mini|Karsten Jung als Bundestrainer bei den Juniorenweltmeisterschaften 1996 in Sydney, Australien mini|Karsten Jung als Athlet 1979 Karsten Jung (* 1959 in Wolfsburg) ist ein Diplom-Psychologe, Sportwissenschaftler und Autor, der sich als deutscher Leichtathletiktrainer insbesondere auf den Mittelstreckenlauf spezialisiert hat. Er war von 1989 bis 1996 hauptamtlicher Bundestrainer im Deutschen Leichtathletikverband (DLV). Sein größter Trainererfolg ist der bisher einzigartige Doppelsieg der deutschen 800-Meter-Läuferinnen bei den Juniorenweltmeisterschaften 1996 in Sydney.
Werdegang Jung wuchs im niedersächsischen Wolfsburg auf und begann beim VfL Wolfsburg seinen sportlichen Werdegang als Leichtathlet. Er trainierte unter anderem mit Uwe Becker bei Heinz Köppe und Horst Beyer. Zunächst Mehrkämpfer – Jung wird 1973 in der Landesbestenliste des Niedersächsischen Leichtathletikverbandes in zahlreichen Disziplinen aufgeführt„50 Jahre Niedersächsischer Leichtathletik-Verband“, Niedersächsischer Leichtathletik-Verband (Hrsg.), Hannover 1996 – war er Mitte bis Ende der 1970er Jahre im Langsprint und Mittelstreckenlauf auf nationaler Ebene erfolgreich.Landesbestenliste 1973, abgerufen am 27. Juli 2026. 1974 lief er in der Altersklasse M15 als noch 14-jähriger 50,8 s über 400 Meter und mit 2:34,0min über 1000 MeterZeitschrift leichtathletik, 39/1974, Jg. 25, Berlin: Bartels & Wernitz, S. 1377.Zeitschrift leichtathletik, 46/1974, Jg. 25, Berlin: Bartels & Wernitz, S. 1630. den noch heute bestehenden Vereinsrekord in der höheren Altersklasse U18.Vereinsbestenliste VfL Wolfsburg, abgerufen am 27. Juli 2026. Mit 18 Jahren bremsten beidseitige Achillessehnen-Operationen seine aktive sportliche Karriere aus. Noch während des Studiums (Diplom-Psychologie und Sportwissenschaften) an den Universitäten Gießen, Toronto und Göttingen orientierte er sich zum Trainerwesen.
Er begann seine Trainerlaufbahn 1985 als Vereinstrainer der Leichtathletikgemeinschaft (LG) Göttingen e.V., fungierte von 1986 bis 1990 als NLV-Landes-Disziplintrainer (Mittelstrecke weiblich), bevor er 1989 Bundestrainer der Juniorinnen und ab 1994 der Frauen beim Deutschen Leichtathletik-Verband wurde.„DLV-Jahrbuch 1992/93. Offizielles Jahrbuch des Deutschen Leichtathletik-Verbandes“, Leichtathletik Fördergesellschaft mbH (Hrsg.)„DLV-Jahrbuch 1995/96. Offizielles Jahrbuch des Deutschen Leichtathletik-Verbandes“, Leichtathletik Fördergesellschaft mbH (Hrsg.), Philippka-Verlag Münster. ISBN 3-89417-057-3„DLV-Jahrbuch 1990/91. Offizielles Jahrbuch des Deutschen Leichtathletik Verbandes“, Leichtathletik Fördergesellschaft mbH (Hrsg.) In seiner Amtszeit gestaltete er aktiv die Fusion beider deutscher Sportfördersysteme nach der deutschen Wiedervereinigung. 1992 war er zusätzlich als leitender Landestrainer im NLV und von 1992 bis 1996 auch als Leiter des DLV-Bundesstützpunktes in Hannover tätig.
Jung war einer der ersten Verfechter der 400-/800-Meter-Idee, allerdings im Vergleich zu heuteTraining für Athleten mit Fokus auf 400 und 800 Meter, Deutscher Leichtathletik-Verband, abgerufen am 31. Juli 2026 mit gegensätzlichem Konzept: Statt 400-Meter-Läuferinnen zum Wechsel auf die 800-Meter-Strecke zu raten, legte er großen Wert darauf, dass die von ihm betreuten 800-Meter-Läuferinnen eine Unterdistanzleistungsfähigkeit über 400 Meter entwickeln, die sie befähigt, in der 4-mal-400-Meter-Nationalstaffel zu laufen. Dies gelang eindrucksvoll bei den Juniorenwelt- und -europameisterschaften 1994, 1995 und 1996, in denen z. T. drei Mittelstrecklerinnen Teil der 4-mal-400-Meter-Staffel waren.
Die von ihm betreuten Athletinnen erzielten auf internationaler Bühne teils herausragende Erfolge. Dazu zählen Peggy Bartko (geb. Müller), Kristina da Fonseca-Wollheim, Kathleen Friedrich, Claudia Gesell, Susanne Hahn (geb. Ritter), Larissa Kleinmann, Kati Kovacs, Sylvia Kühnemund, Ulrike Maisch, Christiane Soeder, Ivonne Teichmann, Anne Terhorst (geb. Bruns) und Carmen Wüstenhagen. Viele von ihnen waren im Anschluss in der Frauenklasse Olympia-, WM- und EM-Starterinnen.
Jung veröffentlichte mehrere Buch- und Zeitschriften-Artikel zur Leichtathletik, u. a. für die Erstauflage des DLV-Rahmentrainingsplans Lauf.
Neben der aktiven Trainertätigkeit war er von 1990 bis 1992 Laufbahnberater am Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald.„Sportmanagement 92. Adreßbuch des Sports“, Deutsche Olympische Gesellschaft (Mit-Hrsg.) ISBN 3-922067-63-8
Als Psychologe und Sportlehrer war er Mitglied der Arbeitsgruppe um Uwe Tegtbur in der Rehabilitation von Herztransplantierten (HTX) an der Medizinischen Hochschule Hannover (1999–2002). Hierzu veröffentlichte Jung mehrere Artikel in Zusammenarbeit mit Tegtbur und anderen.Lebensqualität im Langzeitverlauf nach Herztransplantation, in: Z Kardiol 2003; 92:660-667, abgerufen unter Springer Verlag am 27. Juli 2026.Phase III Rehabilitation nach Herztransplantation - Effekte auf Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und kardiovaskuläre Risikofaktoren, Tegtbur, U., Busse, M.W., Jung, K., Machold, H., Brinkmeyer, U., Haverich, A., Pethig, K., in: Z Kardiol 2003, 92:908-915.Time course of physical reconditioning during exercise rehabilitation late after heart transplantation, Tegtbur, U., Busse, M.W., Jung, K., Pethig, K., Haverich, A., in: Journal of Heart and Lung Transplantation 2005, 24/3:270–274.
Mit dem Talentsichtungsprojekt GAGTAL (1988–1990) erarbeitete und erprobte er ein Konzept zur Talentsichtung mit mehr als 4000 Schülerinnen.„Systematische Talentsichtung und -förderung am Beispiel Göttingen“, Jung, K. (Hrsg.), unveröffentlichter Projektbericht, Göttingen 1990.
Von 1986 bis 2000 war Jung in der nationalen sowie internationalen Trainerausbildung aktiv. Im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojektes war er 1989 für das Nationale Olympische Komitee (heute: DOSB) als Leichtathletikexperte in der Trainerausbildung in Simbabwe tätig.
Mit Geburt seiner ersten Tochter im Januar 1997 endete seine Tätigkeit als Bundestrainer und Jung fokussierte sich zunächst auf das Familienleben. Im Juli 2000 kam seine zweite Tochter zur Welt. Später entstand mit der erstgeborenen Tochter Lisa Jung ein Vater-Tochter-Trainingsgespann, das 2016 von einer Bronzemedaille bei den deutschen U20-Meisterschaften im Siebenkampf gekrönt wurde.
Erfolge Die internationalen Höhepunkte seiner Trainerkarriere stellen sich wie folgt dar:
Junioren-WM: Gold 800 m Claudia Gesell, 1996 in Sydney, Australien Junioren-WM: Silber 800 m Kathleen Friedrich, 1996 in Sydney, Australien historisch einmaliger Doppelsieg für deutsche Läuferinnen bei Juniorenweltmeisterschaften Junioren-WM: Gold 4 × 400-m-Staffel mit Mittelstrecklerinnen Peggy Müller und Claudia Gesell, 1996 in Sydney, Australien Junioren-WM: Bronze 800 m Kati Kovacs, 1992 in Seoul, Südkorea Junioren-WM: Bronze 4 × 400-m-Staffel mit Mittelstrecklerinnen Ivonne Teichmann und Ulrike Urbansky, 1994 in Lissabon, Portugal Junioren-EM: Gold 10.000 m Dörte Köster, 1991 in Thessaloniki, Griechenland Junioren-EM: Bronze 800 m Anne Terhorst (geb. Bruns), 1993 in San Sebastian, Spanien Junioren-EM: 4. Platz 4 × 400-m-Staffel mit Mittelstrecklerinnen Kathleen Friedrich, Ivonne Teichmann und Ulrike Urbansky, 1995 in Nyíregyháza, Ungarn
Veröffentlichungen Individuelles Leistungsstreben und soziale Bezugsnormen bei jugendlichen Leichtathleten, in: Jugendleichtathletik, 1988, Schors-Verlag, Niedernhausen/Taunus, S. 319–326.* Wettkampfplanung im Aufbautraining jugendlicher Mittelstreckenläufer/innen", in: Die Lehre der Leichtathletik 1999, 6/99, 38. Jg., 15–17. Rahmentrainingsplan für das Aufbautraining Lauf, Deutscher Leichtathletikverband, W. Joch (Hrsg.). mit R. Schön, J. Bauer, N. Hessel, K. Moch, J. Neuhof, H. von Papen und M. Sanne, 2. Auflage 1992, Meyer & Meyer Verlag, Aachen. ISBN 3-89124-141-0.
Einzelnachweise
Kategorie:Psychologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Sportwissenschaftler Kategorie:Autor Kategorie:Leichtathletiktrainer (Deutschland) Kategorie:Geboren 1959 Kategorie:Mann