des Grabmals des Rechtsgelehrten Alessandro Tartagni in San Domenico, das der florentinische Bildhauer Francesco di Simone Ferrucci geschaffen hatte. Besonders die geflügelte Muschel und einzelne Merkmale der Tugendfiguren gehen auf dieses Vorbild zurück.

Grabmal des Antonio Busi Das 1506 datierte Grabmal des Antonio Busi wurde für die Kirche Santa Maria di Poggio bei San Giovanni in Persiceto geschaffen. Es besteht ebenfalls überwiegend aus Terrakotta und wiederholt wesentliche Gestaltungsmerkmale des Nacci-Grabmals.

Der Sarkophag ruht auf Löwenfüßen und einer geflügelten Muschel. Seine Vorderseite zeigt Propheten, Heilige und Cherubim. Zwei Tritonen tragen das Wappen der Familie Busi. Über der liegenden Figur des Verstorbenen war eine Darstellung Gottvaters angebracht. Auch dieses Grabmal verbindet plastische Figuren, perspektivische Architektur und antikisierenden Dekor.

Zwei männliche Porträtbüsten in Los Angeles Zwei auf 1512 datierte männliche Terrakottabüsten befinden sich im Los Angeles County Museum of Art. Eine Büste zeigt einen älteren, die andere einen jüngeren Mann. Wegen der nahezu gleichen Abmessungen und der engen stilistischen Übereinstimmung werden sie als zusammengehöriges Paar angesehen und möglicherweise als Darstellungen von Vater und Sohn gedeutet.

Die Jahreszahl ergibt sich aus einer Inschrift auf der Rückseite der jüngeren Büste. Schriftliche Dokumente über den ursprünglichen Auftrag sind nicht erhalten, die beiden Werke werden von der neueren Forschung jedoch überwiegend in Onofris Werkkatalog aufgenommen.

Mögliche Spätwerke und verlorene Arbeiten Als mögliches Spätwerk gilt die Büste des Virgilio Bargellini im Museo Davia Bargellini in Bologna. Eine historische Inschrift nennt 1532 als Todesjahr des dargestellten Siebzigjährigen. Stilistische Ähnlichkeiten mit der Beweinung in San Petronio sprechen nach Ansicht einiger Forscher für Onofri. Da keine sicher datierten Arbeiten aus dieser späten Phase bekannt sind, bleibt die Zuschreibung jedoch hypothetisch.

Ältere Bologneser Beschreibungen nennen mehrere heute verlorene Arbeiten Onofris. Dazu gehörten eine Verkündigung aus Terrakotta in San Biagio, ein Altarrelief in San Procolo sowie ein dem heiligen Hieronymus geweihter Altar in San Giacomo Maggiore. Einige dieser Werke waren bereits im späten 17. Jahrhundert nicht mehr nachweisbar.Adolf Gottschewski: Über die Porträts der Caterina Sforza und über den Bildhauer Vincenzo Onofri. J. H. Ed. Heitz, Straßburg 1908, S. 44–45.

Stil Onofris Werk steht in der Tradition der emilianischen Terrakottaplastik. Besonders deutlich sind die Einflüsse von Niccolò dell’Arca und Guido Mazzoni. Hinzu kamen Anregungen durch die florentinische Bildhauerei, besonders durch Francesco di Simone Ferrucci und Baccio da Montelupo, sowie durch die norditalienische Malerei von Francesco del Cossa, Ercole de’ Roberti, Francesco Francia und Lorenzo Costa.