Die Kirche St. Ulrich ist eine abgegangene mittelalterliche Feldkirche in Schadberg, einem Ortsteil der Gemeinde Kaisersbach im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Die kleine Wallfahrtskirche unter dem Patrozinium des Heiligen Ulrich von Augsburg wurde von den Grafen von Hohenberg gestiftet. Sie gehörte dem Kloster Lorch und wurde nach der Reformation abgebrochen.
Lage Nach dem Historiker Adolf Schahl befand sich das Kirchlein auf einer Anhöhe in der Flur Ziegelwiesen, etwa hundert Meter südlich des Weilers Strohhof. Der alte Name der Anhöhe lautete Ambrosiusberg. Bei Erdarbeiten zum Bau einer Wasserleitung wurden im 20. Jahrhundert Reste der Fundamente gefunden.
Geschichte Gemäß der Beschreibung des Oberamts Welzheim wurde die Kirche von den Grafen von Hohenberg erbaut: Während Burkhard von Hohenberg die Kirche errichten ließ, stifteten Rudolf von Hohenberg und seine Frau Margaretha (geb. von Thierstein) eine ewige Messe.
Am 13. Januar 1352 veräußerte der Probst der Prämonstratenser vom Klosters Adelberg dem Kloster Lorch drei Lehen für die Kapelle; 1356 veräußerte der Schultheiß von Lorch, Edelmann Gernolt von Welzheim, seinen Hof und spendete den Erlös für die cappellen ze Schadburg.
Schadberg wurde von Welzheim aus betreut; ein Vikar aus der Stadt zelebrierte viermal im Jahr die Messe in der Ulrichskirche. 1458 wurde die Feldkirche für die beachtliche Summe von 20 Pfund und 15 Pfennigen erneuert.
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts 1480 wurde die Kirche erneuert und wohl vergrößert, da 1480 zwei neue Altäre angeschafft wurden. Der Choraltar wurde in der Ehre des allmächtigen Gottes, der Jungfrau Maria, der Bischöfe Ulrich und Konrad sowie der Märtyrerin Afra von Augsburg geweiht. Die Afra-Verehrung ist charakteristisch für das Bistum Augsburg. Der Nebenaltar wurde den Heiligen Lorenz, Alban, Valentin und allen Engeln geweiht.
Den Pilgern wurde laut Weiheurkunde von 10. August 1480 ein Ablass von vierzig Tagen gewährt. Später (1486, 1487) wurde allen Wallfahrern, welche die Kirche zu bestimmten Tagen besuchen, ein Ablass von hundert Tagen zugesichert.
1491 wurden Reliquien aus Jerusalem nach Schadberg gebracht, unter anderem Fragmente der Geißelsäule Jesu Christi, von seinem Kerker und von dem Haus, in dem der Engel Gabriel Maria erschienen ist. Weiterhin wurde Erde von verschiedenen Ortschaften, in denen sich Jesus einst aufgehalten hatte, in die Kirche gebracht.
Neubau Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Ulrichskirche so baufällig geworden, dass Abt Sebastian von Lorch den vollständigen Neubau der Kirche anordnete. Am 14. November 1517 schloss er einen Bauvertrag mit dem Baumeister Michel Amßler aus Welzheim. Als Baumaterial wurde Bruchstein bestimmt. Die Steine musste Amßler selber besorgen, während ihm Werkzeuge, Bauholz, Kalk, Sand und Wasser vom Kloster bereitgestellt wurden. Die Arbeiten begannen 1518 mit dem Abbruch der alten Kirche. Bei den Abbrucharbeiten stellte man fest, dass sich unter dem gemalten Passionszyklus von 1393 ältere Malereien verbargen. Somit dürfte der Altbau deutlich älter als 1393 gewesen sein. Weiterhin wurden bei der Kirche zahlreiche Gebeine von Toten gefunden, die in früheren Zeiten dort bestattet worden waren.
1520 war der Neubau im Wesentlichen fertiggestellt und 1522/23 vollendet. Für die Arbeiten erhielt Meister Amßler 180 Gulden. Der Neubau verfügte über eine Empore, eine steinerne Kanzel und einen dritter Altar, der 1520 erstmals erwähnt wurde. Dieser war der Heiligen Anna, Hippolyt, Alexander, Benedikt, Nikolaus und Ursula geweiht.
Zerstörung Ab 1535 führte Herzog Ulrich schrittweise die Reformation in Altwürttemberg ein. Dies bedeutete zwangsläufig das Aus für alle Wallfahrtskirchen, die weder Parochialkirchen noch Kirchen mit Gottesacker (Friedhofskapellen) waren. Da man fest mit einem Krieg rechnete, ließ der Herzog die Stadtmauern und die Festungen im Land verstärken. Zwecks Materialgewinnung wurden die Ulrichskirche abgebrochen und die Steine zum Festungsbau in Schorndorf verwendet. Den Dachstuhl ließ man 1538 zerlegen und zum Bau der Happenhaldenkelter nach Endersbach bringen.
Die Grundmauern der zerstörten Ulrichskirche wurden 1791 wiederentdeckt und ausgegraben. Dabei wurde auch der Grundstein aufgedeckt. Darin befanden sich vier silbernen Münzen (geprägt 1518) und zwei beschriftete Bleiplättchen. Die Funde wurden dem Oberkirchenrat übergeben.
Literatur
Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Welzheim. Verlag J. G. Cotta, Stuttgart/Tübingen 1845, S. 169–170. Adolf Schahl: Die ehemalige Wallfahrtskapelle Schadberg. In: An Rems und Murr. Halbjahreshefte für Heimat und Kultur im Rems-Murr-Kreis. 1980, S. 99–100. Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler im Rems-Murr-Kreis. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 418–419.
Kategorie:Ehemaliger katholischer Wallfahrtsort Kategorie:Kirchengebäude im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Kapelle im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Ulrichskirche Kategorie:Bauwerk in Kaisersbach Kategorie:Abgegangenes Bauwerk im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Wüstung im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Zerstört im 16. Jahrhundert